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Speckkäferbefall in der Wohnung

und was Sie jetzt tun sollten


Speckkäferbefälle kommen leider häufiger vor, als man denkt. Oft gelangen hin und wieder Käfer durch ein offenes Fenster in die Wohnung, können sich aber nicht etablieren. Wenn es dann doch zu einem Befall kommt, bleibt er lange unbemerkt, weil sich die Larven in dunklen Spalten und Ritzen aufhalten. Die kleinen Käfer werden meist nicht sonderlich beachtet. Erst, wenn immer mehr Käfer und Larven sichtbar werden oder sogar „Stiche“ durch kleinste Pfeilhaare zu sehen sind, wird der Befall entdeckt. Jetzt ist die genaue Bestimmung der Käfer nötig, denn es gibt viele verschiedene Arten von Speckkäfern, die alle eine etwas andere Lebensweise haben. Nur so kann die Bekämpfung erfolgreich sein und zudem entschieden werden, ob tatsächlich der Einsatz eines Schädlingsbekämpfers nötig ist.


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Dermestiden unterschiedlicher Gattungen
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Gemeiner Speckkäfer an Häuten

Was ist ein Speckkäfer und wo kommt er her?

Ein Speckkäfer ist ein Käfer aus der Familie Dermestidae. Sie ernähren sich von trockenen Stoffen tierischer Herkunft, wie beispielsweise Haaren, Federn, Wolle, Trockenfleisch und Trockenfisch, sowie zum Teil auch von trockenen pflanzlichen Stoffen (zum Beispiel Getreide oder Nudeln).

Da die Arten in der Familie der Speckkäfer in ihrer Biologie recht unterschiedlich sind, sind die Befallsermittlung und die Artbestimmung wichtige Voraussetzungen für die richtige Bekämpfung.

Die Familie der Speckkäfer beinhaltet mehrere Gattungen und Arten, unter anderem die größeren Arten der Gattung Dermestes, die eigentlichen Speckkäfer. Die kleineren Arten werden meist als Blüten- oder Teppichkäfer bezeichnet.

Die Speckkäferfamilie vereint weltweit circa 880 Arten. Man geht davon aus, dass ungefähr 67 verschiedene Arten in Mitteleuropa vorkommen. Einige Vertreter der Käferfamilie wurden zum Beispiel mit Handelswaren verschleppt und wurden dadurch weltweit verbreitet. Die Mobilität des Menschen in allen Lebensbereichen und der globalisierte Warenaustausch werden für die weitere Ausbreitung sorgen. Auch in Deutschland kommen im Freiland verschiedene Arten vor und können von draußen zufliegen.

Vorkommen

Speckkäfer sind in den verschiedensten Lebensräumen zu finden. Einige Arten leben als adulte Insekten und als Larven zusammen in der Bodenstreu. Einige Arten sind als Käfer Blütenbesucher, während sich die Larven von tierischen Produkten ernähren. Andere Arten wiederum haben sich auf Nester von Säugetieren, Vögeln, Bienen oder Wespen spezialisiert. Auch gefürchtete Vorratsschädlinge im Getreidebereich gehören zur Familie der Speckkäfer.

Aussehen und Entwicklung

Die Mitglieder der Familie Dermestidae durchlaufen eine holometabole Entwicklung mit meist fünf bis sieben Larvenstadien, unter ungünstigen Bedingungen können allerdings auch bedeutend mehr Larvenstadien auftreten.

Die adulten Käfer sind circa 1,5 bis 10 mm lang und sehr verschiedenartig.

Die Larven der in Europa vorkommenden Arten sind circa 1 bis 20 mm groß, länglich und mit verschiedenartigen Borsten und/oder Pfeilhaaren besetzt. Die Pfeilhaare haben am Ende ein pfeilartiges Köpfchen und enthalten ein lipidlösliches Allergen. Es ist für den Menschen nicht gefährlich, allerdings lösen Pfeilhaarstiche oft Juckreiz aus und können bei empfindlichen Personen manchmal zu allergischen Reaktionen führen. Die Pfeilhaare können zur Abwehr von Prädatoren eingesetzt werden.

Aufgrund ihrer Fraßschäden, die durch die Larven, bei manchen Arten aber auch durch die Käfer, an verschiedensten Materialien (zum Beispiel Wollpullover, Pelze, Getreideprodukte, Trockenfleisch, Trockenfisch, Teppichen aus Tierwolle) verursacht werden, sind die Speckkäfer als Material- und Vorratsschädlinge zu bezeichnen.

Materialschäden entstehen oft, wenn sich verpuppungsreife Larven in ausreichend weiche Materialien wie zum Beispiel Holz, Styropor oder auch Blei einbohren, um sich dort zum Käfer zu entwickeln.

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Dermestes maculatus

Was Sie jetzt tun sollten

Wie eingangs erwähnt ist die genaue Bestimmung der Käfer hilfreich bei der Bekämpfung. Greifen Sie also nicht sofort zum Staubsauger, sondern sammeln Sie möglichst viele Larven und Käfer ein.

Kleben Sie die Insekten nicht auf! Dies macht eine Bestimmung oft unmöglich.

Idealerweise fangen Sie die Tiere ein ohne sie zu berühren und frieren sie über Nacht ein. Anschließend legen Sie sie in ein stabiles Schraubgefäß und füllen es mit klarem, nicht gezuckertem Alkohol (mindestens 70 Prozent, zum Beispiel Ethanol oder Isopropanol). So halten sich die Insekten über mehrere Jahre.

Nun können Sie die Käfer jederzeit von uns oder dem Schädlingsbekämpfer ihres Vertrauens bestimmen lassen. Unser Einsendeformular finden Sie in der Infospalte unter Downloads.

Jetzt können Sie anfangen, die Wohnung zu reinigen. Vor allem die dunklen Bereiche, wo selten geputzt wird (zum Beispiel hinter den Fußleisten) sind oft befallen. Saugen sie Ritzen und Spalten gründlich ab. Den Staubsaugerbeutel sollten Sie nach jedem Gebrauch im Gefrierfach lagern, bis Sie ihn wieder benötigen. Wiederholen Sie das Staubsaugen regelmäßig alle paar Tage. Frieren Sie Textilien aus Wolle und anderen tierischen Materialien (vorsorglich) ein und waschen sie befallene Textilien, wenn möglich, bei 60°C.

Wenn das Ergebnis der Bestimmung vorliegt, können gegebenenfalls weitere Maßnahmen erfolgen.

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