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Referenzsystem für ein vitales Bienenvolk - FIT BEE

Das Gesamtziel des in den Jahren 2011 bis 2015 durchgeführten Verbundprojektes „ Referenzsystem für ein vitales Bienenvolk – FIT BEE“ war es, die komplexen Wechselwirkungen zwischen Einzelbienen, Bienenvolk, Bienenkrankheiten und Umweltparametern besser zu verstehen. Die Bedingungen für ein gesundes Bienenvolk sollten definiert werden, um diese Bedingungen durch gezielte Maßnahmen verbessern zu können. Das Verbundprojekt bestand aus insgesamt sieben Modulen.
Das LAVES Institut für Bienenkunde Celle bearbeitete ein Modul innerhalb des FIT BEE-Gesamtprojektes in enger Kooperation mit dem Software- und Dienstleistungsunternehmen IP SYSCON GmbH. In diesem Teilprojekt wurde vom Bieneninstitut Celle untersucht, welchen Einfluss Standortfaktoren wie Klima, Nahrungsangebot, Pflanzenschutzmittel und Pathogene auf die Entwicklung und Robustheit von Bienenvölkern gleicher genetischer Herkunft und mit gleichen Startbedingungen haben. Für den versuchspraktischen Teil wurden von 2011 bis 2015 drei Bienenvölkergruppen à sechs Völker an Standorten mit – nach menschlichem Ermessen – unterschiedlichen Standortfaktoren geführt: Die Landgruppe stand an landwirtschaftlichen Nutzflächen mit guter Pollen- und Nektarversorgung im Frühjahr und an Standorten mit schlechter Pollen- und Nektarversorgung im Sommer und Herbst. Die Wandergruppe stand an blühenden Agrarflächen im Frühjahr, an Blühstandorten mit hoher Diversität im Sommer, beide mit guter Pollen- und Nektarversorgung, aber an landwirtschaftlich genutzten Flächen im Spätsommer/Herbst mit schlechter Pollen- und Nektarversorgung. Die Stadtgruppe hatte eine große Blühvielfalt mit guter Pollen- und Nektarversorgung über das gesamte Jahr zur Verfügung (Großstadt).
Die Bienenvölker standen auf elektronischen Stockwaagen mit Messfühlern für das Mikroklima. Das potentielle Nahrungsangebot konnte aus georeferenzierten Flächennutzungsplänen wie InVekoS (Integriertes Verwaltungs- und Kontrollsystem der EU) sowie Baumkataster ermittelt werden. In den vier Versuchsjahren wurden regelmäßig Populationsschätzungen (n=700) durchgeführt, neben Bienenproben für die Krankheitsanalyse wurden Bienenbrot- und Pollenpelletproben sowie Honigproben genommen. 540 Pollen- und 115 Honigproben dienten zur Klärung der botanischen Herkunft der Nahrung sowie dem Eintrag von Umweltkontaminanten (Pflanzenschutzmittel, Schwermetalle, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe). Insgesamt wurde von den 18 Völkern in den vier Jahren 3.200 kg Honig (44,4 kg/Volk und Jahr) geerntet.
Neben dem versuchspraktischen Projektanteil lag ein weiterer Schwerpunkt gemeinsam mit dem Modulpartner IP SYSCON GmbH auf der Etablierung eines Fachinformationssystems (FIS). Basierend auf den Erhebungsbögen des Bieneninstitutes Celle wurde das FIS „Mein Bienenstand“ ( www.meinbienenstand.de) entwickelt, mit dem die beteiligten Wissenschaftler, aber auch private Imker die Entwicklung ihrer Völker dokumentieren und auswerten können.
Die Ergebnisse des Forschungsprojektes:
Die Volksstärken der Landgruppe und die der Wandergruppe glichen sich im Durchschnitt über die Versuchsjahre bezüglich der Anzahl der Arbeiterinnenbrut pro Schätzungstermin, Stadtgruppe C hatte durchschnittlich etwas mehr Arbeiterinnenbrut. Die Bienenvölker der Stadtgruppe bauten durchschnittlich mehr Drohnenrahmen aus und eine häufigere Ablegerbildung war möglich als bei den anderen beiden Gruppen.
In den 655 Pollen- und Honigproben wurden insgesamt 90 verschiedene Pflanzenfamilien mit 185 Pflanzengattungen ermittelt. Die Mengen an gesammeltem Nektar und Pollen unterscheiden sich zwischen den Standorten, aber auch zwischen den Jahren erheblich. Im Durchschnitt wurden pro Volk und Jahr der Landgruppe 32 kg, der Wandergruppe 41 kg und der Stadtgruppe 65 kg Honig geerntet. Am Agrarstandort herrschte in zwei von vier Sommern Nektarmangel. Aus den Daten der Pollenanalysen war ersichtlich, dass die Völker der Land- und Wandergruppe ihren Bedarf im Sommer und Herbst vorwiegend von Pflanzen in Blühstreifen und Zwischenfruchtfeldern deckten. Dies gibt einen Hinweis darauf, wie wichtig Blühstreifen für die Deckung des Pollenbedarfs an Agrarstandorten sein können. Ansonsten waren Bäume und Sträucher an allen Standorten gut genutzte Trachtquellen.
Der Gesundheitszustand war im Allgemeinen bei allen drei Gruppen ähnlich. Im Versuchsjahr 2014 hatte die Land- und die Wandergruppe eine höhere Belastung mit Varroa destructor zu verzeichnen.
340 Pollenproben und 15 Honigproben wurden auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln untersucht. In der Landgruppe sowie in der Wandergruppe waren über 80 % der Pollenproben belastet, in der Stadtgruppe waren es 25 % (n=80/Gruppe, 2012 + 2013). Von den 15 untersuchten Honigproben waren sieben mit nachweisbaren Rückständen. In der Landgruppe wurden maximal drei Wirkstoffe parallel in einer Honigprobe analysiert, in der Wandergruppe war ein Wirkstoff, in den Honigproben der Stadtgruppe waren keine Pflanzenschutzmittelrückstände nachweisbar. Die Konzentrationen lagen jeweils unter den zulässigen Höchstmengen.
Fazit: Als Vitalitätsparameter wurden die Volkentwicklung, die Einwinterungs- wie auch die Auswinterungsgröße der Bienenvölker, die qualitative und quantitative Trachtnutzung, die aufgrund von Nektarmangelsituationen an agrarisch geprägten Standorten im Sommer negativ beeinflusst sein konnte, die Möglichkeit der Völkervermehrung sowie der Gesundheitszustand untersucht. Neben standortbedingten Einflüssen wie dem Klima waren die Wirkstoffeinträge von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen auf agrarisch genutzten Standorten evident, insbesondere im fetthaltigen Pollen. Honig war gering (Frühjahrshonige) bis nicht belastet. In den meisten untersuchten Parametern schnitt die Stadtbienengruppe vor der Wanderbienengruppe und der Landbienengruppe am besten ab.
Dies Projekt wurde gefördert durch das BMELV / die BLE (FKZ 28-1-71.009-10).
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Schlussbericht

Referenzsystem für ein vitales Bienenvolk - FIT BEE

 Modul 5: Multifaktorielle Einflüsse auf Bienenvölker und GISgestütztes Fachinformationssystem

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