LAVES klar

Australischer Teppichkäfer

Anthrenocerus australis HOPE, 1843


Wer hat das nicht auch schon einmal erlebt......einen angefressenen Teppich, kleine Löcher im wertvollen Kashmir-Pullover oder in der Naturhaarmatratze? Diese Schäden sind nicht immer den Raupen von Textilmotten (Kleidermotte, Pelzmotte) zuzuschreiben sondern es sind immer öfters Larven einer ganz bestimmten Käfergruppe, der sog. Dermestiden (Speckkäfer), welche als Verursacher in Frage kommen.

In letzter Zeit macht ein Einwanderer aus Australien auf sich aufmerksam, der Australische Teppichkäfer, Anthrenocerus australis. Der Australische Teppichkäfer verbreitete sich über England in die Niederlande und gelangte wahrscheinlich von dort aus nach Deutschland.
Mittlerweile ist er in ganz Deutschland ein weit verbreiteter Wohnungsschädling. Auch aus der Schweiz, Belgien und Frankreich sind Funde gemeldet. In Niedersachsen haben sich die uns eingesandten und durch Bestimmung bestätigten Funde in den letzten 12 Jahren bei durchschnittlich 19 Einsendungen pro Jahr eingependelt. Im Vergleich mit anderen synanthropen Speckkäferarten sind nur geringe Schwankungen bei den Fundmeldungenin bis einschließlich 2011 (Stand Ende Dezember 2011) zu verzeichnen gewesen. Im vergangenen Jahr ist zwar gegenüber 2010 ein leichter Rückgang der Fundmeldungen von Anthrenocerus australis (-5) beobachtet worden, die Anzahl Fundmeldungen liegt aber auch 2011 über den jährlichen Mittelwert (siehe Grafik: Fundmeldungen Speckkäfer).

Dermestiden Tabelle  
Fundmeldungen Speckkäfer (Dermestiden)
Australischer Teppichkäfer
Australischer Teppichkäfer. Anthrenocerus australis

Aussehen und Verwechslungsmöglichkeiten:

Der Käfer ist länglichoval, 2,0-3,5 mm lang und 1,5-2,5 mm breit. Kopf, Halsschild und Flügeldecken sind dunkelrotbraun bis schwarz, Körperanhänge (Beine, Fühler) sind rotbraun gefärbt. Auf den Flügeldecken befinden sich mehrere aus weißen Haaren gebildete Querbinden, wobei einzelne goldgelbe und schwarze Haare eingemischt sind. Auch das Halsschild ist weißlich behaart.

Die Larve wird 3 bis 6 mm lang, ist an der Oberseite braun, unten gelblich weiß gefärbt und gekennzeichnet durch den Besitz von Pfeilhaarpolstern sowie eines Borstenschwanzes am Hinterleibsende. Die Puppe ist etwa 3-4 mm lang. Sie bleibt fast immer in der letzten Larvenhaut.

Insbesondere Larven aber auch die Käfer lassen sich ohne Lupenvergrößerung nur schwer von anderen ähnlichen Arten unterscheiden. Bei den Käfern fallen neben Unterschieden der Behaarung, bzw. Beschuppung der Körperober- und unterseite hauptsächlich die Unterschiede in der Beschaffenheit der Fühlerkeule auf. Diese ist 11-gliedrig mit einer deutlich angesetzten 3-gliedrigen Keule, deren erstes Glied größer ist als das zweite. Außerdem gibt es bei Anthrenocerus australis keinen geschlechtsspezifischen Unterschied in der Fühlerform, was ihn von anderen Arten unterscheidet. Genannt seien hier einige Arten aus der Gattung Anthrenus und Trogoderma. Von den Anthrenus-Arten unterscheidet sich Anthrenocerus australis durch die stets behaarte und nicht beschuppte Körperober- und unterseite. Die Larven sind von anderen Arten ebenfalls durch die Form und Beborstung ihrer Fühler (Antennen) sowie durch die Form und Anordnung ihrer Körperbeborstung (Pfeilhaare) zu unterscheiden, wobei hierzu zwingend ein Mikroskop notwendig ist.

Käfer beim Pollenfressen  
Australischer Teppichkäfer beim Pollenfressen
Exuvie im Teppichboden  
abgestreifte leere Larvenhaut (Exuvie) im Teppichboden

Ernährung und wirtschaftliche Bedeutung:

Die Larven des Australischen Teppichkäfers zerstören ein breites Spektrum tierischer Produkte wie Wolle, Pelze und Leder sowie Produkte aus diesen Materialien. Auch in Insektensammlungen können sie erhebliche Schäden anrichten. In Wohnungen halten sich die Larven unter den Teppichen und in dunklen Ecken von Kleiderschränken auf. In pflanzlichen Fasermaterialien und auch Vorräten können die Tiere ebenfalls ihre Entwicklung durchlaufen.

Biologie und Entwicklung:

Der Australische Teppichkäfer bildet bei einer durchschnittlicher Zimmertemperatur von 22°C zwei bis drei Generationen im Jahr aus. Die Käfer schlüpfen das ganze Jahr über mit Ausnahme der Monate November bis Februar.

In Ihrer australischen Heimat sind die Käfer auf Blüten anzutreffen, wo sie Pollen aufnehmen. In unseren Breiten scheint die gesamte Entwicklung innerhalb von Gebäuden abzulaufen, da bisher noch keine Freilandfunde bekannt geworden sind. Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass in Vogelnestern, welche geschützt am Haus zu finden sind, eine Entwicklung stattfinden kann. Ob die erwachsenen Käfer überhaupt noch Nahrung während der kurzen Lebenszeit von zwei bis drei Wochen aufnehmen, ist nicht bekannt.

Die Ei-Anzahl sowie die Dauer der Eientwicklung sind temperaturabhängig, wobei ihre durchschnittliche Entwicklung bei 22°C etwa 10 bis 12 Tage dauert. Die aus dem Ei schlüpfende Eilarve fängt sofort an Nahrung aufzunehmen.

Die Anzahl der Larvenstadien ist abhängig von der Nahrung, der Temperatur und der relativen Luftfeuchtigkeit. Bei Zimmertemperaturen beträgt die vollständige Larvenentwicklung lediglich 2 Monate. Das Puppenstadium dauert bei 22°C etwa 7 bis 10 Tage. Die Ende Oktober noch nicht verpuppten Larven legen eine Ruhepause von ca. 3 Monaten ein und verpuppen sich erst Ende Februar. Nach neuesten Erkenntnissen scheint auch die Tageslichtdauer die Entwicklung zu beeinflussen, so verläuft die Entwicklung vom Ei zur Puppe bei 16 Std. Tageslicht deutlich schneller ab als bei nur 8 Std.Tageslichtdauer.

Bekämpfung und vorbeugende Maßnahmen:

Ein Larvenbefall im Anfangsstadium lässt sich mit etwas Glück durch gründliches Absaugen bzw. Reinigen und Ausklopfen des Materials eindämmen. Auch Frost können die Larven nicht ab. Befallenes Material lässt sich also in der Kühltruhe einfrieren, wobei alle Stadien abgetötet werden. Ein großflächiger Befall auf mehrere Befallsherde verteilt lässt sich nur durch den Einsatz spezieller Präparate tilgen. Hier sind Kontaktinsektizide auf Pyrethrum-Basis im Zusammenspiel mit sog. Larviziden oder Chitinsynthesehemmern zu nennen, welche gezielt auf die Entwicklung der Larven einwirken. Auch Silicate werden in letzter Zeit immer häufiger gegen Materialschädlinge wie Teppich- oder Pelzkäferlarven eingesetzt. Bei diesem Verfahren wird ein feiner Staub aus Siliciumsalzen oder Diatomeenerde in Hohlräume (Larvenverstecke) ausgebracht, welcher die Chitinhülle des Insektenkörpers verletzt und so zur Austrocknung des Tieres führt. Auch hier sollte, wie auch beim Einsatz von chemischen Mitteln, auf jeden Fall ein Fachmann mit geeigneter Sachkunde hinzu gezogen werden. Wohnungen mit Tierhaltung (Hunde, Katzen) sind für die Ansiedlung mit solchen Organismen wie Teppich- und Pelzkäfern besonders prädestiniert, da selbst bei regelmäßiger gründlicher Reinigung sich immer wieder Tierhaare in Ritzen und Bodenspalten ansammeln können, welche für die Teppichkäferlarven eine optimale Nahrungsgrundlage darstellen. Hier ist also Sorge zu tragen, dass Fussbodenspalten und -ritzen sowie Scheuerleisten ausreichend abgedichtet sind. Wolltextilien lassen sich durch Anwendung von Mottenschutzmitteln auch vor Teppichkäferlarvenfraß schützen.

Teppichkäferlarven

Larven des Australischen Teppichkäfers

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