Wildbiene des Jahres
Wildbienen gehören zusammen mit den Honigbienen zweifelsohne zu den wichtigen Bestäubern und damit Ökosystemdienstleistern. Jedes Jahr wählt das Kuratorium des Arbeitskreises Wildbienen-Kataster die Wildbiene des Jahres. Um qualifiziert zu sein, muss das Tier in Deutschland heimisch sein. Mit der jährlichen Wahl soll Aufmerksamkeit auf faszinierende Arten gelenkt werden, die häufig ungesehen einen großen Beitrag für unser Ökosystem leisten.
Derzeit sind 604 verschiedene Wildbienen-Arten in Deutschland und davon 381 in Niedersachsen nachgewiesen. Nach der aktuellen Roten Liste (PDF nicht barrierefrei) sind über 48 Prozent der Wildbienen-Arten in Deutschland bestandsgefährdet, 5,6 Prozent vom Aussterben bedroht und 6,6 Prozent bereits ausgestorben.
2026: Glockenblumen-Schmalbiene – Besondere Ansprüche
Die Glockenblumen-Schmalbiene (Lasioglossum costulatum) ist mit einer Köpergröße von nur etwa einem Zentimeter deutlich kleiner als die Honigbiene. Im Gegensatz zu dieser ist ihr Chitinpanzer tiefschwarz und glänzend gefärbt. Am Hinterleib trägt diese Biene auffallend schneeweiße Haarflecken.
Ihr Name weist auf ihre besondere Bindung zu Glockenblumengewächsen aus der Familie der Campanulaceae hin. Dort sammeln nämlich die Weibchen dieser Wildbienenart den Pollen, den sie für ihre Nachkommen in unterirdische Nester einträgt. Diese Art der Spezialisierung nennt man Oligolektie. Honigbienen gehören hingegen zu den polylektischen Bienenarten, da sie ihren Pollenbedarf von verschiedenen Pflanzen deckt. In der Regel sind die Flugzeiten oligolektischer Wildbienenarten mit den Blühzeiten der spezifischen Pollenquellen synchronisiert.
Das Vorkommen von Glockenblumen als unverzichtbare Pollenquelle bestimmt also die Lebensräume der „Wildbiene des Jahres 2026“. In Deutschland gibt es noch weitere Wildbienenarten mit dieser Bindung zu Blüten der Glockenblumengewächse. Darunter sind mehrere Sandbienen-Arten (Andrena), Arten von Glanzbienen (Dufourea), Scherenbienen-Arten (Chelostoma) sowie deren spezialisierte Kuckucksbienen. Zudem weist die Glockenblumen-Felsenbiene (Hoplitis mitis), eine Mauerbienen-Art, und die Glockenblumen-Sägehornbiene (Melitta haemorrhoidalis) diese enge Blütenbindung auf. Daher sind Glockenblumen und ihre Habitate wertvolle Wildbienen-Lebensräume für spezialisierte Arten. Blüten der Glockenblumen werden auch von einigen Wildbienen als Schlafplatz genutzt.
Die Glockenblumen-Schmalbiene fördern
Wer diese besonderen Wildbienen-Arten fördern möchte, kann zum Beispiel im eigenen Garten Glockenblumen säen oder pflanzen. Dazu eignen sich die Knäuel-Glockenblume (Campanula glomerata), die Rapunzel-Glockenblume (Campanula rapunculus), die Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia) und andere heimische Campanula-Arten. Glockenblumen sind pflegeleicht und benötigen einen sonnigen bis halbschattigen Standort. Sind in der Nähe offenen Bodenstellen geschaffen, bietet sich den Wildbienen zudem Nistmöglichkeiten. Glockenblumen sollten in keinem naturnahen Garten fehlen.

