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Tiergerechte Schadnagerbekämpfung

Der Falleneinsatz steht in der Schädlingsbekämpfung vor Herausforderungen


Auswahl unterschiedlicher Fallentypen
Verschiedene Fallentypen

Es stellt sich immer häufiger die Frage, wie eine tiergerechte Schadnagerbekämpfung nach aktuellem Tierschutzgesetz (TierSchG) auszusehen hat.

Nach Stand der Technik wurden bisher die Schadnagerbekämpfung und teilweise auch das -monitoring im Hygienebereich mit wirkstoffhaltigen Ködern durchgeführt. Der Einsatz von Fallen war eher von untergeordneter Bedeutung.

Im Rahmen der Biozidzulassung werden die Antikoagulantien, die den überwältigenden Teil der gegen Schadnager eingesetzten Wirkstoffe stellen und die Blutgerinnung der Tiere hemmen, aus umweltrechtlicher Warte äußerst kritisch eingestuft, weil sie persistent, bioakkumulierend und toxisch sind. Die EU-Biozidrichtlinie verlangt die Entwicklung von Alternativen, die diese Stoffe in der Schadnagerbekämpfung ersetzen sollen. Deshalb wurde die Zulassung dieser Stoffe zunächst auf fünf Jahre beschränkt.

Gleichzeitig setzten sich in dem Lebensmittelbereich interne internationale Standards durch, die einen Einsatz von Antikoagulantien oder sogar wirkstofffreien Ködern im Innenbereich zum Schadnagermonitoring untersagen und den Einsatz von Fallen fordern. Diese Situation führt dazu, dass der Falleneinsatz im Hygienebereich eine Renaissance erlebt. Deshalb sind neben den tierschutzrechtlichen auch verschiedene praktische Aspekte des Falleneinsatzes in der Schädlingsbekämpfung Thema, wie zum Beispiel: Sind die verfügbaren Fallensysteme geeignet? Wie geht man mit den gefangenen Tieren um? Wie oft sind die Fallen zu kontrollieren?

Verendete Ratte in einer Klebefalle  
Einsatz von Klebefallen gegen Nagetiere – eine Straftat nach dem Tierschutzgesetz

In einem Vortrag ist die aktuelle Sachlage von Herrn Dr. Jona Freise vom Dezernat Task-Force Veterinärwesen, Fachbereich Schädlingsbekämpfung des LAVES, erörtert worden. In der rechten Infospalte steht der Vortrag "Schädlingsbekämpfung: Tierschutzrelevanz bei bestimmten Wirbeltierarten" zum Download bereit.

Hierzu einige Auszüge und Gesetzestexte des Vortrages, welche die aktuelle Sachlage verdeutlichen:

„Ist die Tötung eines Wirbeltieres ohne Betäubung… zulässig oder erfolgt sie im Rahmen zulässiger Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen, so darf die Tötung nur vorgenommen werden, wenn hierbei nicht mehr als unvermeidbare Schmerzen entstehen. Ein Wirbeltier töten darf nur, wer die dazu notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten hat.“ (TierSchG § 4, Absatz 1, Sätze 1 & 3)



„Personen, die berufs- oder gewerbsmäßig regelmäßig Wirbeltiere betäuben oder töten, haben gegenüber der zuständigen Behörde einen Sachkundenachweis zu erbringen.“ (TierSchG § 4, Absatz 1 a), Satz 1)

„Wer gewerbsmäßig Wirbeltiere als Schädlinge bekämpfen will, bedarf der Erlaubnis der zuständigen Behörde.
Die Erlaubnis darf nur erteilt werden, wenn die zur Verwendung vorgesehenen Vorrichtungen und Stoffe oder Zubereitungen für eine tierschutzgerechte Bekämpfung der betroffenen Wirbeltierarten geeignet sind; dies gilt nicht für Vorrichtungen, Stoffe oder Zubereitungen, die nach anderen Vorschriften zu diesem Zweck zugelassen oder vorgeschrieben sind.“ (TierSchG § 11, Absatz 1, Satz 1, Nr. 3 e) & Absatz 2, Nr. 4)

„Es ist verboten, zum Fangen, Fernhalten oder Verscheuchen von Wirbeltieren Vorrichtungen oder Stoffe anzuwenden, wenn damit die Gefahr vermeidbarer Schmerzen, Leiden oder Schäden für Wirbeltiere verbunden ist; dies gilt nicht für die Anwendung von Vorrichtungen oder Stoffen, die auf Grund anderer Rechtsvorschriften zugelassen sind.“ (TierSchG § 13, Absatz 1)

Die vorgenannten Bestimmungen sind bei der Schadnagerbekämpfung im Hygienebereich aus tierschutzrechtlicher Sicht in jedem Fall zu beachten.

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