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Kaninchenkrankheit RHDV-2 erstmalig in Niedersachsen nachgewiesen

Nachweis von RHDV-2 durch das Lebensmittel- und Veterinärinstitut Oldenburg

Die Rabbit Haemorrhagic Disease (RHD), populär auch oft als Chinaseuche bezeichnet, wurde erstmals 1984 an europäischen Kaninchen in China nachgewiesen. Seitdem hat sich die Viruserkrankung nahezu weltweit vor allem in Ländern mit ausgeprägter Kaninchenzucht und Wildkaninchenpopulationen ausgebreitet. Die Infektion führt bei den meisten Tieren innerhalb von 24-72 Stunden zum Tod, Mortalität um die 90 %, wobei Jungtiere eine natürliche Immunität zu besitzen scheinen. Die höchsten Virustiter (Virusdichte) werden im Lebergewebe nachgewiesen. Oft kommt es zum inneren Verbluten der Tiere. Während die Zuchtkaninchenbestände durch einen Impfstoff relativ schnell geschützt werden konnten, hat das Virus in den Wildkaninchenpopulationen zum Teil zu verheerenden Verlusten geführt.

Seit 2010 ist eine neue Variante des Virus, als RHDV-2 bezeichnet, bekannt. Aufgrund der geringen Antigenverwandtschaft zu den klassischen Stämmen des RHD-Virus und der möglicherweise fehlenden Immunität der Jungtiere kommt dieser Variante besondere Bedeutung zu. Im Jahr 2013 konnte das RHD-2-Virus zum ersten Mal in Deutschland nachgewiesen werden.

Jetzt konnte das RHD-2-Virus erstmalig durch das Lebensmittel- und Veterinärinstitut Oldenburg in zwei Beständen als Krankheitsursache ermittelt werden. In der einen Haltung verstarben die beiden einzigen adulten Tiere perakut, über Nacht, und im anderen Bestand verstarben sechs der acht ebenfalls erwachsenen Kaninchen innerhalb einer Woche. Aus beiden Haltungen wurden tote Tiere zur Sektion in die Pathologie des LVI-OL gebracht. Die bei der pathologischen Untersuchung gestellte Verdachtsdiagnose ‚Infektion mit RHD' konnte durch molekularbiologische Untersuchungen als RHD-2-Virusinfektion bestätigt werden.

Bei der pathologisch-anatomischen Untersuchung fallen Blutungen in den inneren Organen (siehe Abb. Lunge und Herz) und eine wachsartige Schnittfläche der Leber (s. Abb. Leber) auf. Mit Hilfe der histologischen Untersuchung sind in der Leber akute Zelluntergänge (siehe Pfeilspitzen im histologischen Bild der Leber) und in der Niere Thromben (siehe Pfeile im histologischen Bild der Niere) in kapillären Gefäßen nachweisbar.

Zurzeit gibt es sechs zugelassene Impfstoffe gegen RHD. Der durch diese Impfstoffe induzierte Schutz gegen RHD-2 ist sehr unterschiedlich. So schützen einige Impfstoffe gar nicht gegen das RHD-2-Virus, während andere zumindest den letalen Ausgang verhindern sollen. Da sich das RHD-2-Virus eindeutig in Deutschland und Europa ausbreitet, sollten sich Kaninchenhalter und -züchter von ihrem Tierarzt gründlich, ggf. mit Rücksprache beim Impfstoffhersteller, beraten lassen.

Meldung der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo) am FLI:

Makroskopisches Bild Lebernekrosen RHDV2
Makroskopisches Bild massiver Zelluntergänge der Leber (Lebernekrosen) nach RHDV2-Infektion
Trockene wächserne Leberschnittfläche infolge massiver Lebernekrosen RHDV2 400
Trockene wächserne Leberschnittfläche infolge massiver Lebernekrosen (RHDV2-Infektion)
Lunge RHDV2
Blutungen im Lungengewebe (RHDV2-Infektion)
Epikardiale Blutungen RHDV2
Epikardiale Blutungen am Herzen (RHDV2-Infektion)
Histologisches Bild Zelluntergänge im Lebergewebe RHDV2 400
Histologisches Bild akuter Zelluntergänge im Lebergewebe (RHDV2-Infektion)
Histologisches Bild Thromben in Nierengefäßen RHDV2 400
Histologisches Bild einzelner Thromben in Nierengefäßen (RHDV2-Infektion)
RHD-Virus, Typ 2

Hauskaninchen im Stall

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