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Biosicherheitsmaßnahmen in Aquakulturbetrieben

Hinweise und Empfehlungen


Mit dem 2014 in Kraft getretenen Tiergesundheitsgesetz (TierGesG) wird jeder Tierhalter stärker in die Pflicht genommen, präventive Maßnahmen zu ergreifen. Krankheitserreger sollen nicht in den Tierbestand eingeschleppt oder aus dem Bestand verschleppt werden. Auch innerhalb eines Bestandes muss eine Ausbreitung von Erregern verhindert werden. Eine weitere Pflicht des Tierhalters gemäß § 3 TierGesG ist es, sich im Hinblick auf die Übertragbarkeit anzeigepflichtiger Tierseuchen bei dem von ihm gehaltenen Tieren sachkundig zu machen. Des Weiteren hat der Tierhalter Vorbereitungen zur Umsetzung von Maßnahmen zu treffen, die von ihm beim Ausbruch einer Tierseuche nach den für die Tierseuche maßgeblichen Rechtsvorschriften durchzuführen sind. Da Fische, Krebstiere und Weichtiere vom Geltungsbereich des TierGesG betroffen sind, gelten die Vorschriften des §3 TierGesG somit auch für Betreiber von gewerblichen Aquakulturbetrieben, für Zierfischhändler und für Hobbyhalter. Nach §4 Abs.1 Nr.1 Buchst. a der 2008 in Kraft getretenen Fischseuchenverordnung (FischSeuchV) können Aquakulturbetriebe nur dann von der zuständigen Behörde genehmigt werden, wenn nachweislich in den Betrieben geeignete Biosicherheitsmaßnahmen vorgehalten werden. Hiervon sind Zierfischhändler allerdings in der Regel ausgenommen.

Die nachfolgenden Hinweise mit Beispielen für Biosicherheitsmaßnahmen sollen eine Hilfestellung für Betreiber von Aquakulturanlagen sein.
Transport lebender Fische
Transport lebender Fische

I. Zukaufshygiene

Im Idealfall arbeitet ein Aquakulturbetrieb autark, d. h. er schließt eine eigene Laichfischhaltung mit ein. Ist jedoch aufgrund der Betriebsstruktur ein Zukauf von Fischen notwendig, sollten bereits im Vorfeld Informationen über den Hygienestandard und den Gesundheitsstatus der zu erwerbenden Fische eingeholt werden, um das Risiko einer möglichen Seucheneinschleppung zu minimieren.

Eine wichtige Hilfestellung dafür ist die Seuchenkategorie des Herkunftsbetriebes in Bezug auf die nicht exotischen Wassertierseuchen wie VHS, IHN, ISA KHV-I und WSD:

  • Kategorie I = EU- anerkannt seuchenfrei
  • Kategorie II = Überwachungsprogramm zur Erlangung von Kategorie I
  • Kategorie III = unverdächtig
  • Kategorie IV = Teilnahme an einem genehmigten Tilgungsprogramm
  • Kategorie V = mit einem Fischseuchenerreger infiziert

Diese Kategorisierung soll dazu dienen, dass Aquakulturbetriebe Wassertiere wie Fische oder Krebstiere in Betriebe mit gleichrangiger oder niedrigerer Kategorie liefern können. Betriebe der Kategorie I dürfen in alle Kategorien liefern, da sie als seuchenfrei gelten. Weitere mögliche Verbringungswege sind der Abbildung 1 zu entnehmen.

Abbildung 1  

Für den innerstaatlichen Handel zwischen Aquakulturbetrieben ist die Verwendung des sogenannten Anlagenpasses gemäß der Anlage 2 der Fischseuchenverordnung (FischSeuchV) grundsätzlich zu empfehlen. Dieser Anlagepass umfasst u. a. eine Gesundheitsbescheinigung, die bei der Verbringung von Fischen in Kategorie I-, II- oder IV-Betriebe verpflichtend ist. Bei Zukauf aus anderen Mitgliedstaaten der EU oder aus Drittländern sind Vorschriften über TRACES-Mitteilungen und das etwaige Mitführen von Gesundheitsbescheinigungen zu beachten.

Unabhängig von der jeweiligen Gesundheitskategorie ist aber grundsätzlich empfehlenswert, im Rahmen des Zukaufes als Empfänger Informationen über den Gesundheitsstatus und die Gesundheitsfürsorge des Herkunftsbetriebes zu erfragen. Es können ggf. auch Ankaufsuntersuchungen veranlasst werden. Auf die Transporthygiene ist ebenfalls zu achten, denn ungereinigte und nicht desinfizierte Transportfahrzeuge, Transportbehälter und Ausrüstung können unbelebte Vektoren (Überträger) für Krankheitserreger sein. Nach Anlieferung ist eine Kontrolle des Allgemeinbefindens und des Gesundheitszustands der Fische durchzuführen.

Branntkalkdesinefktion von Fischteichen
Branntkalkdesinefktion von Fischteichen

II. Reinigung und Desinfektion

Nach „Guter fachlicher Praxis“ sind Haltungseinrichtungen, Geräte und Verarbeitungsbereiche und ggf. auch befruchtete Eier regelmäßig zu desinfizieren. Für Transportvorrichtungen gilt, dass diese gemäß § 18 Absatz 3 FischSeuchV vor erneuter Benutzung gereinigt und desinfiziert werden müssen. Eine wirksame Desinfektion setzt zunächst eine gute Reinigung der Oberflächen voraus, denn Reste von Eiweiß oder eiweißhaltigem Material können die Wirksamkeit von chemischem Desinfektionsmittel stark beeinträchtigen. Nach dem Reinigen müssen die Flächen mit reichlich Was­ser abgespült werden, da auch alkalische Reinigerreste die Desinfektionswirkung mindern. Die Wahl des geeigneten Desinfektionsmittels hängt u. a. vom Erregerspektrum, der Jahreszeit und dem Einsatzbereich ab. Besonders in den Wintermonaten hat die Umgebungstemperatur für teichwirtschaftliche Betriebe einen entscheidenden Einfluss auf die Wirksamkeit eines Desinfektionsmittels. Bei Formaldehyd-haltigen Desinfektionsmitteln ist der sogenannte „Kältefehler“ besonders ausgeprägt. Die Wirksamkeit ist bei Wassertemperaturen unter 10°C deutlich eingeschränkt. Weniger kälteanfällig sind zum Beispiel Peressigsäure oder organische Säuren.

Wichtig ist, dass nur Präparate zum Einsatz kommen, die über ein gesichertes Wirkungsspekt­rum gegen die jeweiligen Erreger verfü­gen. Daher sollten nur Desin­fektionsmittel für die Geräte- und Flächendesinfektion verwendet werden, die in der DVG-Liste (Deutsche Veterinärmedizinische Gesell­schaft) aufgeführt sind. Außerdem dürfen nur für den jeweiligen Anwendungsbereich zugelassene bzw. verkehrsfähige Biozidprodukte verwendet werden. In großflächigen Karpfenteichwirtschaften können Desinfektionsmaßnahmen nur bedingt durchgeführt werden. Hier können neben der ordnungsgemäßen Reinigung und Desinfektion von Gerätschaften und Hälterungseinrichtungen auch Teichmanagementmaßnahmen wie das regelmäßige Abtragen von Teichsedimenten oder Schilfschnitte zur Biosicherheit beitragen.
Stiefeldesinfektion
Stiefeldesinfektion

III Betriebliches Management

III.1 Bildung von epidemiologischen Einheiten

Um einer Verschleppung von Tierseuchenerregen innerhalb des Betriebes vorzubeugen, ist die Bildung möglichst vieler, in sich geschlossener und durch Hygieneschranken getrennter Bereiche sinnvoll. Nach dem Zukauf von Fischen und Eiern sollte diese im Bestand zunächst für zwei bis drei Wochen zu Beobachtungszwecken abgesondert werden. Dabei ist eine Absonderung am Ende der Wasserkette seuchenhygienisch sinnvoll. Der Personenverkehr sollte, sofern möglich, auf ein Minimum beschränkt werden. Karpfenteichwirtschaften liegen allerdings häufig in Erholungs- und Naturschutzgebieten, sodass durch Spaziergänger stets ein Personenverkehr besteht, der nicht verhindert werden kann.
Eingehauste Forellenhaltung
Eingehauste Forellenhaltung

III.2 Schutzmaßnahmen gegen fischfressende Tiere und Schadnager

Fischfressende Vögel und Säugetiere können Vektoren darstellen, über die Fischseuchen- erreger passiv übertragen werden können. Um dem entgegenzuwirken und um auch den Stress zu minimieren, der durch ein erhöhtes Aufkommen dieser Tiere bei den Fischen ausgelöst wird, sollten Aquakulturbetriebe bzw. deren Haltungseinrichtungen, sofern möglich, wirksam durch Überspannung, Einzäunung und/oder Einhäusung geschützt werden. In dem Zusammenhang wird auf den Rund-Erlass des Nds. Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz(RdErl. d. ML v. 18. 5. 2017 – 204.1-42506-14 –– VORIS 78530) verwiesen, welcher geeignete Maßnahmen zur Vergrämung von Fischprädatoren darlegt und Empfehlungen für eine fachgerechte und ordnungsgemäße Überspannung, Einhausung und Einzäunung von Teichen und anderen Anlagen zur Haltung von Tieren in Aquakultur gibt. Karpfenteiche stellen auch hier eine besondere Herausforderung dar, da sie aufgrund ihrer Fläche in der Regel nicht zu überspannen, einzuhausen oder einzuzäunen sind. Hier muss das Augenmerk vor allem auf, wenn rechtlich möglich, jagdlicher Vergrämung und der (vorgeschriebenen) betrieblichen Schadnagerbekämpfung liegen. Sogenannte „Teich-in Teich“ Systeme können für Karpfenteiche ebenfalls Schutz gegen Prädatoren bieten.

III.3 Ausbildung und Weiterbildung, Personalschulung

Es ist unerlässlich, dass sich der Tierhalter im Hinblick auf die Übertragbarkeit anzeigepflichtiger Wassertierseuchen sachkundig macht. In dem Zusammenhang muss er sich mit möglichen Wegen der Übertragung über empfängliche und Überträgerarten bzw. über passive Vektoren auseinandersetzen. Diese Verpflichtung nach dem TierGesG schließt neben einer fundierten Ausbildung auch die laufende Aktualisierung der Kenntnisse und Fähigkeiten durch Fortbildung ein. Das Personal sollte ebenfalls gegenüber Fischseuchen und ihrer Übertragbarkeit sensibilisiert werden, um mögliche Symptome schnell zu erkennen.

III.4 Notfallplanung

Auch wenn das Tiergesundheitsgesetz nicht vorschreibt, wie eine innerbetriebliche Notfallplanung durchzuführen ist, wird eine schriftliche Fixierung eines entsprechenden Notfallplans für jeden Aquakulturbetrieb empfohlen. So kann gewährleistet werden, dass im Seuchenfall eine weitere Verschleppung so schnell wie möglich unterbunden werden kann. Der Notfallplan sollte Anweisungen an das Personal, Zugangsbeschränkungen, Maßnahmen zur Absonderung von Fischen und zur Entwesung, Reinigung und Desinfektion enthalten. Wichtige Kontaktdaten wie die der zuständigen Veterinärbehörde, des bestandsbetreuenden Tierarztes oder Fischgesundheitsdienstes und des VTN- Betriebs sollten gut zugänglich und in aktueller Form vorhanden sein.

III.5 Haltungsmanagement

Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass eine gründliche Teich- bzw. Beckenpflege mit Blick auf die Biosicherheit wichtig ist. Dazu gehören neben regelmäßigem Entfernen von Teichsedimenten und Uferbewuchs auch eine bedarfsgerechte Fütterung und insbesondere das Vermeiden von Überbesatz.
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