LAVES klar

Borrelien – Vorsicht vor Zecken gilt für Mensch und Tier

Vom Frühjahr bis zum Spätherbst sind sie wieder aktiv: Zecken. Sie sind nicht nur lästige Blutsauger, sondern können auch Krankheitserreger auf den Menschen oder Tiere übertragen, wie z.B. Borrelien. Diese Bakterien lösen die so genannte Lyme-Borreliose aus, benannt nach der nordamerikanischen Ortschaft Lyme, wo die Erkrankung erstmals entdeckt wurde.

Die Lyme-Borreliose ist die häufigste durch Zecken auf den Menschen übertragene Erkrankung in Europa. In Deutschland erkranken nach Schätzungen jährlich mehrere zehntausend Menschen. Nicht alle Zecken sind jedoch Träger dieser Krankheitserreger: je nach Region sind hierzulande zwischen fünf und 35 Prozent der Zecken mit Borrelien befallen. In Niedersachsen beträgt der Anteil positiver Zecken durchschnittlich circa neun Prozent. Eine Untersuchung von knapp 700 Zecken aus drei niedersächsischen Forstamts-Revieren im Veterinärinstitut Hannover des LAVES kommt allerdings zu dem Ergebnis, dass Borrelien zumindest in einigen Regionen Südniedersachsens häufiger vorkommen, als in den übrigen Teilen des Landes: zwischen 15 und 40 Prozent der Zecken in den Revieren waren mit Borrelien infiziert.

Eine Infektion mit Borrelien kann nach Angaben des Robert-Koch-Instituts nur bei drei bis sechs Prozent von einem Zeckenbiss betroffenen Personen, der Ausbruch einer Erkrankung bei lediglich 0,3 bis 1,4 Prozent festgestellt werden.

Woran erkennt man eine Infektion?

Anzeichen beim Menschen:

Beim Menschen können drei Stadien unterschieden werden:

  • einige Tage bis Wochen nach der Infektion: charakteristische Hautrötung, die um den Zeckenbiss auftritt und sich ringförmig ausbreitet, die so genannte Wanderröte. Sie tritt in ungefähr 70 Prozent der Fälle auf. Allgemeine grippeähnliche Symptome wie Schweißausbrüche, Fieber, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen u.a.

  • Einige Wochen bis Monate später: Entzündungen der Nerven und der Hirnhaut möglich. Starke, brennende Schmerzen, häufig um die ursprüngliche Bissstelle der Zecke. In einigen Fällen Lähmungen beispielsweise der Gesichtsmuskeln, selten auch Entzündungen des Herzens und Störungen des Herzrhythmus.

  • Monate bis Jahre nach der Infektion: Fälle von chronischer oder schubweise verlaufender Gelenkentzündung, zumeist der Knie- und Sprunggelenke, die Lyme-Arthritis, oder Hautveränderungen, die so genannte Acrodermatitis chronica atrophicans Herxheimer (zunächst zigarettenpapierartig faltbare, blaurötlich schimmernde dünne Haut, im weiteren Verlauf Entzündungen der Nerven oder der Gelenke möglich).

Einzelne Stadien können spontan ausheilen oder aber übersprungen werden. Manchmal treten auch jahrelang überhaupt keine Beschwerden auf. Gerade bei unspezifischen Beschwerden im ersten Stadium, wie den grippeähnlichen Symptomen, kann eine eindeutige Diagnose schwierig sein.

Anzeichen bei Tieren:

Durch den Zeckenbiss können auch Tiere infiziert werden. Bei Hund, Pferd, Rind und Schaf führen die Infektionen teilweise zu schweren Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen wie beim Menschen. Bei Pferden sind vermehrt Erkrankungen des Auges beschrieben worden.

Anzeichen bei Hunden: wie beim Menschen oft erst Tage oder Wochen nach dem Zeckenbiss und der Infektion

  • gestörtes Allgemeinbefinden mit Appetitlosigkeit, Mattigkeit und erhöhte Körpertemperatur

  • Gelenksentzündungen, Verdickungen und Schmerzen an den Gliedmaßen und Gelenken sowie Lahmheit oder neurologische Symptome. Bei Gelenksentzündungen oft mehrere Krankheitsschübe, die sich über Wochen bis zu mehreren Monaten hinziehen können.

  • Gelegentlich schwere Störungen der Nierenfunktion

Eine eindeutige Diagnose kann nur von dem Tierarzt/der Tierärztin im Labor gestellt werden. Oft können die Tiere zwar wirksam mit Antibiotika behandelt werden, jedoch werden die Erreger vermutlich durch die Antibiotika nicht immer vollständig abgetötet. Zu einem späteren Zeitpunkt kann dies dann zu einem Wiederauftreten der Erkrankung führen.

Zecke auf Blatt

Wie vermeidet man eine Infektion?

Zecken halten sich bevorzugt in Laub- und Mischwäldern, an Waldrändern und auf Lichtungen mit Unterholz, Strauchwerk, Farnen oder hochwüchsigen Gräsern, aber auch in innerstädtischen Parks und Gärten auf. Zecken lauern "überwiegend" in der Krautschicht auf ihre Opfer. In Pflanzen bis etwa 1,50 m Höhe klammern sich Zecken an den vorbeigehenden Wirt, gelegentlich lassen sie sich sogar aus höheren Gehölzen auf Wirbeltiere, darunter auch Menschen, herabfallen.

Da die Zecken allzu heißes und trockenes Wetter nicht vertragen, ist ein erster Höhepunkt der Zeckenaktivität zumeist im Juni/Juli, ein weiterer im September/Oktober festzustellen.

Gerade bei der Ausübung der Jagd und in den Forstberufen stellt die Lyme-Borreliose eine nicht zu unterschätzende Gefahr für den Menschen und den (Jagd-)Hund dar und es sollte daher Vorsorge getroffen werden.

Impfung?

Während beim Hund eine Impfung möglich ist, gibt es für den Menschen in Deutschland zur Zeit keinen Impfstoff gegen Borrelien.

Vorsorge

So bleibt nur, eine entsprechende Vorsorge zu treffen:

  • bei milder Witterung Gebiete mit Unterholz oder hohen Gräsern und Farnen meiden

  • festes Schuhwerk und helle Kleidung tragen

  • Hosenbeine in die Socken stecken

  • so genannte Repellentien gegen Insekten zum Einreiben von Armen und Beinen bieten einen Schutz bis zu zwei Stunden

  • Körper nach einem Tag im Freien gründlich auf Zecken absuchen – dies gilt gleichermaßen für Mensch und Tier. Denn je früher die Zecke entdeckt und entfernt wird, desto geringer ist auch das Ansteckungsrisiko. Das Ansteckungsrisiko steigt, je länger die Zecke Blut saugt. Nach zwei bis fünf Tagen sind dann nahezu alle Erreger von der Zecke auf den Wirt übertragen worden. Aus diesem Grund sollten die Zecken umgehend möglichst mit einer Pinzette oder Zeckenzange entfernt werden. Dabei sollte die Zecke direkt über der Haut erfasst und mit den Mundwerkzeugen herausgezogen werden. Auf keinen Fall sollte der Zeckenleib gequetscht oder die saugende Zecke mit Öl, Alkohol, Klebstoff o.ä. beträufelt werden, da die Zecke in diesem Fall den erregerhaltigen Speichel quasi in den Stichkanal erbricht und es dadurch zu einer Übertragung einer großen Menge des Erregers kommen kann. Hände und Bissstelle sollten desinfiziert werden.

Was tun, wenn man eine Infektion vermutet?

Infektionen mit Borrelien können bei Mensch und Tier vor allem im Blut, aber auch in der Gelenksflüssigkeit und in der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit durch Antikörper nachgewiesen werden. Beim Menschen ist auch die Untersuchung von kleinen Hautproben auf Borrelien möglich. Danach kann die Infektion mit Antibiotika behandelt werden.

Achtung Zecken
Weitere Informationen

Hier finden Sie Informationen anderer Institutionen zu Krankheiten, die von Zecken übertragen werden können

zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln