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Alles ok bei Berliner und Co?

Siedegebäcke sind lecker und beliebt. Sie rangieren bei den Backwaren auf Platz 1 bezogen auf den Gesamtabsatz - vor allem die meist zur Faschingszeit angebotenen Berliner.

Da beim Frittieren erhebliche Mengen an Fett von Berlinern und Co. aufgenommen und anschließend mitverzehrt werden, muss eine gleichbleibend gute Qualität der Fette gewährleistet werden. Deshalb werden Siedegebäcke aller Art immer wieder auf ihre Zusammensetzung überprüft - die aktuellen Untersuchungen für das Jahr 2016 laufen gerade im LAVES an. Die Probenahme erfolgt auf allen Vermarktungsstufen: Bäckereien mit handwerklicher Produktion, Konditoreien und Cafes, Imbiss- und Volksfestbuden sowie Beprobung der industriellen Produktion mit Vermarktung im Lebensmitteleinzelhandel und in Fastfoodketten.


Untersuchungsergebnisse 2015

Im Jahr 2015 wurden im Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover des LAVES 29 Proben zu dem Projekt Fettgebäck eingeliefert, davon 22 Berliner und 3 Donuts (oder auch Doughnuts) mit und ohne Füllung bzw. farbigen, kakaohaltigen oder Schokoladenüberzügen, 3 Spritzkuchen und 1 Amerikaner (wobei Spritzkuchen und Amerikaner nicht zu den Fettgebäcken zählen). Hierbei standen folgende Fragen im Fokus der Untersuchungen:

  • Werden Farbstoffe verwendet und vorschiftsmäßig kenntlich gemacht?
  • Wie wird die weitere Kennzeichnung beurteilt?
  • Werden Prozesskontaminanten, die beim Frittieren entstehen können, wie z.B. 2- und 3-MCPD-FSE, Glycidol-FSE, im Gebäck gefunden?


Farbstoffe

Die Verwendung von (zugelassenen) Farbstoffen ist gemäß § 9 Abs. 1 Nr. 1 der Zusatzstoff-ZulassungsVO bei der Abgabe an Verbraucher durch die Angabe „mit Farbstoff“ kenntlich zu machen.

Bei Verwendung der Azofarbstoffe E102 (Tartrazin), E104 (Chinolingelb), E110 (Gelborange S), E122 (Azorubin), E124 (Cochenillerot A) und E129 (Allurarot AC) ist darüber hinaus der Hinweis:

"Bezeichnung oder E-Nummer des Farbstoffes: Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen“

erforderlich (siehe Art. 24 Abs. 1 der VO (EG) Nr. 1333/2008 i.V.m. Anhang V).

Von den 29 Proben wiesen 4 Produkte (= 14% der untersuchten Proben) vor Ort gar keine oder eine nur unzulängliche Kenntlichmachung der verwendeten Farbstoffe auf.

Eine Verwendung von nicht zugelassenen Farbstoffen wurde nicht festgestellt.


Beurteilung der weiteren Kennzeichnung

Seit Inkrafttreten der Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) besteht die Verpflichtung beim Verkauf von nicht vorverpackten Waren Angaben zu bestimmten darin enthaltenen bzw. zur Herstellung verwendeten Stoffen und Erzeugnissen, die Allergien und Unverträglichkeiten auslösen, zu machen. Dabei handelt es sich um die 12 häufigsten Allergene, zu denen z. B. Gluten aus glutenhaltigen Getreidesorten, Eier und daraus hergestellte Erzeugnisse oder auch Schalenfrüchte wie z. B. Haselnüsse gehören. Die Information der Verbraucher kann durch ein Schild auf oder bei dem Lebensmittel bzw. in einem Aushang, auf Speise- oder Getränkekarten oder im Preisverzeichnis erfolgen. Auch eine mündliche Auskunft ist möglich, sofern ein Schild oder ein Aushang dies dem Verbraucher deutlich macht und eine schriftliche Dokumentation vorliegt, die der Verbraucher auf Wunsch einsehen kann.

Weiteren Pflichtangaben sind durch die Vorschriften der LMIV bei der Abgabe von losen Waren nicht vorgesehen. Werden jedoch über die Allergenkennzeichnung hinaus dem Verbraucher freiwillig auch andere Informationen - wie z. B. das Zutatenverzeichnis oder die Nährstoffgehalte- zur Verfügung gestellt, muss dies dennoch nach den Vorgaben der LMIV geschehen. Darüber hinaus müssen sämtliche Angaben – egal ob freiwillig angegeben oder nicht – den Verbraucher nicht täuschen.

Das Ergebnis: Bei 8 der 29 Siedegebäcke (=28%) waren die Angaben zu den enthaltenen Allergenen unvollständig bzw. entsprachen in Bezug auf die Art und Weise der Kennzeichnung nicht den rechtlichen Vorgaben.

In vier Fällen (= 14%) entsprach die freiwillig angegebene Nährwertkennzeichnung bzw. das freiwillig angegebene Zutatenverzeichnis nicht den rechtlichen Vorgaben. Vier weitere Proben wiesen von der Nährwertdeklaration abweichende Fettgehalte auf.

Bei einer als „Schoko-Berliner“ bezeichneten Probe bestand der Überzug lediglich aus einer kakaohaltigen Fettglasur, so dass die Bezeichnung als zur Täuschung geeignet beurteilt wurde. Eine weitere Probe war statt mit der ausgelobten „Himbeer-Johannisbeer-Konfitüre“ lediglich mit einer Mehrfrucht-Konfitüre hergestellt worden, welche nur einen geringen Anteil an Himbeeren enthielt.


Prozesskontaminanten

Prozesskontaminanten, die beim Frittieren entstehen können, wie z.B. 2- und 3-MCPD-FSE, Glycidol-FSE, waren - wenn überhaupt, nur im Spurenbereich nachweisbar. Untersucht wurden 28 der 29 Proben. Die Ergebnisse verteilten sich wie in Tabelle 1 dargestellt:


Tabelle 1: Ergebnisse Prozesskontaminanten in Siedegebäcken

Prozesskontaminaten

Anzahl Proben

Spuren nachweisbar

< 0,50 mg/kg
> Bestimmungsgrenze

FSE: (0,25 mg/kg)

Spuren nachweisbar


< Bestimmungsgrenze

FSE: (0,25 mg/kg)

nicht nachweisbar

< Nachweisgrenze

FSE: (0,1 mg/kg)

2-MCPD-FSE(FSE)

2 (= 7 %)

7 (= 25 %)

19 (= 68 %)

3-MCPD-FSE(FSE)

2 (= 7 %)

7 (= 25 %)

19 (= 68 %)

Glycidol-FSE(FSE)

1 (= 3,5 %)

1 (=3,5 %)

26 (= 93 %)



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