Wildbienen brauchen unsere Aufmerksamkeit.
Wildbiene des Jahres 2026
Wildbienen benötigen unsere Aufmerksamkeit und Unterstützung
Deshalb begrüßt das Team des Imkerfachberatungsdienstes im Celler Bieneninstitut Sie im neuen Jahr mit dem Hinweis auf die Wahl der Glockenblumen-Schmalbiene (Lasioglossum costulatum) zur „Wildbiene des Jahres 2026“. Die Wahl erfolgte durch das Kuratorium „Wildbiene des Jahres“ des Arbeitskreises Wildbienen-Kataster. Wie in jedem Jahr, soll mit dieser Auszeichnung die Aufmerksamkeit auf faszinierende Wildbienenarten gelenkt werden, die in Deutschland heimisch sind. Derzeit sind in Deutschland insgesamt 604 [1] verschiedene Wildbienen-Arten und in Niedersachsen 381 [2] Arten nachgewiesen. Nach der aktuellsten Rote Liste sind über 48 Prozent der Wildbienen-Arten in Deutschland bestandsgefährdet, 5,6 Prozent vom Aussterben bedroht und 6,6 Prozent sind bereits ausgestorben [1]. Daher benötigen gerade auch die Wildbienen unsere Aufmerksamkeit und Unterstützung.
Die Glockenblumen-Schmalbiene – eine Biene mit besonderen Ansprüchen
Die Glockenblumen-Schmalbiene ist mit einer Köpergröße von nur etwa einem Zentimeter deutlich kleiner als die Honigbiene. Im Gegensatz zu dieser ist ihr Chitinpanzer tiefschwarz und glänzend gefärbt. Am Hinterleib trägt diese Biene auffallend schneeweiße Haarflecken.
Ihr Name weist auf ihre besondere Bindung zu Glockenblumengewächsen aus der Familie der Campanulaceae hin. Dort sammeln nämlich die Weibchen dieser Wildbienenart den Pollen, den sie für ihre Nachkommen in unterirdische Nester einträgt. Diese Art der Spezialisierung nennt man Oligolektie. Honigbienen gehören hingegen zu den polylektischen Bienenarten, da sie ihren Pollenbedarf bekanntlich von verschiedenen Pflanzen deckt. In der Regel sind die Flugzeiten oligolektischer Wildbienenarten mit den Blühzeiten der spezifischen Pollenquellen synchronisiert. Das Vorhandensein von Glockenblumen als unverzichtbare Pollenquelle entscheidet also über das Vorkommen der „Wildbiene des Jahres 2026“. In Deutschland gibt es noch weitere Wildbienenarten mit dieser Bindung zu Blüten der Glockenblumengewächse. Darunter sind mehrere Sandbienen-Arten (Andrena), Arten von Glanzbienen (Dufourea) und Scherenbienen-Arten (Chelostoma). Zudem weist die Glockenblumen-Felsenbiene (Hoplitis mitis), eine Mauerbienen-Art, und die Glockenblumen-Sägehornbiene (Melitta haemorrhoidalis) diese enge Blütenbindung auf. Daher sind Glockenblumen und ihre Habitate, wo sie wachsen, bekanntlich wertvolle Wildbienen-Lebensräume für spezialisierte Arten, zu denen auch die Kuckucksbienen gehören. Blüten der Glockenblumen werden auch von einigen Wildbienen als Schlafplatz genutzt.
Die Glockenblumen-Schmalbiene fördern
Wer diese besonderen Wildbienen-Arten fördern möchte, kann zum Beispiel im eigenen Garten heimische Glockenblumen säen oder pflanzen. Dazu eignen sich die Knäuel-Glockenblume (Campanula glomerata), die Rapunzel-Glockenblume (Campanula rapunculus), die Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia) und andere heimische Campanula-Arten. Glockenblumen sind pflegeleicht und benötigen einen sonnigen bis halbschattigen Standort. Sind in der Nähe offenen Bodenstellen geschaffen, bietet man den Wildbienen zudem Nistmöglichkeiten an. Glockenblumen sollten in keinem naturnahen Garten fehlen.
Wir grüßen Sie aus dem Bieneninstitut Celle - bleiben Sie gesund!
Dr. Otto Boecking, Franziska Benz-Odemer, Stefanie Ludewig, Stefan Lembke
Literatur:[1] Scheuchl et al. (2023) Die Wildbienenarten Deutschlands – Kritisches Verzeichnis und aktualisierte Checkliste der Wildbienen Deutschlands (Hymenoptera, Anthophila). Anthophila 1(1): 25-138.
[2] Theunert R. (2023) Prodromus zur 2. Fassung der „Roten Liste der in Niedersachsen und Bremen gefährdeten Wildbienen (Hymenoptera: Apidae)“. Beitr. Naturk. Niedersachsens 76: 39-65.

