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Schaben im Wohnumfeld des Menschen

Fundmeldungen seit 1992


Der Fachbereich Schädlingsbekämpfung des LAVES erstellt seit 1992 im Rahmen von Jahresauswertungen eine Statistik über Fundmeldungen von Schaben, welche im direkten Wohnumfeld des Menschen aufgetreten sind.
Es handelt sich hierbei um Einsendungen niedersächsischer Behörden (Gesundheitsämter, Veterinärämter etc.), Schädlingsbekämpfungsfirmen und Privatpersonen. Diese Funde werden im Rahmen der operativen Beratung bestimmt, archiviert und in einer Datenbank erfasst.
Diagramm Einsendungen aller Schaben seit 1992   Bildrechte: ©LAVES/Beinke
Einsendungen aller Schaben seit 1992
Diagramm mit den Waldschabeneinsendungen seit 2011   Bildrechte: ©LAVES/Beinke
Waldschabeneinsendungen seit 2011

Die Deutsche Schabe (Blattella germanica) wurde früher am häufigsten im Wohnumfeld des Menschen ermittelt (1997 zum Beispiel 29 Fundmeldungen), was nicht zuletzt durch die hohe Vermehrungsrate dieser Art zu erklären ist. Diesem Gesundheitsschädling ist es durch seine geringe Größe problemlos möglich, ungesehen in Materialien und Verpackungen einzudringen und sich über Fernwärmeleitungen von Haus zu Haus zu verbreiten.

Die uns seit 1992 gemeldeten Waldschaben (Ectobius-Arten und Planuncus tingitanus) haben die Funde der Deutschen Schabe deutlich überholt, trotzdem sind es häufig Einzelfunde, welche, vom Licht angezogen, in Gebäude eingedrungen sind. Ob dieser Aufwärtstrend auch in Zukunft zu beobachten sein wird, bleibt abzuwarten.

Die Orientalische Schabe, Blatta orientalis, wird im Wohnumfeld des Menschen ebenfalls häufig gefunden (2005 zum Beispiel 16 Meldungen), und sollte, wie auch die Deutsche Schabe, als Gesundheitsschädling und Keimverschlepper nicht unterschätzt werden. Insbesondere 2005 wurden dem Fachbereich Schädlingsbekämpfung Massenvermehrungen in niedersächsichen Gemeinden ausgehend von landwirtschaftlichen Betrieben gemeldet. Die Schaben drangen nicht nur in Privathäuser ein sondern wurden auch in der Kanalisation und im Freiland gesichtet.

  Bildrechte: ©LAVES/Beinke
Amerikanische Schabe, Periplaneta americana

In unserer Auswertung sind die beiden ebenfalls als Schädlinge eingestuften Schabenarten, die Amerikanische Schabe (Periplaneta americana), und die Braunbandschabe (Supella longipalpa) im Vergleich zur Deutschen Schabe und zur Orientalischen Schabe seltener vertreten. Beide Arten können aber als Schädlinge im Wohnumfeld des Menschen auftreten, wenn sie durch Waren oder Gebrauchsgegenstände (z.B. Kartons, Möbel oder CD-Hüllen) eingeschleppt werden und wenn für ihre dauerhafte Ansiedlung gute Bedingungen vorherrschen.

Im Jahr 2007 ist die Surinamschabe (Pycnoscelus surinamensis) zum ersten Mal bei uns gemeldet worden, welche insbesondere durch Pflanzenkübel in Gebäude eingeschleppt werden kann. In Gewächshäusern ist sie gelegentlich anzutreffen und kann sich dort auch schnell vermehren. Diese Art ist in vielen Ländern Asiens verbreitet.

Die Argentinische Waldschabe (Blaptica dubia), die Grüne Bananenschabe (Panchlora spec.), die Fauchschabe der Gattung Gromphadorhina und die Diskusschabe (Blaberus discodialis) sind wahrscheinlich aus Terrarienhaltungen entwichen, wenn man sie im Wohnbereich findet. Sie sind als Lästlinge zu bewerten und stellen aufgrund ihrer Lebensweise keine Gefahr dar.

Der folgenden 18 Arten aus 11 Gattungen der Schaben (Blattoptera) wurden bisher bei uns eingesandt:


Ectobiidae

  • Lapplandschabe, Ectobius lapponicus
  • Blasse Schabe, Ectobius pallidus
  • Lesser-Schabe, Ectobius panzeri
  • Echte Waldschabe, Ectobius sylvestris
  • Bernsteinschabe, Ectobius vittiventris
  • Südliche Waldschabe, Ectobius erythronotus
  • Tanger-Waldschabe, Planuncus tingitanus

Blattelidae

  • Deutsche Schabe, Blattella germanica
  • Braunbandschabe, Supella longipalpa

Blattidae

  • Amerikanische Schabe, Periplaneta americana
  • Australische Schabe, Periplaneta australasie
  • Orientalische Schabe, Blatta oriantalis
  • Harlekinschabe, Neostylopyga rhombifolia

Blaberidae

  • Argentinische Waldschabe, Blaptica dubia
  • Surinamschabe, Pycnoscelus surinamensis
  • Grüne Bananenschabe, Panchlora spec.
  • Diskusschabe, Blaberus discoidalis
  • Fauchschabe, Gromphadorhina spec.

  Bildrechte: ©LAVES/Kassner
Deutsche Schabe, Blattella germanica

Die Funde lassen sich in drei Gruppen einteilen:


1. Gruppe

Schaben, die im Wohnbereich als Schädlinge auftreten können.

  • Deutsche Schabe, Blattella germanica
  • Orientalische Schabe, Blatta orientalis
  • Amerikanísche Schabe, Periplaneta americana
  • Australische Schabe, Periplaneta australasiae
  • Braunbandschabe, Supella longipalpa

2. Gruppe

Schaben, die als Freilandtiere in waldnahe Gebäude eindringen, aber nicht als Schädlinge gelten.
  • Waldschabe, Ectobius spec.
  • Tanger-Waldschabe, Planuncus tingitanus

3. Gruppe

Schaben, die vereinzelt durch Waren- und Pflanzenimporte eingeschleppt oder als Futter für Heimtiere gezüchtet werden.
  • Argentinische Waldschabe, Blaptica dubia
  • Surinamschabe, Pycnoscelus surinamensis
  • Diskusschabe, Blaberus discodialis
  • Harlekinschabe, Neostylopyga rhombifolia
  • Grüne Bananenschabe, Panchlora spec.
  • Fauchschabe, Gromphadorhina spec.
  Bildrechte: ©LAVES/Gnest

Ectobius tingitanus Weibchen mit Oothek

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