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Patulin in Äpfeln und Apfelerzeugnissen

Das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit untersucht am Standort Braunschweig routinemäßig Fruchterzeugnisse auf ihren Gehalt an Patulin.

Patulin ist ein sekundäres Stoffwechselprodukt (Mykotoxin), das von Schimmelpilzen der Gattung Aspergillus- und Penicillium gebildet wird. Patulin kommt als Verunreinigung häufig in verschimmeltem Obst, Gemüse und Getreide vor, wichtigste Kontaminationsquelle sind jedoch Äpfel und Apfelerzeugnisse.


Problematik

Früchte, die durch Insekten, Vögel oder während der Verarbeitung beschädigt werden, sind ein guter Nährboden für Patulin-bildende Pilze. Eine ungeeignete Lagerung kann zudem zu einer vermehrten Toxinbildung führen. Die Menge an Patulin in Obstprodukten kann als Maß für die Qualität der in der Produktion eingesetzten Früchte angesehen werden. Dabei sollten insbesondere sichtbar verdorbene Früchte aus dem Verarbeitungsprozess ausgeschlossen werden. Da Patulin jedoch auch in Früchten auftreten kann, die äußerlich nicht sichtbar beschädigt oder verdorben sind, lässt sich die Kontamination durch Entfernen aller sichtbar beschädigten oder verdorbenen Früchte nicht völlig eliminieren. [1]

Patulin ist bei kurzer Hitzeeinwirkung relativ beständig, wodurch das Pasteurisieren von u.a. Fruchtsäften wirkungslos bleibt. Zum Entfernen des Toxins können Fruchtsäfte entweder vergoren (Abbau durch Bakterien) oder geschwefelt werden. Bei der Vergärung der Fruchtsäfte kann bis zu 99 % der Toxinmenge abgebaut werden. [1]

Verbraucherrisiko

Patulin wurde vom SCF (Scientific Committee on Food) als genotoxisch, nicht jedoch als krebserzeugend eingestuft. Es gilt als Nervengift und kann zu Erbrechen, Verdauungsstörungen (Magenschleimhautentzündungen einschließlich Blutungen), in einigen Fällen auch zu Blutungen in Niere, Milz oder Leber führen.

Rechtliche Regelungen

Um den Verbraucher vor einer unannehmbaren Belastung zu schützen, sind auf EU-Ebene in der Verordnung zur Festsetzung der Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln (VO(EG) Nr. 1881/2006) Höchstgehalte für Patulin festgelegt. [2]

Im Rahmen dieser Verordnung beträgt der zulässige Höchstgehalt für Patulin in u.a. Fruchtsäften und Spirituosen 50 µg/kg. Produkte für Säuglinge und Kleinkinder sind mit einem Höchstgehalt von 10 μg/kg reglementiert. [2]

In Fällen einer Patulinkontamination zwischen 25 und 50 µg/kg verweist die Kommission auf die Empfehlung „zur Prävention und Reduzierung der Patulinkontamination von Apfelsaft und Apfelsaftzutaten in anderen Getränken“. Demnach sollen die Mitgliedstaaten sicherstellen, dass die Unternehmen der apfelverarbeitenden Industrie alle notwendigen Vorkehrungen sowie gegebenenfalls Abhilfemaßnahmen treffen, um unter den Höchstgehalt von 50 μg/kg bei Apfelsaft zu gelangen, mit dem Ziel, letztlich einen Wert von 25 μg/kg zu erreichen. Die umfassende Anwendung des „Verhaltenskodex zur Prävention und Reduzierung“ soll zu einer weiteren Verringerung des Kontaminationsniveaus führen. [1]



Analytik

Patulin wird mit einem geeigneten Lösungsmittel aus dem zu untersuchenden Lebensmittel extrahiert. Eine anschließende Aufreinigung über eine Festphase führt zu sauberen und aufkonzentrierteren Extrakten, die dann mittels LC-MS/MS analysiert werden.


Untersuchung

Am Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Standort Braunschweig wurden seit 2011 insgesamt 573 Proben auf Patulin untersucht.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick zu den Matrixgruppen und deren Patulinbelastung:

Matrix

Anzahl gesamt

Proben < BG

Proben > BG

Max. µg/kg

Min. µg/kg

Proben > HG

getrocknete Apfelringe1

8

7

1

51

0

1

Apfelmus-/ Apfelstück-Konserve1

45

45

-

-

-

-

Apfelsaft2

342

293

49

284

0

4

Cidre/ Apfelwein

37

37

-

-

-

-

Birnensaft/ Birnennektar

106

105

1

13

0

-

Kernfrucht-/ Mehrfruchtsäfte

35

29

6

116

0

1


© LAVES

BG: Bestimmungsgrenze 5 µg/kg ; für die mit Fußnote 1 gekennzeichneten Lebensmittel 10 µg/kg

HG: Höchstgehalt gemäß VO(EG)1881/2006 für die angegebenen Getränke von 50 µg/kg und für getrocknete Apfelerzeugnisse 25 µg/kg

Fußnote 2: 5 Proben mit Gehalten zwischen 25 und 50 µg/kg; Beurteilung erfolgte gemäß Empfehlung „zur Prävention und Reduzierung der Patulinkontamination von Apfelsaft und Apfelsaftzutaten in anderen Getränken“ der Kommission

Apfelringe

Ergebnisse

Während Apfelweine, Apfelmus und Getränke aus Birnen kaum bzw. nicht belastet sind, können Apfelsäfte, getrocknete Apfelerzeugnisse und Fruchtsäfte mit hohen Gehalten an Patulin kontaminiert sein. Die Untersuchungen zeigen, dass das Risiko einer Patulinaufnahme in überwiegendem Maße durch den Verzehr von Apfelsäften und Apfelerzeugnissen herrührt. Vier der sechs Höchstgehaltsüberschreitungen wurden in den Jahren 2015 und 2016 ermittelt. Auch wenn die Gesundheitsgefährdung durch Patulin im Vergleich zu anderen Mykotoxinen als gering anzusehen ist, wird die Patulinuntersuchung weiterhin Bestandteil der routinemäßigen Kontrolle sein, um den Verbraucher vor einer möglichen Belastung zu schützen.


Quellen

[1] Empfehlung der Kommission vom 11. August 2003 zur Prävention und Reduzierung der Patulinkontamination von Apfelsaft und Apfelsaftzutaten in anderen Getränken (2003/598/EG)

[2] Verordnung (EG) Nr.1881/2006 der Kommission vom 19. Dezember 2006 zur Festsetzung der Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln
Apfelsaft  

frische Äpfel und naturtrüber Apfelsaft

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