LAVES Logo mit Schriftzug Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

Leptospirose

Leptospiren Bildrechte: © LAVES
Lebende Leptospiren im Dunkelfeldmikroskop (Vergrößerung 1:500)

Überträger

vor allem Nagetiere und Ratten, aber auch alle anderen empfänglichen Tiere

Übertragung
  • Kontakt mit kontaminierten Gewässern
  • Über Blut und Bisswunden
Symptome

Beim Tier:

Abhängig von Tierart und auslösendem Leptospirenstamm (Fruchtbarkeitsstörungen beim Schwein, Allgemeininfektionen bei den meisten anderen Tierarten)

Beim Menschen:

Mildere grippeähnliche Symptome bis hin zu Pneumonien, Meningitis, Nieren- und Leberversagen
Vorbeugung
  • Schutz von Wunden vor allem bei Freizeitaktivitäten im Wasser
  • Geeignete Schutzkleidung beim beruflichen Umgang mit Tieren
  • Impfung von Hunden; Tiere nicht aus Pfützen trinken lassen

Erreger

Leptospiren gehören zu der Klasse der Spirochäten. Sie sind sehr beweglich und weisen eine charakteristische spiralförmige Form auf, deren Enden oftmals kleiderbügelartig gebogen sind. Bis vor ein paar Jahren wurde zwischen zwei Spezies unterschieden: der pathogenen Spezies Leptospira (L.) interrogans und der apathogenen Spezies Leptospira biflexa. Von L. interrogans sind über 300 Serovare, die sich in ihren antigenen Eigenschaften voneinander unterscheiden, bekannt. Mittlerweile werden die Leptospiren aufgrund ihrer genetischen Verwandtschaft in 20 unterschiedliche Spezies eingeteilt. Dennoch findet die ursprüngliche auf den antigenen (Antikörper-erzeugend) Eigenschaften beruhende Einteilung weiterhin Anwendung im klinischen und epidemiologischen Umfeld.

Übertragung

Leptospiren besiedeln in ihren Wirten lange und anhaltend die Nieren, weswegen es vor allem zu einer Ausscheidung der Bakterien über den Urin kommt. Die Infektion erfolgt überwiegend durch direkten oder indirekten Kontakt (zum Beispiel mit kontaminiertem Wasser) mit Urin. Die Leptospiren dringen dann aktiv über die Schleimhäute der Augen, des Verdauungs- und Geschlechtsapparates und über Verletzungen der Haut in den Körper ihrer Wirte ein und können dort grundsätzlich jedes Organsystem besiedeln. Neben Urin können die Leptospiren aber auch über Blut und Bisswunden übertragen werden. Ein wichtiges Reservoir bilden dabei Nagetiere wie Ratten und Mäuse, von denen bei sogenannten Naturherdinfektionen die Infektionen von Haustieren und auch vom Menschen ausgehen. Leptospiren können bei günstigen Bedingungen (feucht, warm) Wochen bis Monate in der Umwelt überleben.

Erkrankung beim Tier

Die Leptospirose ist in Deutschland bei allen Säugetieren entsprechend der Tierseuchenmeldeverordnung meldepflichtig. Es sind zahlreiche Wild- und Haussäugetierarten wie unter anderem Hunde, Pferde, Rinder und Schweine empfänglich für eine Infektion. Die Schwere der Erkrankung ist unter anderem vom auslösenden Serovar abhängig. Bei Schweinen führt die Leptospirose hauptsächlich zu Aborten (Fehlgeburt) beziehungsweise der Geburt lebensschwacher Ferkel. Bei anderen Tierarten stehen Symptome einer Allgemeininfektion wie Fieber und Inappetenz (Appetitlosigkeit) im Vordergrund. Bei Hunden kommt es häufig neben Fieber und Mattigkeit zu Erbrechen und Durchfall und einer unspezifischen Nieren- und Leberfunktionsstörung. Auch neurale (Nervensystem betreffend) Verlaufsformen sind bekannt. Bei Pferden wird die Beteiligung an der equinen rezidivierenden Uveitis, auch Mondblindheit genannt, diskutiert. Die Behandlung der Leptospirose erfolgt mit Antibiotika. Bei Hunden wird eine Impfung ab der 8. Lebenswoche empfohlen.

Erkrankung bei Menschen

Die Leptospirose ist eine Zoonose mit weltweiter Bedeutung. Sie kommt hauptsächlich in tropischen und subtropischen Regionen vor, aber auch in Europa erkranken jährlich mehrere tausend Menschen, von denen circa fünf Prozent an der Leptospirose versterben. Die Erkrankung und der direkte beziehungsweise indirekte Nachweis des Erregers ist beim Menschen in Deutschland seit 2001 meldepflichtig. Das klinische Bild der Leptospirose beim Menschen ist sehr vielseitig. Der Großteil der Infektionen äußert sich in subklinischen Verläufen (keine oder nur sehr geringe, kaum erkennbare Symptome) oder in grippeähnlichen Symptomen einhergehend mit Fieber und Gelenkschmerzen. Es kann aber auch zu zum Teil lebensbedrohlichen Verläufen, die prinzipiell jedes Organsystem betreffen können, kommen. Am häufigsten verzeichnet werden Hirnhaut- und Lungenentzündungen sowie Nieren- und Leberversagen.

Die Ansteckung kann über die vom Tier kontaminierte Umwelt erfolgen (zum Beispiel beim sommerlichen Baden in verunreinigten Gewässern oder bei Überschwemmungen). Größere Ausbrüche gab es in den letzten Jahren auch unter Erdbeerpflückern, die sich nach starken Regenfällen auf kontaminierten Feldern infiziert haben. Des Weiteren erfolgt eine Ansteckung auch über den direkten Tierkontakt, wobei hier Berufsgruppen mit vielen Tierkontakten das höchste Risiko aufweisen. Infektionen von Mensch zu Mensch sind sehr selten. Aufgrund der gemeldeten Fallzahlen handelt es sich insgesamt um eine seltene Erkrankung in Deutschland, es ist aber anhand der Studienlage von einer hohen Dunkelziffer nicht diagnostizierter Leptospirosefälle auszugehen. Eine Behandlung erfolgt ebenfalls mit Antibiotika. Eine Impfung ist derzeit in Deutschland nicht möglich.

Prävention

Für berufliche Risikogruppen ist insbesondere auf wasserdichte Schutzkleidung und das Tragen von Handschuhen zu achten. Im Freizeitbereich kann es bei der Ausübung von beispielsweise Wassersportarten sinnvoll sein, Wunden wasserdicht abzudecken. Da eine Infektion auch über Haustiere erfolgen kann, sollten diese vor einer Infektion zum Beispiel durch eine Impfung (Hunde) geschützt werden. Außerdem sollte das Trinken aus Pfützen vermieden werden.

Untersuchungen im LAVES

Das Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover des LAVES ist landesweit für die Diagnose der Leptospirose zuständig. Im Jahr 2025 wurden 755 Proben von Rindern mittels Mikroagglutinationstest (MAT) auf Antikörper gegen Leptospiren untersucht, in fünf Fällen wurden Antikörper nachgewiesen. Die Untersuchung ist häufig im Rahmen von Verbringungen (Transport) in andere Länder notwendig.

Leptospiren-MAT   Bildrechte: © LAVES
Leptospirose-Mikroagglutinationstest, negative Probe (Vergrößerung 1:360)
Leptospiren-MAT   Bildrechte: © LAVES
Leptospirose-Mikroagglutinationstest, positive Probe (Vergrößerung 1:100)

Weitere Informationen

Hier finden Sie noch weitere Artikel über Zoonosen:

Fuchs auf einer Wiese Bildrechte: © Pim Leijen – Fotolia.com

Zoonose - was ist das?

Eine Zoonose definiert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als eine Krankheit oder eine Infektion, die natürlicherweise zwischen Wirbeltieren und Menschen übertragen werden kann. Das Lebenmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover untersucht Tiere auf Zoonoseerreger. mehr
Bildrechte: ©LAVES/Beinke

Wissenswertes über das Hantavirus

Fieber und Krankheitsgefühl nach der Gartenarbeit oder dem Aufräumen von Lagerräumen? Es könnte das Hantavirus dahinterstecken. Die Zoonose kann von Nagetieren und ihren Ausscheidungen auch kontaktlos durch beispielsweise aufgewirbelten Staub auf Menschen übertragen werden. Wie Sie sich schützen: mehr
Waschbär Bildrechte: © geoffkuchera - Fotolia.com

Waschbärspulwurm

Der Waschbärspulwurm ist ein Parasit, der im Darm von Waschbären vorkommen kann. Er gehört zu den Zoonosen und kann von Waschbären auf andere Tiere und Menschen übertragen werden. Vorsicht bei Kot in Sandkästen - Kinder können über verunreinigten Sand an den Fingern Eier der Spulwürmer aufnehmen. mehr
Großes Mausohr Bildrechte: Joachim Neumann - Fotolia.com

Tollwut: Kranke Tiere nicht anfassen!

Die Tollwut gehört zu den am längsten bekannten Infektionskrankheiten, wird durch den Biss erkrankter Tiere übertragen und verläuft zumeist tödlich. Jährlich sterben nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation weltweit 40.000 bis 70.000 Menschen an einer Tollwutinfektion. mehr
zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln