LAVES klar

Die Dörrobstmotte, Plodia interpunctella (Hbn, 1813)

der "Star" unter den Lebensmittelmotten


Allgemeines:

Die Dörrobstmotte, auch als "Kupferrote Dörrobstmotte", "Kakaomotte" oder "Hausmotte" bezeichnet, gehört in der Unterordnung Microlepidoptera (Kleinschmetterlinge) zu der Familie der Zünsler (Pyralidae) und hier zu den Fruchtzünslern, Phycitinae. Charakteristisch für die Fruchtzünsler sind die relativ schmalen Flügel, welche in Ruhehaltung abwärts geneigt um den Falterkörper geschlagen werden. Die Dörrobstmotte ist in den warm-gemäßigten und subtropischen Klimagebieten Vorderasiens und den Mittelmeerländern beheimatet, wo sie sich an vertrockneten Baumfrüchten wie Datteln, Feigen und Aprikosen entwickelt. Inzwischen ist sie kosmopolitisch weltweit verbreitet und bedingt durch ihre hohe Anpassungsfähigkeit und Nahrungstoleranz die häufigste in Privathaushalten vorkommende Lebensmittelmotte.

Dörrobstmotte
Falter (Weibchen) der Dörrobstmotte
Dörrobstmotte  
ausgewachsene Raupe der Dörrobstmotte

Biologie:

Die Falter der Dörrobstmotte haben eine Flügelspannweite von 13 bis 20 mm und sind selbst von Laien durch ihre auffällige Flügeldeckenfärbung (Vorderflügel) leicht zu erkennen. Das basale Drittel der Vorderflügel ist hellgrau bis ockergelb gefärbt, während der übrige Flügelteil kupferfarben rotbraun gefärbt ist. Die Raupen variieren in der Färbung stark. Abhängig von der Nahrung sind von reinweiß über grau, gelblich, grünlich bis hin zu rosafarben alle Farbschattierungen vertreten. Die ausgewachsen bis zu 17 mm großen Raupen besitzen eine Rotbraune Kopfkapsel mit je 5 (mitunter auch 6!) Punktaugen auf jeder Seite und ein gelbbraunes geteiltes Nackenschild.

Die weiblichen Falter legen ihre Eier einzeln oder in Haufen auf geeignetes Nahrungssubstrat oder auf die Außenseite verpackter Lebensmittel ab. Schlupf der Raupen bei 26°C-30°C und 57-91 % r.LF. in 2½ bis 1½ Tagen bei 23°C und 20%-0% r.LF. in 5-5½ bzw. in 5½-6 Tagen. Die Dauer der Embryonal- und Raupenentwicklung ist außer von Temperatur und Feuchtigkeit auch von der Länge der täglichen Lichtphasen und ihrer Nahrung abhängig. Ausgewachsene Raupen können bei sinkender Temperatur und Helligkeitsperiode oder hoher Populationsdichte in eine Entwicklungspause ohne Nahrungsaufnahme (Diapause) treten.

Die Embryonalentwicklung dauert je nach Umgebungstemperatur zwischen 1½ bis 20 Tage. Bis zur Verpuppungsreife durchlaufen die Raupen dann 5 bis 7 Entwicklungsstadien. Die Gesamtentwicklung der Dörrobstmotte ist bereits bei 18°C und 40% r.LF. möglich, sie verläuft optimal bei 28°C-32°C in 32-38 Tagen. Beim Eintreten einer Diapause kann sie sich bis zu 330 Tagen hinziehen. Unter günstigen Bedingungen können sich mehrere Generationen pro Jahr entwickeln.

Die Raupen der Dörrobstmotte haben ein außergewöhnlich unfangreiches Nahrungsspektrum, welches von Getreide, Getreideprodukten und Sämereien aller Art über Trockenfrüchte, Hülsenfrüchte, Nüsse, Schokolade, Kakao, Kaffee, Tee, Gewürze bis, in Ausnahmefällen, hin zu frischen Obst wie Äpfel, Pfirsiche, Datteln etc. reicht.

Dörrobstmotte  
Dörrobstmottenraupenbefall an Pralinen
Bildrechte: ©LAVES

Befallserkennung und Vorbeugemaßnahmen:

Charakteristisch für einen Befall mit Lebensmittelmotten ist das mit einem zähen Gespinst durchwobene Nahrungssubstrat. Die verpupungsreifen Raupen legen auf der Suche nach einem geeigneten Verpuppungsplatz extrem weite Wege zurück. Sie verlassen das Nahrungssubstrat und spinnen sich in Ritzen und Ecken ein und sind so auch vor der Einwirkung von chemischen Mitteln geschützt. Die eingesponnenen Puppen müssen daher sorgfältig gesucht und mechanisch zerstört werden, um ein späteres Auftreten von Mottenfaltern, die dann wieder Eier ablegen können, zu verhindern.

Die Entwicklungsstadien in den befallenen Vorräten müssen vor der gründlichen Entsorgung abgetötet werden. In privaten Haushalten kann dies durch Erwärmung auf 60 - 80 °C für 90 bis 120 Minuten im Backofen oder durch Einfrieren bei -12°C und -15°C für 3 Tage beziehungsweise für 8 Tage bei -7 und -9°C geschehen. Vorhandene Lebens- und Futtermittel sollten in fest verschlossenen Glas-, Keramik und Metallbehältnissen gelagert werden. Plastikverpackungen können von den Raupen durchbohrt werden.

Auch Vogelnester am Haus oder auf dem Dachboden in denen Sämereien und Früchte eingetragen worden sind, können als Entwicklungsquelle für die Dörrobstmotte dienen und sollten bei der Suche nach der Befallsursache mit einbezogen werden. Fliegengitter vor Fenster und Türen können den Zuflug von Faltern aus solchen Nestern verhindern. Ferner ist eine Entwicklung der Motten an pflanzlichen Dämmststoffen, z.B. Ceralit, sofern diese überlagert und nicht behandelt sind, möglich.

Bekämpfung:

Neben der im vorigen Absatz erwähnten Entsorgung und Behandlung der befallenen Vorräte können im Privathaushalt parasitoide Schlupfwespen (Bracon hebetor, Devorgilla canescens) zur biologischen Bekämpfung eingesetzt werden. In Lebens- oder Futtermittel verarbeitenden Betrieben ist zusätzlich der Einsatz von Pheronomfallen im Rahmen eines Monitorings zu empfehlen.

In der Großlagerhaltung in Getreidelagern und Mühlen ist eine Bekämpfung äußerst schwierig. In vielen Fällen ist eine Wärmebehandlung oder Begasung des Lagers mit CO2 unter Druck möglich. Bei Brotgetreide darf eine Spritzung (Primiphos-methyl) nur vor dem Ein- und nach dem Auslagern des Lagergutes vorgenommen werden. Eine weitere Bekämpfungsmethode ist das Ausbringen von Silicaten. Kurze Lagerzeiten und tiefe Lagertemperaturen wirken hier unterstützend.

zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln