LAVES Niedersachen klar Logo

Erkältungs- und Schnupfenzeit – Zeit für Vitamin C und Zink?

Speziell in der Winterzeit sind Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin C und Zink echte Verkaufsschlager. Auf allen Packungen finden sich wohlklingende Werbeversprechen meist mit Angaben zur Wirkung auf das Immunsystem und "zur Unterstützung der körpereigenen Abwehrkräfte". Auf einigen findet sich auch noch der Hinweis, dass sie "besonders in der kalten Jahreszeit wohltuend" sind.


Im Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover des LAVES wurden im Jahr 2016 erneut diverse Nahrungsergänzungsmittel speziell mit Vitamin C und Zink auf die darin enthaltenen Wirkstoffmengen hin untersucht und ihre Werbeaussagen geprüft.


Vitamin C und Zink – Warum und wieviel?

Vitamin C und Zink sind lebenswichtige Nährstoffe, die der menschliche Körper nicht selbst herstellen kann und die ihm daher mit Lebensmitteln zugeführt werden müssen. Beide kommen von Natur aus in vielen Lebensmitteln vor.

Zink-Gehalt in Lebensmitteln pro 100 g bzw. pro Portion

Lebensmittel

Zink mg / 100 g

Zink mg / (Portion)

Schweineschnitzel

2,6 mg

3,3 mg (125 g)

Schweineleber

6,35 mg

9,4 mg (150 g)

Rinderroulade

4,2 mg

8,4 mg (200 g)

Lachs

0,5 mg

1,5 mg (250 g)

Gouda

3,9 mg

1,2 mg (30 g = 1 Scheibe)

Parmesan

3,0 mg

0,15 mg ( 5 g = 1 EL)

Hühnerei

1,4 mg

0,9 mg (65 g = mittelgroß)

Paranuss

4,0 mg

0,4 mg (10 g = 3 Stück)

Haferflocken, kernig

4,1 mg

1,2 mg (30 g = 3 geh. EL)

Knäckebrot

3,1 mg

0,3 mg (10 g = 1 Scheibe)

Vollkornbrot

1,5 mg

0,5 mg (30 g = 1 Scheibe)


Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für Jugendliche und Erwachsene 7 - 10 mg Zink pro Tag. Speziell Fleisch und Innereien enthalten sehr hohe Mengen an Zink, aber auch Käse, Eier, sogar Nüsse und Getreide sind gute Zinkquellen. Die Verfügbarkeit von Zink in pflanzlichen Lebensmitteln wird erheblich verbessert, wenn das pflanzliche Lebensmittel kombiniert wird mit einem eiweißreichen tierischen Lebensmittel wie z.B. in Form eines Käse- oder Wurstbrotes.

Die Ergebnisse der "Nationalen Verzehrsstudie Nr. II (NVS II)", einer in Deutschland durchgeführten bundesweiten Befragung von Jugendlichen und Erwachsenen zur üblichen Ernährung, ergab, dass Brot für beide, Männer und Frauen, die wichtigste Zink-Quelle ist. An zweiter Stelle kommen bei Männern Fleisch- und Wurstwaren und bei Frauen Milch, Milchprodukte und Käse.

Vitamin C - Gehalt in 100 g Lebensmittel bzw. pro Portion

Lebensmittel

Vitamin C mg / 100 g

Vitamin C mg / (Portion)

Orange / Apfelsine

50 mg

100 mg (200 g = mittelgroß)

Erdbeeren, roh

62 mg

156 mg (250 g)

Apfel Jonagold

15 mg

19 mg (125 g = mittelgroß)

Kiwi

46 mg

23 mg (50 g = mittelgroß)

Sanddornbeerensaft

266 mg

40 mg (15 g = 1 EL)

Broccoli, gekocht

115 mg

285 mg (250 g)

Paprikafrucht, roh

120 mg

240 mg (200 g = mittelgroß)

Kohlrabi, roh

63 mg

94 mg (150 g = mittelgroß)

Spinat, gekocht

16 mg

40 mg (250 g)


Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für Jugendliche und Erwachsene 100 mg Vitamin C pro Tag. Schon eine mittelgroße Orange am Tag deckt diese Menge ab. Speziell Obst und Gemüse sind gute Quellen für Vitamin C, wobei besonders viel Vitamin C in Zitrusfrüchten, Beeren, Kohlgemüse und Paprika aber auch in manchen Apfelsorten enthalten ist.


Untersuchungsergebnisse des LAVES

Im Lebensmittel-und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover des LAVES wurden im Jahr 2016 erneut diverse Nahrungsergänzungsmittel speziell mit Vitamin C und Zink auf die darin enthaltenen Wirkstoffmengen hin untersucht und ihre Werbeaussagen geprüft. Es handelte sich um Tabletten, Kapseln, Lutschtabletten, Brausetabletten oder Getränkegranulate.


  • Gehalte an Vitamin C und Zink
Die Gehalte an Vitamin C lagen nach den Angaben auf den Verpackungen zwischen 60 mg und 400 mg pro Tagesdosis. Zinkgehalte wurden auf den Verpackungen zwischen 2,25 mg und 15 mg pro Tagesdosis angegeben. Die analytisch ermittelten Mengen an Vitamin C und Zink waren in guter Übereinstimmung mit den deklarierten Werten.
Vitamin C Gehalt  
Zink Gehalt  
  • Werbeaussagen zu Vitamin C und Zink

Für beide Nährstoffe, Vitamin C und Zink, wurde in den vergangenen Jahren auf europäischer Ebene geprüft, welche Werbeaussagen nach dem Stand der Wissenschaft richtig sind. Positiv beurteilte Aussagen wurden allgemein für Lebensmittel zugelassen, wenn bestimmte Mengen dieser Nährstoffe in dem betreffenden Lebensmittel enthalten sind. Im Kontext der Rechtsvorschriften werden entsprechende Werbeaussagen, die die Wirkung dieser Stoffe im menschlichen Körper beschreiben, auch als gesundheitsbezogene Angaben bezeichnet.

Für beide Mikronährstoffe ist wissenschaftlich anerkannt, dass sie wichtig sind für ein gesundes und gut funktionierendes Immunsystem. Daneben sind sie aber auch an vielen weiteren Funktionen im Körper beteiligt. Sowohl für Vitamin C als auch für Zink wurden daher die gesundheitsbezogenen Angaben „trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei“ und „trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen“ erlaubt. Für Vitamin C wurde auch die Angabe „trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems während und nach intensiver körperlicher Betätigung“ zugelassen, wenn die Aufnahme von 200 mg Vitamin C gewährleistet ist.

Bei allen Produkten werden sinngemäß die zugelassenen Werbeaussagen verwendet und in der Regel auch die Bedingungen für die Verwendung dieser Werbeaussagen eingehalten.


Helfen Präparate mit Zink und Vitamin C eine Erkältung mit Schnupfen zu verhindern, die Schwere abzumildern und die Dauer zu verkürzen?

Zu Produkten mit Zink und/oder Vitamin C gibt es inzwischen mehrere wissenschaftliche Studien bezüglich ihrer Wirkungen bei einer banalen viralen Erkältung mit Symptomen wie z.B. Schnupfen, Halsschmerzen, Husten und Kopfschmerzen.

Im Jahr 2015[1] wurden drei wissenschaftliche Studien zur Wirkung von Zink-Lutschtabletten auf Erkältungssymptome ausgewertet. Die in den Studien verwendeten Lutschtabletten enthielten Zinkacetat als Zinkquelle, da Zink hieraus gut verfügbar sein soll. Die Hypothese ist, dass beim langsamen Lutschen der Zink-Tabletten das freigesetzte Zink primär im Mund- und Rachenraum lokale Effekte auf Erkältungssymptome hat, die Wirkung sich dann aber auch auf andere Bereiche des Körpers wie z.B. die Nase ausweitet. Die Autoren kommen somit zu dem Ergebnis, dass sich das Lutschen von Zink-Lutschtabletten verkürzend auf die Dauer typischer Erkältungssymptome wie Schnupfen, Niesen und Husten, Hals- und Muskelschmerzen auswirkte, unbeeinflusst blieb die Dauer von Kopfschmerzen und Fieber. Anzumerken ist, dass in den zugrunde liegenden Studien ausschließlich eine Zink-Zufuhr von über 75 mg, im Durchschnitt 80 mg pro Tag, also eine sehr hohe Dosierung, eingesetzt wurde, die innerhalb der ersten 24 Stunden einer Erkältung begonnen und maximal bis zu zwei Wochen lang durchgeführt wurde.

In einer weiteren Auswertung des gleichen Autors ähnlicher Studien im Jahr 2011 hatte sich bereits gezeigt, dass eine Zink-Dosierung unterhalb von täglich 75 mg keine Effekte auf die Dauer einer Erkältung hatte.[2]

Zu ähnlichen Ergebnissen kamen im Jahr 2013[3] auch andere Autoren. Ausgewertet wurden Studien zur Wirkung von Zink mit Dosierungen von 30 – 160 mg pro Tag. Auch hier zeigte sich, dass bei einer Einnahme von Zink innerhalb der ersten 24 Stunden nach Einsetzen der Beschwerden mit Dosierungen über 75 mg pro Tag, sich bei sonst gesunden Personen die durchschnittliche Dauer der Erkältung und ihrer Symptome um 1-2 Tage verkürzen konnte. Die Schwere der Symptome wurde durch Zink nicht beeinflusst. Auch traten bei hohen Dosierungen Nebenwirkungen wie schlechter Geschmack im Mund und Übelkeit auf, so dass empfohlen wird, die Vorteile einer 1-2 tägigen Verkürzung der Erkältung mit den unangenehmen Nebenwirkungen gut abzuwägen. Studien mit chronisch kranken Personen, für die eine Erkältung bedrohlich sein könnte wie z.B. Asthmatiker, gibt es nicht, daher kann für chronisch Kranke keine Aussage gemacht werden. Für eine Erkältungs-Prophylaxe mit zusätzlicher Zinkzufuhr gibt es keine ausreichenden Daten, daher geben die Wissenschaftler hierfür auch keine Empfehlungen.

Eine Übersicht zum Thema Erkältung und komplementäre Behandlungsmöglichkeiten auf der Internetseite des US-amerikanischen National Instituts of Health[4] vom Oktober 2016 gibt zu bedenken, dass die Zufuhr von hohen Zinkmengen über einen längeren Zeitraum Störungen im Kupferhaushalt des Organismus in Form eines Kupfermangels bewirken, die Immunfunktion reduzieren, ein erhöhtes Risiko für Harnwegsinfekte nach sich ziehen und evtl. mit Medikamenten u.a. Antibiotika interagieren kann.

Derart hohe Dosierungen von Zink, wie in den oben genannten Studien, werden kritisch gesehen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gelangte nach Prüfung der verfügbaren Literatur für Zink zu einem „UL“ von 25 mg pro Tag. „UL“ bedeutet „tolerable upper intake level“, d.h. „maximale langfristige Gesamtzufuhr eines Nährstoffes, die auch für sensitive Personen einer gesunden Bevölkerungsgruppe kein Risiko für die Entwicklung von Gesundheitsbeeinträchtigungen beinhaltet“[5]. Dosierungen oberhalb dieser Menge bewegen sich im therapeutischen Bereich.

Ob Vitamin C in der Vorbeugung und Therapie einer Erkältung wirksam ist, wird seit gut 70 Jahren kontrovers diskutiert. Auch zu diesem Thema wurden im Jahr 2013[6] die verfügbaren Studien ausgewertet, in denen eine tägliche Dosierung von mindestens 200 mg Vitamin C verwendet wurde. Hierbei ergab sich, dass durch eine regelmäßige Supplementierung mit Vitamin C bei der Allgemeinbevölkerung die Häufigkeit einer Erkältung nicht beeinflusst wurde. Sie hatte jedoch einen bescheidenen Einfluss auf die Dauer der Erkältungssymptome, wobei sich bei Erwachsenen durchschnittlich eine Verkürzung der Dauer um 8% zeigte. Nach der Literatur wird als Zeitspanne für eine Erkältung eine Dauer von vier Tagen bis zu drei Wochen berichtet. Die Verkürzung wäre danach 1/3 bis 1,5 Tage. Die Autoren der genannten Studie merken hierzu an, dass diese doch eher geringfügige Verkürzung der Symptomdauer und das insgesamt eher seltene Auftreten einer Erkältung eine regelmäßige Supplementierung von Vitamin C in höheren Dosierungen nicht rechtfertigt.

Wenn Vitamin C therapeutisch erst nach dem Beginn von Erkältungssymptomen ergänzt wurde, hatte dieses weder auf die Dauer noch auf die Schwere der Symptome Einfluss.

Nur bei Menschen, die sich während der kalten Winterzeit großen körperlichen Anstrengungen aussetzten wie beispielsweise Marathonläufer, Skifahrer oder Soldaten bei Übungen in subarktischen Gegenden, wurde tatsächlich eine Verminderung des Risikos eine Erkältung zu bekommen beobachtet, wenn diese Menschen täglich ca. 200 mg Vitamin C zusätzlich zu sich nahmen.

Was wirklich hilft

Neben einer ausgewogenen Ernährung mit genügend Vitamin C und Zink ist allgemein anerkannt, dass eine ausreichende Zufuhr an Getränken und damit an Flüssigkeit während der Winterzeit dafür sorgt, dass auch die Schleimhäute in den Atemwegen ausreichend feucht gehalten werden, nicht austrocknen und damit geschützt sind. Ausgetrocknete Schleimhäute sind viel anfälliger gegenüber Schnupfenviren. Weitere erprobte Möglichkeiten sind regelmäßiges Händewaschen und sich mit den Händen nicht so häufig ins Gesicht zu fassen.


Kommen Sie weiterhin gut und gesund durch die Schnupfen- oder Erkältungszeit!


Literatur:

[1] Hemilä, Harri; Chalker, Elizabeth: The effectiveness of high dose zinc acetate lozenges on various common cold symptoms: a meta-analysis. BMC Family Practice, 2015; 16:24

[2] Hemilä, Harri: Zink Lozenges may shorten the Duration of Colds: A Systematic Review. The Open Respiratory Medicine Journal, 2011, 5, 51-58

[3] Singh, Meenu; Das, Rashmi R.: Zinc for the common cold, Cochrane Database of Systematic Reviews 2013, Issue 6. Art. No. CD001364

[4] https://nccih.nih.gov/health/providers/digest/cold

[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Tolerable_Upper_Intake_Level

[6] Hemilä, Harri; Chalker, Elizabeth: Vitamin C for preventing and treating the common cold. Cochrane Database of Systematic Review 2013, Issue 1, Art. No.: CD000980


Schnupfen
zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln