LAVES klar

90 Jahre „Institut für Bienenkunde - Leuchtturmcharakter für andere Bundesländer“ und internationale Fachtagung der Bienenforscher in Celle

Minister Christian Meyer eröffnet die Feier mit einem Festvortrag


Es darf gefeiert werden: Das Institut für Bienenkunde Celle des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) wird 90 Jahre! Und nicht nur das: das Institut richtet gleichzeitig die wichtigste akademische Fachtagung der Bienenforscher aus - die 64. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft der Institute für Bienenforschung e.V. vom 14. bis 16. März 2017 in Celle. Es werden nahezu 200 Experten aus dem In- und Ausland, wie zum Beispiel aus Belgien, Finnland, Frankreich, Kroatien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Schweiz, Tschechien erwartet.

Die Arbeitsgemeinschaft (AG) ist ein Zusammenschluss zahlreicher wissenschaftlicher Institutionen. Neben den sieben Instituten der Bundesländer sind zahlreiche Universitäten in der AG vertreten. „Hauptaufgabe ist, dieses Netzwerk der Bienenforschung durch Zusammenarbeit in Projekten und den Austausch über Ergebnisse mit Leben zu füllen", sagt Dr. Werner von der Ohe, Leiter des Instituts für Bienenkunde und Vorsitzender der AG. So arbeitet das Bieneninstitut Celle mit Instituten in anderen Bundesländern, aber auch mit anderen europäischen Institutionen (Belgien, Frankreich) zusammen und führt Untersuchungen für brasilianische und US-amerikanische Studien durch. Die Beratung von Bundes- und Landesministerien und -behörden sowie anderen Institutionen gehört zu den wesentlichen Aufgaben. Eine Aufgabe, die vor allem auch vom Vorsitzenden von der Ohe wahrgenommen wird, seit zehn Jahren hat er diesen Vorsitz inne.

„Förderung von Honigbienen und Imkerei in Niedersachsen" - mit diesem Vortrag wird Landwirtschaftsminister Christian Meyer die Festveranstaltung am Dienstagabend, 14. März, zum 90-jährigen Jubiläum eröffnen. „Der Landesregierung liegt die Honigbiene sehr am Herzen, denn sie ist unser wichtigstes Nutztier", so Minister Meyer. Vier Fünftel der Kulturpflanzen bräuchten eine Bestäubung durch Bienen. „Ohne Honig- und Wildbienen wäre der heutige Pflanzen- und Obstanbau gar nicht möglich. Das Bieneninstitut leistet einen unschätzbaren Beitrag, um eine flächendeckende Bienenhaltung in Niedersachsen zu gewährleisten und das Land fördert intensiv den Imkernachwuchs. Oftmals finden die Bienen aber im Sommer zu wenig Nahrung. Daher freut es mich, dass durch unsere Förderung immer mehr Landwirte artenreiche Blühstreifen anlegen."

Die Imkerei hatte in Deutschland schon immer eine herausragende Bedeutung. Doch mit Beginn des 20. Jahrhunderts konnte ein Rückgang der Imkerei und von Bienenvölkern in der damaligen Provinz Hannover nicht verhindert werden. „Der Rückgang der Heideflächen, die Umstellung von der Spätsommertracht „Heide" auf Frühtrachten, fehlende Schulung und Beratung, Bienenkrankheiten sowie unzureichende Honigqualität gehörten zu den strukturellen Problemen", weiß von der Ohe. 1927 musste eine Lösung gefunden werden. Im Frühjahr 1927 wurde auf dem 62. Provinziallandtag zu Hannover der Beschluss gefasst, das „Hannoversche Landesinstitut für Bienenforschung und bienenwirtschaftliche Betriebslehre" in Celle zu gründen. Auf den ganzheitlichen Ansatz in den Bereichen Forschung, Entwicklung, Untersuchung, Beratung und Schulung wurde gesetzt. „All diese Aufgaben sind heute wie damals von großer Bedeutung, auch wenn sich die Schwerpunkte der inhaltlichen Entwicklung anpassen", sagt der Biologe von der Ohe. Erster Direktor des neu gegründeten Instituts war Prof. Dr. Albert Koch.

Die Institutsleitung wechselt in den Jahren 1938, 1960, 1976 und im Jahr 2000 übernahm der heutige Leiter, Dr. Werner von der Ohe. Anfang 2004 wurde das Bieneninstitut in das LAVES integriert und in das „Institut für Bienenkunde Celle" umbenannt. Diese Umstrukturierung wurde vom Niedersächsischen Landtag am 4. November 2003 beschlossen. Das Ziel: „Die Zusammenführung bestehender, gemeinsamer Berührungspunkte bei der lebensmittelrechtlichen Überwachung des Honigs sowie bei der Tierseuchenbekämpfung bei Bienenkrankheiten".

Bereits Anfang der 2000er Jahre wurde der Forschungs- und Entwicklungsbereich weiter ausgebaut und an neue Erfordernisse angepasst. Damit wuchs auch der Mitarbeiterstab von 4 (1927) auf 35 (2017). In dieser neuen Ära hat sich das Institut für Bienenkunde in Niedersachsen zu einem einzigartigen Kompetenzzentrum für alle Belange der Bienenhaltung und angrenzender Bereiche wie Umweltmonitoring, Pflanzenschutz und Landwirtschaft entwickelt. Die Themengebiete des Instituts reichen von der Untersuchung und Qualitätskontrolle von Honig und Pollen, Krankheitsdiagnose und Entwicklung von Bekämpfungskonzepten über die Prüfung von Pflanzenschutzmitteln auf Bienengefährlichkeit bis hin zur Honig- und Wachsproduktion. Außerdem gehört die Zucht von Bienenköniginnen dazu. „Zur Bekämpfung von Bienenkrankheiten wie der Amerikanischen Faulbrut sowie der zügigen Aufdeckung von Bienenvergiftungen durch Pflanzenschutzmittel haben wir Konzepte entwickelt, die einen Leuchtturmcharakter für andere Bundesländer haben", sagt Prof. Dr. Eberhard Haunhorst, Präsident des LAVES, nicht ohne jeden Stolz. Darauf wird er in seinem Vortrag „Bieneninstitut Celle als Teil des LAVES - Status und Zukunft" an diesem Abend weiter eingehen.

Die Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten gehören zu den weiteren wichtigen Bereichen des Instituts. Die Kooperationen mit anderen Institutionen im In- und Ausland sowie mit imkerlichen Verbänden wurden ausgeweitet. Außerdem berät das Institut die Imker vor Ort. Es veranstaltet Seminare und Fortbildungen, an denen auch internationale Fachleute teilnehmen. Bundesweit ist das LAVES-Institut die einzige Berufsschule für die Ausbildung zum Berufsimker.

Durch diese erfolgreiche Arbeit des Bieneninstitutes konnte die Situation der Imkerei in Niedersachsen wesentlich verbessert werden. Auch andere Bundesländer profitieren von diesem unermüdlichen Einsatz im Namen der Wissenschaft und für eine nachhaltige Imkerei.

In naher Zukunft sind auch weitere Meilensteine zu nehmen: „Die Optimierung der Bienengesundheit auf der Basis neuer Erkenntnisse in den Bereichen Biologie, Genetik, Ökologie von Bienenvölkern. Das umfasst einen noch stärkeren ganzheitlichen Ansatz. Ein wichtiges Ziel sollte sein, dass die Bienenhaltung ohne Medikamenteneinsatz auskommt beziehungsweise dieser auf ein absolutes Mindestmaß reduziert wird", unterstreicht Dr. Werner von der Ohe, seine Forderung.

Das LAVES ist eine zentrale Behörde des gesundheitlichen Verbraucherschutzes in Niedersachsen. Es ist landesweit zuständig für die Untersuchung und Beurteilung von amtlichen Proben aus allen Prozess- und Produktionsstufen der Lebensmittelkette. Sechs Untersuchungseinrichtungen gehören zum LAVES: die Lebensmittel- und Veterinärinstitute Oldenburg und Braunschweig/Hannover, das Institut für Fische und Fischereierzeugnisse Cuxhaven, das Institut für Bedarfsgegenstände Lüneburg, das Futtermittelinstitut Stade und das Institut für Bienenkunde Celle. Darüber hinaus erfüllt das LAVES mit seinen vier Fachabteilungen unmittelbare Vollzugsaufgaben in den Bereichen Futtermittel- und Tierarzneimittelkontrolle, Ökologischer Landbau sowie Marktüberwachung und berät die kommunalen Behörden in Fragen der Lebensmittelüberwachung, im grenzüberschreitenden Handel, der Tiergesundheit, der Schädlingsbekämpfung und des Tierschutzes.

Auf der Tagung der Bienenforscher stehen Themen, wie Genetik und Zucht, Physiologie und Verhalten, Bienenkrankheiten (u.a. Varroose, Amerikanische Faulbrut, Kleiner Beutenkäfer), Umwelt und Wirkung von Pflanzenschutzmitteln, Honig und andere Bienenprodukte, Ökologie und Wildbienen im Fokus. Außerdem sind weitere interessante Aspekte beispielsweise: Genomanalyse bezüglich möglicher Toleranzen gegenüber Bienenkrankheiten, mikrobiologische Vorgänge im Krankheitsverlauf und bei der Entwicklung der Virulenz von Erregern, welche Mechanismen steuern die Arbeitsteilung im Bienenvolk, Bienenvölker als Umweltindikatoren und im Umweltmonitoring, Aufdeckung von Honigverfälschung, Schutz von Wildbienen, Auswirkung von subletalen Dosen von Insektiziden auf Entwicklung und Verhalten der Bienen.

Ausführliche Informationen zum 90jährigen Bestehen des Instituts für Bienenkunde und der 64. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft der Institute für Bienenforschung e.V. unter www.laves.niedersachsen.de

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