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Schwere Ketten

Blei und Cadmium in Modeschmuck – ein alter Hut?



Modeschmuck für Kinder und junge Leute ist nach wie vor angesagt. Er orientiert sich an saisonalen Trends und ist günstig. Die bunten Perlen, Anhänger, Ohrringe oder Ketten können aber auch Gefahren bergen. So können Kleinteile verschluckt werden und es kann zu Verletzungen im Rachenbereich oder gar zum Ersticken kommen. Eine weitere, oft unterschätzte, Gefahrenquelle ist die Zusammensetzung des Materials. Dabei kann es durch das Verschlucken nicht nur zu den genannten Verletzungen kommen, sondern auch zu Vergiftungen, wenn die verschluckten Teile beispielsweise Schwermetalle enthalten, die vom Körper aufgenommen werden können.

Bei Untersuchungen von Modeschmuck in den letzten Jahren wurde immer wieder festgestellt, dass blei- und cadmiumhaltiger Modeschmuck den Weg nach Europa und auf den deutschen Markt findet. Blei und Cadmium können über die Nahrung aufgenommen werden oder über die Luft in den Körper gelangen,
weshalb weitere Expositionsquellen so gering wie möglich ausfallen oder vermieden werden sollten.

In Ermangelung rechtlicher Vorgaben zu Bleigehalten in Modeschmuck wurde in der Vergangenheit zur Orientierung der in den USA geltende Grenzwert für die Bioverfügbarkeit von Blei herangezogen.

Neue europäische Grenzwerte in der REACH-Verordnung

Mit dem Inkrafttreten der REACH-Verordnung (VO (EG) Nr. 1907/2006) und deren Änderungen wurden für den europäischen Raum Grenzwerte für Blei und Cadmium in Modeschmuck und ähnlichen Erzeugnissen erlassen. Bei der REACH-Verordnung handelt es sich um eine Verordnung, die in allen europäischen Mitgliedstaaten gilt und die Registrierung, Zulassung und Beschränkung von Chemikalien durch Hersteller und Importeure regelt. Dabei soll durch die erhöhte Eigenverantwortlichkeit der Hersteller für ein hohes Schutzniveau von Mensch und Umwelt
gesorgt werden.

Im Anhang XVII der Verordnung sind für die Schwermetalle Blei und Cadmium Grenzwerte genannt, die z. B. in Metallschmuck, Armbanduhren, Piercingschmuck oder Manschettenknöpfen nicht überschritten werden dürfen. Andernfalls ist ein Inverkehrbringen dieser Artikel untersagt.

Konkret liegt der Grenzwert für Blei bei 0,05 Prozent (der Masse) und für Cadmium bei 0,01 Prozent. Wichtig ist dabei, dass sich diese Betrachtung nicht nur auf das ganze Schmuckteil, sondern auch auf die einzelnen Teile bezieht. Das bedeutet, dass ein Schmuckstück auch dann nicht verkehrsfähig ist, wenn z. B. von einer Halskette mit Anhänger der Verschluss des Schmuckstücks den Anforderungen durch eine Grenzwertüberschreitung nicht entspricht.

Untersuchungen im LAVES

Im Jahr 2016 wurden 27 Modeschmuckproben aller Art am Institut für Bedarfsgegenstände in Lüneburg des LAVES untersucht. Unter den untersuchten Proben befanden sich Ohrringe, Ohrstecker, Armbänder sowie Halsketten mit diversen Anhängern. Bei dieser Untersuchungsserie gab es zwei Proben, die durch Blei- und Cadmiumgehalte
weit über dem Grenzwert auffielen. Bei beiden Proben handelte es sich um Ohrringe bzw. Ohrhänger. In der Teilprobe eines Ohrhängers wurde ein Cadmiumgehalt von 59 Prozent ermittelt. Die zweite Probe wies in zwei verschiedenen Teilen Bleigehalte von 71 Prozent sowie 89 Prozent auf.

Im Jahr 2015 wurden im Rahmen des Bundesweiten Überwachungsplans (BÜp) im Institut für Bedarfsgegenstände 37 Proben, die sich in 123 Teile separieren ließen, auf ihren Blei- und Cadmiumgehalt hin untersucht. In 15 Teilen konnten Bleigehalte ermittelt werden, die den Grenzwert geringfügig überschritten. 2 dieser 15 Teile wiesen Werte bis 2 Prozent auf und überschritten den Grenzwert für Blei von 0,05 Prozent, womit diese Erzeugnisse nach der REACH-Verordnung nicht verkehrsfähig sind. Cadmium wurde in keiner Teilprobe gefunden.

Unter Berücksichtigung aller Daten der letzten Jahre zeigt sich ein Rückgang der Befunde, wenngleich diese wenigen Befunde, durchaus äußerst hoch ausfallen können.

Weitere Informationen:
Modeschmuck
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