LAVES Niedersachen klar Logo

Antitranspirantien – die Deos mit dem gewissen Etwas!?

Morgens nach dem Aufstehen oder kurz bevor man das Haus verlässt: Der Griff zum Deodorant gehört für viele zur täglichen Hygieneroutine. Auch in fast jedem Gepäck oder in nahezu jeder Handtasche befindet sich das Deo in Form von Spray, Stick oder Roll-on – oder handelt es sich vielleicht eher um ein Antitranspirant? Was ist eigentlich der Unterschied? Und wie "sicher" sind Deo und Antitranspirant?

Das Institut für Bedarfsgegenstände in Lüneburg hat Deos und auch Antitranspirantien in den letzten Jahren bereits häufiger in den Schwitzkasten genommen.

Die Produkte wurden dabei sowohl auf spezielle Inhaltsstoffe als auch auf deren Kennzeichnung und Auslobung wie „Ohne Aluminiumsalze“ oder „Ohne Konservierungsstoffe“ hin überprüft: Je nach Produkt steht somit beispielsweise die Untersuchung der Lösungsmittel, Duft- und Konservierungsstoffe auf dem Programm - und natürlich der Aluminiumgehalt! Einige der genannten Stoffe sind gemäß der europäischen Kosmetikverordnung VO (EG) 1223/2009 (EU-KosmetikV) nur beschränkt zugelassen und dürfen somit nur unter bestimmten Voraussetzungen eingesetzt werden. Anhand der chemischen Untersuchungsergebnisse wird dann überprüft, ob die gesetzlichen Höchstmengen eingehalten werden und ob die Stoffe korrekt in der Liste der Bestandteile aufgeführt sind. Unabhängig von den chemischen Untersuchungsergebnissen werden auch die rechtlich vorgeschriebenen Kennzeichnungselemente überprüft. Diese sind ebenfalls in der EU-KosmetikV festgelegt. In unserem Artikel „Kennzeichnung kosmetischer Mittel“ finden Sie weitere Informationen.

In den Jahren 2016 bis 2019 wurden 77 Deodorants und Antitranspirantien untersucht. Von diesen wurde lediglich ein Erzeugnis aufgrund einer unvollständigen Bestandteilliste bemängelt.

Wie entsteht eigentlich Schweiß?

Die Entstehung von Körpergeruch ist sehr komplex. Während in der Tierwelt Körpergerüche ganz spezielle Funktionen haben, sind sie bei uns Menschen heutzutage eher unerwünscht und gelten als ungepflegt. Vor allem in den Achselhöhlen kommen viele Schweißdrüsen vor. Mit Eintritt in die Pubertät fangen sie an Schweiß abzusondern, der eigentlich komplett geruchslos und keimfrei ist. Ein Grund für unangenehmen Körpergeruch sind Bakterien. Diese leben unter anderem auf unserer Haut und fühlen sich vor allem in der Achselhöhle wohl. Hier ist es warm und der leicht erhöhte pH‑Wert sorgt für eine große Ansammlung der Hautbakterien. Den Schweiß, ein milchiges, nähstoffreiches Sekret, mögen sie dabei besonders gern. Daher fangen die Mikroorganismen an, dieses eiweißreiche Sekret zu verstoffwechseln. Dabei fallen sogenannte Stoffwechselprodukte an, die den von Mensch zu Mensch charakteristischen, aber oftmals unerwünschten Körpergeruch bilden.


Wie wirken Deos?

Grund genug also, ein Produkt gegen unangenehmen (Körper-) Geruch zu entwickeln: Das Deodorant – kurz „Deo“ (lateinisch: de = weg und odor = Geruch).

Das einfachste Wirkprinzip eines Deodorants ist dabei die Überdeckung des körpereigenen Geruches mit Hilfe von Duftstoffen. Aber es gibt auch andere Wirkungsweisen: So sollen beispielsweise Geruchsabsorber wie Talkum oder Kieselsäure geruchsbildende Stoffe aufnehmen und Enzymhemmer wie Triethylcitrat Enzyme blockieren, die für die Schweißzersetzung – und somit für den unangenehmen Geruch – verantwortlich sind.



Was ist ein Antitranspirant?
Ein übermäßiges Schwitzen zu verringern – DAS ist die Aufgabe der sogenannten Antitranspirantien! Als schweißhemmende Wirkstoffe werden in der Regel Aluminiumverbindungen, zum Beispiel Aluminiumchlorohydrat (ACH), eingesetzt. Diese bewirken zum einen das Zusammenziehen der Hautporen und somit das Verschließen der Ausgänge der Schweißkanäle. Zum anderen blockieren sie zeitweise die Ausgänge der Schweißkanäle, indem die Aluminiumverbindung mit dem Eiweiß des Schweißes eine Art „Pfropf“ bildet.

Kann Aluminium über die Haut aufgenommen werden?

Aluminium ist in den letzten Jahren allerdings immer mehr in Verruf geraten. Wenn man über einen zu langen Zeitraum zu viel Aluminium aufnimmt (zum Beispiel über diverse Lebensmittel oder aluminiumhaltige Kosmetik), muss man mit einem erhöhten Risiko für das Auftreten gesundheitlicher Beeinträchtigungen rechnen. So hat sich das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt und festgestellt, dass auch Antitranspirantien zur täglichen Aluminiumaufnahme beitragen. Aktuell prüft das BfR anhand neuer Daten, wieviel Aluminium über die Haut aufgenommen wird, um eine abschließende Risikobewertung durchführen zu können:

Das BfR empfiehlt daher, die Aluminiumaufnahme zu verringern und gibt dafür einige Hinweise:

Tipps für Verbraucherinnen und Verbraucher, um ihre tägliche Aluminiumaufnahme zu verringern

  • Achten Sie beim Deo-Kauf auf die genaue Bezeichnung des Produktes und auf zusätzliche Hinweise („0% Aluminium“, „Ohne Aluminiumsalze“, Deodorant), auch in der Liste der Bestandteile.
  • Gehen Sie sparsam mit aluminiumhaltigen Antitranspirantien und Zahnpasten um.
  • Verwenden Sie aluminiumhaltige Antitranspirantien nicht direkt nach der Rasur.
  • Ernähren Sie sich abwechslungsreich.
  • Säuglinge sollten in den ersten 6 Lebensmonaten – wenn möglich – ausschließlich gestillt werden.
  • Benutzen Sie keine unbeschichteten Aluminiumbehältnisse oder Alufolien für saure und/oder salzige Lebensmittel.

Mehr Infos zu Aluminium:

Aluminium ist natürlicher Bestandteil von besonders unverarbeiteten Lebensmitteln, denn es ist das dritthäufigste Element in der Erdkruste. Daher nimmt der Mensch Aluminium zwangsläufig in gewissen Mengen auf. Gesundheitlich bedenklich ist jedoch nur eine länger anhaltende Aufnahme hoher Aluminiummengen. Es sind mehrere Fälle bekannt, bei denen hohe Aluminiumexpositionen zu Gesundheitsstörungen, wie zum Beispiel Demineralisation der Knochen, Anämie und sogar Hirnschädigungen geführt haben. Die EFSA hat daher für die lebenslange Aufnahme von Aluminium eine gesundheitlich unbedenkliche wöchentliche Aufnahmemenge (TWI – tolerable weekly intake) von 1 Milligramm (mg) je Kilogramm Körpergewicht festgesetzt. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass durch eine ausgewogene Ernährung sowie Beachtung der Gebrauchshinweise beim Einsatz von Lebensmittelkontaktmaterialien aus Aluminium, dieser Wert nicht überschritten wird.


Link:

  • Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Aluminium
zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln