LAVES Niedersachen klar Logo

Eierlikör – der Klassiker zu Ostern

Bisher wurde Eierlikör oft mit dem Kaffeeklatsch bei Oma, Tanten und älteren Damen in Verbindung gebracht. Doch dies scheint sich zu ändern – auch junge Menschen bekennen sich zum Eierlikör. Unbestritten bleibt sicherlich die Tradition zu Ostern, Eierlikör im Haus zu haben.

Eierlikör kann auf vielfältige Weise eingesetzt und genossen werden. Er macht Kuchen saftig und schmackhaft, verfeinert als Topping Eis oder Desserts und schmeckt natürlich auch pur, gern aus kleinen Schokoladenbechern. Doch woher kommt diese Mischung aus Eiern, Alkohol und Zucker, was sagt der Gesetzgeber dazu und ist dieses Erzeugnis aus rohen Eiern ein sicheres Lebensmittel?


Wie entstand das Getränk?

Die Ureinwohner des Amazonasgebietes, dem heutigen Brasilien, stellten ein alkoholisches Getränk mit Namen „Abacate“ auf der Basis des weichen Avocadofruchtfleisches her. Die Kolonialisten variierten das Getränk, in dem sie Rum und Rohrzucker zusetzten und es fortan „Advocaat“ nannten. Die Niederländer brachten das Rezept im 17. Jahrhundert schließlich mit nach Europa. Da Avocados hier nicht verfügbar waren, experimentierte man mit Eigelb und erfand so den Eierlikör.
Zutaten für Eierlikör: Alkohol und Eier
Zutaten für Eierlikör

Wie ist Eierlikör lebensmittelrechtlich definiert?

Lebensmittelrechtlich handelt es sich bei Eierlikör um eine Spirituose. Die europäische Spirituosen-Verordnung VO (EG) Nr. 110/2008 macht Vorgaben zur Bezeichnung, zur Herstellung, zu Zutaten und ihren Mindest- oder Höchstgehalten.

Dort ist „Eierlikör“ folgendermaßen definiert:

  • Eierlikör oder Advocaat/Avocat/Advokat ist eine Spirituose, aromatisiert oder nicht, die aus Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs, einem Destillat und/oder Brand gewonnen wird und als Bestandteile hochwertiges Eigelb und Eiweiß sowie Zucker oder Honig enthält. Der Mindestgehalt an Zucker oder Honig, ausgedrückt als Invertzucker, beträgt 150 Gramm je Liter. Der Mindestgehalt an reinem Eigelb beträgt 140 Gramm je Liter des Fertigerzeugnisses.
  • Der Mindestalkoholgehalt von Eierlikör oder Advocaat/Avocat/Advokat beträgt 14 % vol.
  • Ausschließlich Aromastoffe gemäß Artikel 3 Absatz 2 Buchstabe b der Aromen-VO (Verordnung (EG) Nr. 1334/2008) und Aromaextrakte gemäß Artikel 3 Absatz 2 Buchstabe d derselben Verordnung können zur Herstellung von Eierlikör oder Advocaat oder Avocat oder Advokat verwendet werden.
Bisher wurden besonders von kleinen Herstellern und Selbstvermarktern gern auch Sahne, Milch oder andere geschmackgebende Lebensmittel als Zutaten verwendet. Das ist seit der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) C-462/17 vom 25.10.2018 nicht mehr zulässig. Der EuGH hat entschieden, dass eine Spirituose nur dann als "Eierlikör" bezeichnet werden darf, wenn diese keine anderen als die in Spirituosen-Verordnung genannten Bestandteile enthält.



Dürfen Zusatzstoffe verwendet werden?

Nach der Europäischen Zusatzstoff-Verordnung VO (EG) Nr. 1333/2008 darf Eierlikör weder konserviert noch mit Süßungsmitteln versetzt werden. Zugelassene Farbstoffe dürfen verwendet werden, wobei ein Zusatz auf dem Etikett mit der Angabe „mit Farbstoff" kenntlich gemacht werden muss.


Was wird im LAVES untersucht?

Im Rahmen der Amtlichen Lebensmittelüberwachung wird Eierlikör regelmäßig im Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover untersucht. Überprüft werden insbesondere die Gehalte an Alkohol, Zucker und Eigelb. Über die analytische Bestimmung von Cholesterin, einem natürlichen Inhaltsstoff des Hühnereigelbs, kann die verarbeitete Menge an Eigelb berechnet werden. Dieses Verfahren stößt bei Eierlikör aus Straußeneiern allerdings an seine Grenzen, da für Straußeneier im Gegensatz zu Hühnereiern kaum Daten zum durchschnittlichen Eigelbgehalt beziehungsweise Cholesteringehalt pro Ei vorliegen.

Zwischen 2014 und 2018 wurden insgesamt 52 Proben, davon drei Straußeneierliköre, untersucht. Bis auf eine Ausnahme wurde der geforderte Mindestgehalt an Eigelb erreicht. Häufig lag der Eigelbgehalt sogar deutlich über der Mindestmenge. Bei vier Proben war die Abweichung zwischen dem ermittelten und dem deklarierten Alkoholgehalt zu groß. Nach der europäischen Lebensmittel-Informationsverordnung VO (EU) Nr. 1169/2011 darf die Abweichung nicht größer als ± 0,3 % vol sein. Eine Überschreitung dieser Toleranz wird eher bei kleineren Herstellern beobachtet. Es ist zu vermuten, dass die Zutaten abgewogen und nicht nach Volumen abgemessen werden. Da der Alkoholgehalt jedoch in % vol angegeben werden muss, ergeben sich zum Teil sehr große Differenzen.

Ebenfalls kleinere Hersteller verwendeten zur Verfeinerung häufig Milcherzeugnisse, wie Sahne. Dies wurde bis zum bereits erwähnten Urteil des EuGH toleriert. Allerdings fehlte in einigen Fällen der Hinweis auf diese Zutaten, die zu den Stoffen mit allergenem Potential zählen.



Rohe Eier im Likör – eine Gefahr für die Gesundheit?

Nein! Für die Herstellung von Eierlikör werden zwar rohe Eier verwendet, eine Gefahr durch Salmonellen kann für dieses Produkt durch den vorgeschriebenen Alkoholgehalt von mindestens 14 % vol aber ausgeschlossen werden. Nähere Informationen dazu kann der Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) („Eierlikör aus häuslicher und kleingewerblicher Fertigung – Herstellung unter Verwendung von Rohei“) entnommen werden.


Wie gelingt die sichere Herstellung zu Hause?

Zuerst sollten die rohen Eigelbe mit dem Alkohol separat vermischt werden. Um eine Keimreduktion herbeizuführen sollte diese Mischung mindestens drei Tage bei Zimmertemperatur stehen gelassen werden. Nun können restliche Zutaten, wie Zucker, mit der Masse vermengt werden. Die gezuckerte Eigelb-Alkohol-Mischung muss einen Alkoholgehalt von mindestens 10% vol aufweisen. Das selbstgemachte Getränk sollte kühl und dunkel gelagert werden und möglichst zügig verbraucht werden. Der hochprozentige Alkohol, der auch unvergällter Alkohol genannt wird, ist in Apotheken erhältlich. Alternativ können natürlich auch handelsübliche Spirituosen wie Kornbrand und Wodka mit mindestens 37,5 % vol Alkohol verwendet werden.

Vielleicht kommen auch Sie auf den Geschmack!

zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln