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Blauzungenkrankheit

Ein exotisches Intermezzo in Deutschland?


Die Blauzungenkrankheit oder auch Bluetongue Disease (oft mit BTV für Bluetongue Virus abgekürzt) galt über Jahrzehnte als exotische Tierseuche, die in Nord- und Mitteleuropa nicht auftreten bzw. sich nicht verbreiten kann. Eine Verbreitung nördlich der Alpen wurde ausgeschlossen, weil der Vektor (der Überträger) in diesen Regionen aufgrund der Temperaturverhältnisse nicht vorkommen kann.

Bei der Bluetongue Disease handelt sich um eine Virusinfektion, die über kleine Mücken/Gnitzen übertragen wird. Eine Übertragung von Säugetier zu Säugetier findet nicht statt. Infizierbar sind Haus- und Wildwiederkäuer. Der Erreger ist ein unbehülltes RNA-Virus aus der Gattung Orbivirus. Biologisch stellen diese Viren eine Besonderheit dar, weil ihre genetische Information als doppelsträngige RNA hinterlegt ist. Doppelsträngige RNA kommt in der Natur nur selten vor.

Im Jahr 2006 kam es zu einer ersten Einschleppung von BTV nach Mitteleuropa. Am 21. August 2006 wurde der Ausbruch von BTV in Deutschland amtlich festgestellt. Entgegen der Erwartung wurde das Bluetongue Virus auch durch die heimischen Gnitzen übertragen und es kam zu mehreren Hundert Infektionen. Die Bekämpfung bestand im Wesentlichen aus einer reinen Dokumentation der Infektion, da die wissenschaftliche Erwartungshaltung war, dass das Geschehen über den Winter auf natürlichem Wege zum Erliegen kommen würde. Diese Erwartung wurde möglicherweise aufgrund des relativ milden Winters nicht erfüllt. In den Jahren 2007 und 2008 kam es zu einer nahezu flächendeckenden Ausbreitung des Virus in Deutschland und Mitteleuropa. Die Bekämpfungsstrategie wurde geändert und seit Mai 2008 wurde flächendeckend, verpflichtend geimpft. Die Impfung zeigt in Kombination mit den folgenden härteren Wintern Erfolg, so dass seit Sommer 2009 keine Neuinfektion mehr nachgewiesen werden konnte. Die verpflichtende Impfung wurde zum Jahresanfang 2010 aufgehoben. Die Impfungen erfolgen seitdem nur noch auf freiwilliger Basis.

Bei dem in Deutschland aufgetretenem BTV handelt es um den Serotyp 8. Eine Einschleppung des Serotyps 6 im Jahr 2008 spielte keine große Rolle. Der Serotyp 1 hat sich in Frankreich von Süd nach Nord verbreitet und bedrohte so auch den Süden Deutschlands. Insgesamt werden 24 Serotypen unterschieden.

Gegenwärtig werden noch regelmäßig, in der Regel für den Handel, Untersuchungen auf BTV durchgeführt. In den ersten 6 Monaten in 2011 wurden in den Veterinärinstituten des LAVES 9737 Proben auf BTV untersucht. Aufgrund der günstigen Entwicklung der Blauzungenkrankheit in Deutschland und Mitteleuropa bereiten sich diese Regionen darauf vor, den Status der BTV-Freiheit wieder zu erlangen. Für die BTV-Freiheit werden noch einige systematische Untersuchungen durchgeführt werden müssen.

Ob die Bluetongue Disease nur ein exotisches Intermezzo war oder ob die Tierseuche zum regelmäßigen ‚Gast’ in den Tierbeständen Deutschlands wird, wird die Zukunft zeigen.

Weitere Informationen zum Thema Blauzungenkrankheit:
- Tierseucheninfo (LAVES)

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