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Superfood Hanf: Wie hoch sind die Δ9-Tetrahydrocannabinol-Gehalte in hanfhaltigen Lebensmitteln?

Hanfhaltige Lebensmittel werden immer zahlreicher und beliebter. Neben dem klassischen Hanföl findet man vor allem Hanfsamenprodukte, die als Mehlersatz, in Müslimischungen oder als Bratlinge angeboten werden. Die Samenrückstände der Ölpressung werden als Hanfproteinpulver vermarktet. Die Blätter und Blüten werden als Tee oder Würzmischungen angeboten, oder auch als Basis für bierähnliche Getränke verwendet.

Der Anbau von Nutzhanf ist seit 1996 unter strikten Auflagen wieder erlaubt. Dabei darf nur zertifiziertes Saatgut verwendet werden, dessen Δ9-Tetrahydrocannabinol (Δ9-THC)-Gehalt 0,2 % nicht übersteigt. Der Anbau muss bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung angezeigt werden und vor jeder Ernte wird der Δ9-THC-Gehalt nochmals überprüft.

Die höchste Δ9-THC-Konzentration findet sich in den Drüsenhaaren der Blätter und Fruchtstände der Hanfpflanze. Dahingegen ist in den Hanfsamen nahezu kein THC enthalten. Allerdings kann es bei der Ernte zu Verunreinigung der Samen durch die Blätter kommen, so dass immer wieder Δ9-THC-Gehalte in Hanfölen oder Samenprodukten nachzuweisen sind. Diese Verunreinigung lässt sich aber durch verfahrenstechnische Maßnahmen reduzieren und ist somit vermeidbar.

Δ9-Tetrahydrocannabinol ist ein natürlicher, psychoaktiver Inhaltsstoff der Hanfpflanze. Um eine solche Wirkung durch konsumierte Lebensmittel zu vermeiden, hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) 2015 einen ARfD-Wert von 1 µg Δ9-THC/kg Körpergewicht abgeleitet. Die akute Referenzdosis (ARfD) ist diejenige Substanzmenge pro Kilogramm Körpergewicht, die über die Nahrung mit einer Mahlzeit oder innerhalb eines Tages ohne erkennbares Risiko für Verbraucherinnen und Verbraucher aufgenommen werden kann. In Deutschland hat außerdem das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) im Jahr 2000 Richtwerte für maximale Gesamt-Δ9-THC-Gehalte in verschiedenen Lebensmittelgruppen veröffentlicht. Diese liegen bei:

  • 0,005 mg/kg für nicht-alkoholische und alkoholische Getränke,
  • 5 mg/kg für Speiseöle sowie
  • 0,15 mg/kg für alle anderen Lebensmittel und beziehen sich auf verzehrfertige Lebensmittel (BgVV 2000).

Allgemein soll demnach die tägliche Aufnahmemenge von 1-2 µg Gesamt-Δ9-THC pro kg Körpergewicht nicht überschritten werden.

Untersuchungen des LAVES

Seit dem Jahr 2000 untersucht das Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover am Standort Braunschweig Hanfprodukte auf Δ9-THC. Die verwendete gaschromatographische Methode (Normmethode aus der amtlichen Sammlung von Untersuchungsverfahren gemäß § 64 Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB)) wandelt dabei die inaktive THC-Säure in die aktive Form um, so wie es auch beim Erhitzen von Lebensmitteln passieren würde. Als Ergebnis wird dann der Gesamt-Δ9-Tetrahydrocannabinol-Gehalt ermittelt. Das folgende Diagramm zeigt die ansteigenden Probenzahlen der letzten Jahre, wobei der letzte Punkt sich lediglich auf die Probenzahlen im ersten Quartal 2019 bezieht:

Probenzahlen 2018/2019
Probenzahlen 2012 bis 2019
Vor allem durch das wachsende Angebot an Hanfprodukten mit angereicherten Cannabinoiden, wie zum Beispiel Cannabidiol (CBD) sind die Probenzahlen in den Jahren 2018/2019 stark angestiegen.

Untersuchungsergebnisse

Hanföle

Im Untersuchungszeitraum wurden insgesamt 15 Hanföle untersucht. Hanföl wird durch Kaltpressung der Hanfsamen gewonnen. Es hat einen hohen Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Die ölhaltigen Hanfsamen enthalten keine Cannabinoide. Allerdings kann es durch unsachgemäße Ernte und Verarbeitung zu einer Kontamination der Samen kommen.
In zwei Proben konnte kein Δ9-THC nachgewiesen werden (Nachweisgrenze 0,5 mg/kg). Der Richtwert von 5 mg/kg Gesamt-Δ9-THC wurde bei sechs Proben überschritten. Die höchsten Werte für Gesamt-Δ9-THC lagen bei 23,2 und 25,2 mg/kg.

Gesamt-Δ9-THC kleiner 5 mg/kg zwischen 5-10 mg/kg über 10 mg/kg
Anzahl der Proben 9 1

5

(max. 25,2 mg/kg)

Hanfsamen & Hanfsaat (ganz und gemahlen)

Hanfsamen und Hanfsaat (auch Hanfproteinpulver) können unterschiedliche Verwendung als Lebensmittel haben. Während ganze Hanfsamen zum Beispiel als Topping in Müsli oder zu Salaten gegeben werden, findet das entölte Hanfsamenmehl Anwendung als glutenfreier Mehlersatz beim Backen und Kochen. Von den 18 untersuchten Proben konnte keine den Richtwert von 0,15 mg/kg Gesamt-Δ9-THC einhalten. Die Tabelle gibt einen Überblick über die ermittelten Gehalte:

Gesamt-Δ9-THC kleiner 1 mg/kg zwischen 1-3 mg/kg über 3 mg/kg
Anzahl der Proben4 8

6

(max. 7,6 mg/kg)

Nahrungsergänzungsmittel (NEM)

NEM sind Lebensmittel, die dazu bestimmt sind, die allgemeine Ernährung zu ergänzen. Das Inverkehrbringen von Nahrungsergänzungsmitteln ist in Deutschland in der Verordnung über Nahrungsergänzungsmittel (NemV) geregelt.

§ 5 dieser Verordnung bestimmt die Anzeigepflicht. Danach hat der Hersteller oder Einführer eines Nahrungsergänzungsmittels dies spätestens vor dem ersten Inverkehrbringen beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) anzuzeigen.

Als Richtwert für den Gesamt-Δ9-THC-Gehalt fallen NEM unter die Kategorie „alle anderen Lebensmittel“ (0,15 mg/kg). Allerdings wird hierbei noch die angegebene Tagesdosis berücksichtigt, so dass sich der Richtwert auf die tägliche Aufnahmemenge berechnet. Diese soll 1-2 µg Gesamt-Δ9-THC pro kg Körpergewicht (s.o.) nicht übersteigen.

Bei den untersuchten Proben muss deutlich zwischen „normalen“ NEM mit Hanf und „angereicherten“ NEM mit zum Beispiel erhöhten Cannabidiol (CBD)-Gehalten unterschieden werden. Durch die Anreicherung resultieren deutlich höhere Gehalte an Gesamt-Δ9-THC. Zur rechtlichen Einschätzung solcher angereicherter Produkte wird auf die FAQs des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit verwiesen. Die folgenden Tabellen verdeutlichen den Unterschied zwischen den Produktgruppen:


NEM – nicht angereichert (9 Proben)

Gesamt-Δ9-THC kleiner 1 mg/kg zwischen 1-3 mg/kg über 3 mg/kg
Anzahl der Proben 5 1

3

(max. 26,3 mg/kg)


NEM – angereichert (25 Proben)

Gesamt-Δ9-THC kleiner 1000 mg/kg

zwischen

1000-3000 mg/kg

über 3000 mg/kg
Anzahl der Proben 8 14

3

(max. 4500 mg/kg)


Fazit

Hanfhaltige Lebensmittel können eine Bereicherung in der heutigen Ernährung sein. Die aus Hanfsamen gewonnenen Produkte sind von Natur aus nahezu frei von Δ9-THC und anderen Cannabinoiden. Allerdings kann es bei der Ernte und Verarbeitung zu einer (vermeidbaren) Kontamination mit Δ9-THC kommen. Die Untersuchungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass es dadurch immer wieder zu Überschreitungen der Richtwerte beziehungsweise des ARfD-Wertes kommt.

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