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Fischuntersuchungen

Krankheitsdiagnose bei Fischen


Die Task-Force Veterinärwesen des LAVES ist in erster Linie zuständig für die Unterstützung kommunaler Veterinärbehörden in Bezug auf den Vollzug tierseuchen- und tierschutzrechtlicher Vorschriften bei Fischen und aquatischen Wirbellosen. Die Abteilung Fischkrankheiten und Fischhaltung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover und einige praktizierenden Tierärzte übernehmen in Niedersachsen Tätigkeiten der die kurativen (fischgesundheitsdienstlichen) Betreuung von Aquakulturbetrieben und Hobbyfischhaltungen. In einigen anderen Bundesländern gibt es neben auf Fische spezialisierten praktizierenden Tierärzten auch Fischgesundheitsdienste.

Wenn (kranke) Fische zur Untersuchung in Tierarztpraxen oder sonstige Einrichtungen verbracht werden, bedarf es vorher unbedingt der Abstimmung mit der Untersuchungseinrichtung. Diese wird mitteilen, wann und wie die Tiere einzubringen sind und ob weiteres Probenmaterial (z. B. Wasser) erforderlich ist.

Lebendfischtransport im Beutel
Lebendfischtransport im Beutel

Einbringung von Fischproben zur Untersuchung

Die zu untersuchenden Fische sollten möglichst lebend eingebracht werden. Untersuchungen an frisch verendeten Fischen sind eingeschränkt aussagekräftig. Die Tiere müssen in einem geeigneten Transportbeutel mit Umverpackung tierschutzgerecht verpackt zur Untersuchung transportiert werden. Dazu werden die Fische in einem zu 1/3 mit Wasser gefüllten Kunststoffbeutel verbracht. Der Beutel wird mit reinem Sauerstoff aufgefüllt und sicher verschlossen. Die Behältnisse müssen abgedunkelt (im Karton) und im Sommer ggf. gekühlt werden. Es bedarf ggf. auch der Verwendung von Isolierbehältnissen (Styropor o.ä.), insbesondere wenn Fische transportiert werden, die nicht aus gemäßigten Klimazonen stammen. Unter Umständen können bestimmte Fischarten auch über kurze Distanzen in geeigneten offenen Behältern transportiert werden.

Für eine Untersuchung müssen die Fische nicht zwangsläufig getötet werden. Diese Lebendfischuntersuchungen sind jedoch häufig nur von bedingter Aussagekraft, da nur eine äußerliche Beurteilung auf Kondition und Erregerbefall stattfinden kann. Eine unerlässliche Ergänzung zur Krankheitsdiagnose ist die Überprüfung der Umweltqualität. Die Wasserqualität spielt, insbesondere in Bezug auf chemische und mikrobiologische Parameter, bei der Entstehung von Fischkrankheiten häufig eine ausschlaggebende Rolle. Die Umweltqualität ist darüber hinaus entscheidend bei der Beurteilung, ob die Fische art- und verhaltensgerecht gehalten werden. Eine begleitende Wasseruntersuchung ist deshalb immer empfehlenswert. Dazu wird eine Wasserprobe (mindestens 1 Liter) luftblasenfrei, gekühlt und abgedunkelt zur Untersuchung verbracht.

Bei Fischen und anderen Wassertieren wie Flusskrebsen können Infektionen mit Viren, Bakterien, Pilzen und / oder Parasiten festgestellt werden. Virusinfektionen wie die VHS, IHN oder auch die KHV-I (Koi-Herpesvirus-Infektion der Karpfen) sind in der Regel nicht behandelbar. Der Zukauf von seuchenempfänglichen Besatzfischen aus amtlich für seuchenfrei erklärten Betrieben bzw. aus Betrieben, die verpflichtende Eigenkontrollen veranlassen, ist deshalb zu empfehlen. Im Rahmen des Vollzugs der Fischseuchenverordnung angeordnete Schutzmaßnahmen unterstützen die Eindämmung dieser Virusseuchen. Labordiagnostische Untersuchungen auf anzeigepflichtige Fischseuchen und auf andere Krankheitserreger werden im Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover am Standort Hannover durchgeführt.

Bakterielle Infektionen wie z.B. die Furunkulose oder die Rotmaulseuche der Forellen (ERM) können im Falle eines Nachweises mit Hilfe von Antibiotika behandelt werden. In diesem Zusammenhang sei auf die Gefahr der Resistenzbildung hingewiesen. Behandlungen sollten unabhängig von der Verschreibungspflicht für Antibiotika nur nach Untersuchung der Fische, Resistenztesterstellung und Empfehlung eines Fischgesundheitsdienstes durchgeführt werden. Deshalb sollte im Zuge einer Erregerisolierung immer ein Resistenztest durchgeführt werden.

Vorbeugen ist besser als behandeln! Deshalb ist die Durchführung prophylaktischer Schutzimpfungen (Vakzinierung) mit Hilfe zugelassener Vakzinen zu empfehlen. Für die Rotmaulseuche sind hierzulande zugelassene Vakzinen erhältlich. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit des Einsatzes von inaktivierten Bestandsimpfstoffen. Derzeit sind in der EU keine Impfstoffe zum Schutz gegen die Virusseuchen VHS, IHN, ISA und KHV-I zugelassen.

Resistenzentwicklung  
Resistenzentwicklung

Die Resistenzentwicklung von Erregern, die bis 2002 in Fischproben aus der Praxis der ehemaligen Einrichtung "Staatlicher Fischseuchenbekämpfungsdienst Niedersachsen und Fischgesundheitsdienst" isoliert wurden, ist in der nebenstehenden Abbildung dargestellt. Es ist ersichtlich, dass bis Mitte der 90er Jahre die Antibiotikaresistenzen fischpathogener Erreger stark angestiegen sind. In den Jahren darauf konnte jedoch eine positivere Entwicklung beobachtet werden, die auf eine intensive fischgesundheitsdienstliche Betreuung und gezielte Aufklärung der Fischhalter zurückgeführt werden kann.

Ein Pilzbefall bei Fischen ist häufig Folge einer Primärinfektion bakterieller, viraler oder parasitärer Genese. Daher ist es von großer Bedeutung, die Primärursache festzustellen.

Parasiten sind vornehmlich bei hochgradigem Befall von pathogener Bedeutung. Der Wimpereinzeller Ichthyophthirius multifiliis kann nicht nur bei Zierfischen, sondern auch bei Nutzfischen zu teilweise hohen Verlusten führen. Diese Parasiten verursachen die sogenannte Weißpünktchen- bzw. Grieskörnchenkrankheit der Fische. Neben einer Vielzahl von Sporen-, Wimper- und Geißeleinzellern, parasitieren auch zahlreiche Mehrzeller auf Fischen. Der Hauthakensaugwurm Gyrodactylus kann bis zu sechs Folgegenerationen in sich tragen. Auch verschiedene Kleinkrebsarten, wie die Karpfenlaus oder der Ankerwurm können bei Fischen zu gesundheitlichen Problemen führen.

Die Ergebnisse der Fischuntersuchungen erlauben es dem Fischhalter, unter Aufsicht eines Tierarztes eine gezielte Behandlung durchzuführen. Dabei hat gleichzeitig immer eine Optimierung der Umwelt- und Haltungsqualität sowie des Betriebsmanagements zu erfolgen.

Kiemennekrose beim Koi-Karpfen  
Kiemennekrose beim Koi-Karpfen
Fischegelbefall beim Hecht  
Fischegelbefall beim Hecht
Karpfenlausbefall beim Hecht  
Karpfenlausbefall beim Hecht
Karpfenfurunkulose (ED)  
Karpfenfurunkulose (ED)
Organveränderungen bei der Rotmaulseuche  
Organveränderungen bei der Rotmaulseuche
Gyrodactylus  
Gyrodactylus
Weißpünktchenkrankheit  
Ichtyhophthirius multifiliis (Weißpünktchenkrankheit)
Fischtuberkulose  
Fischtuberkulose im mikroskopischen Präparat
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