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Überwinterung – sind Ihre Bienenvölker stark genug?

Infobrief des LAVES-Bieneninstituts vom 15. Oktober 2021


Bienen krabbeln im Bienenstocke zwischen zwei Zargen.   Bildrechte: LAVES, O. Boecking
Vor Beginn der anstehenden Überwinterung muss jede Imkerin, jeder Imker sich jetzt die Frage stellen:

Sind die Bienenvölker derzeit stark genug, um den kommenden Winter 2021/2022 überhaupt zu überstehen? Dazu liefern wir hier Empfehlungen und Anregungen.

Wissenschaftliche Untersuchungen auf der Basis von Bienen-Populationsschätzungen nach der sogenannten Liebefelder-Schätzmethode [1] in verschiedenen Regionen in Deutschland haben gezeigt, dass grundsätzlich alle Bienenvölker (Jung- wie Altvölker) Mitte/Ende Oktober über:

  • mindestens 5.000 gesunde, „Varroa-befreite“ Bienen,
  • eine möglichst junge Königin und
  • ausreichend eingelagertes Futter verfügen müssen, damit sie eine reale Chance zur erfolgreichen Überwinterung haben.

In der praktischen Imkerei bedarf es zur Erfassung der Volksstärke nicht solcher Bienen-Populationsschätzung. Eine grobe Abschätzung der Volksstärke ist dafür schon ausreichend, aber unbedingt notwendig, um Mitte/Ende Oktober notfalls noch regulierend eingreifen zu können.

So sollte man jetzt, nach einer kühlen Nacht (unter 5 °C) am frühen Morgen, wenn sich die Bienen noch in den Wabengassen zusammengezogen haben, die mit Bienen besetzten Gassen zunächst von oben betrachtet durchzählen. Die durchweg geringer besetzten beiden äußeren Wabengassen, der von oben sichtbaren Bienentraube, werden dabei nicht mitgerechnet bzw. rechnerisch abgezogen. Danach muss dann bei 1-zargigen Völkern die Zarge zudem angekippt werden, um auch von unten den Bienenbesatz abschätzen zu können. Bei 2-zargigen Völkern wird nach einer ersten Abschätzung von oben dann die oberste Zarge kurz angekippt. So überprüft man, ob die Bienen auch von unten zu sehen sind, also tatsächlich die Wabengassen über die gesamte Wabenflächen füllen. Bei 1-zargigen Völkern sollten im Idealfall auch Bienen unter den Wabenunterseiten durchhängen und bei 2-zargigen Völkern müssen die Bienen über beide Zargen verteilt vorhanden sein. Bei sorgsamer Vorgehensweise muss man sich keine Sorgen um die Bienen machen, denn solch ein kurzer Eingriff ist für die Völker vollkommen unbedenklich.

Die Überwinterungschance steht und fällt also primär mit der Anzahl jetzt vorhandener Bienen in den Völkern. Dazu kommt natürlich auch eine ausreichende Futterversorgung. Völker, die Mitte Oktober bzw. Anfang November auf drei Wabengassen sitzen, unterliegen grundsätzlich einem erheblichen Sterberisiko. Vier besetzte Wabengassen sind gerade einmal das absolute Mindestmaß. Je nach Witterungsverlauf besteht erfahrungsgemäß auch bei diesen Völkern ein gewisses Sterberisiko (siehe Abbildungen 1 und 2). Diesen Völkern muss geholfen werden, ansonsten überleben sie möglicherweise den kommenden Winter nicht.

Überwinterungschance in Abhängigkeit der Volksstärke (Infografik). Grüne Ampel: 2-zargige Beute mit mehr als 5 besetzten Wabengassen. Gelbe Ampel: 4 besetzten Wabengassen. Rote Ampel: drei besetzten Wabengassen.   Bildrechte: LAVES Bieneninstitut, O. Boecking
Überwinterungschance in Abhängigkeit der Volksstärke (Infografik). Grüne Ampel: 1-zargige Beute mit mehr als 5 besetzten Wabengassen. Gelbe Ampel: 4 besetzten Wabengassen. Rote Ampel: drei besetzten Wabengassen.   Bildrechte: LAVES Bieneninstitut, O. Boecking
Abbildungen 1 und 2: Die Zahl der besetzten Wabengassen ermittelt man am sichersten, indem man nach einer kalten Nacht am frühen Morgen jede bienenbesetzte Wabengasse zählt und die beiden äußeren Gassen unberücksichtigt lässt. Ein Blick von unten bei 1-Zargern und ein Blick zwischen die beiden Zargen bei 2-Zargern nach Ankippen, sind zur sicheren Abschätzung unbedingt zusätzlich nötig.

Schwache Bienenvölker sollten jetzt mit anderen Völkern vereinigt werden, um so die nötige Überwinterungsstärke zu schaffen

Bei diesem Vorhaben wird vorausgesetzt, dass die Völker grundsätzlich gesund sind und die geringe Bienenanzahl eben keine Folge von Krankheiten oder anderen Schädigungen ist. Kranke Völker müssen hingegen aufgelöst werden.

Infografik: 1 Wirtschaftsvolk und 2 Jungvölker vereinigen.   Bildrechte: LAVES Bieneninstitut, O. Boecking
Infografik: 1 Wirtschaftsvolk und 1 Jungvolk vereinigen.   Bildrechte: LAVES Bieneninstitut, O. Boecking

Mit den Abbildungen 3 und 4 wird die Vorgehensweise bei der Vereinigung von Wirtschaftsvölkern mit Jungvölkern dargestellt. Keinesfalls sollte dafür eine Zeitung mit dem „gut gemeinten“ Gedanken zwischengelegt werden, die Bienen der verschiedenen Völker müssten sich aneinander erst gewöhnen. Die Vereinigung funktioniert ganz ohne solche Hilfsmittel und ohne, dass sich die Bienen dabei gegenseitig abstechen. Eine Zeitung behindert dieses Vorhaben. Wichtig ist auch, dass die Völker nach der Vereinigung nur noch über einen gemeinsamen Boden und ein Flugloch verfügen.

Hat man eventuell zwei schwache 1-zargige Jungvölker, können diese auch in einer Zarge vereinigt werden, indem man die Waben des einen direkt an das andere Volk hängt. Dafür muss man dem Volk womöglich leere Randwaben entnehmen, um so Platz zu schaffen. Volle Futterwaben müssen dabei an den Rand des Bienensitzes gehängt werden, da sie sonst wie ein Schied die Vereinigung der Völker behindern würden. Um die Königinnen muss man sich nicht kümmern, denn das regeln die Bienen selber, es sei denn, man benötigt eine der Jungkönigin noch für eine Verjüngung eines anderen Volkes. Dann muss man sie heraussuchen.

Bei 2-zargigen Wirtschaftsvölkern, die noch eine alte, vorjährige Königin besitzen, sollte diese zunächst herausgesucht werden. Sie sitzen zu dieser Jahreszeit in der Regel in der unteren Zarge. Die alte Königin lässt sich mit einer dann unter Futterverschluss im Käfig dem Volk zwischen die Wabengasse zugehängten, jungen Königin unbedenklich, ohne jede Wartezeit, sogleich austauschen. Will man sich die Arbeit des Suchens der alten Königin ersparen, so kann man die Bienen diese Volkes, wie bei der Abbildung 3 gezeigt, vor das Flugloch des neu zusammengesetzten Volkes abschlagen und einlaufen lassen. Wenn man dazu zuvor vor das Flugloch ein Königinnenabsperrgitter fixiert, dann kann man die alte Königin dort abfangen. Sollte der Beutenboden des neu zusammengesetzten Volkes unten mit einem Lüftungsgitter ausgestattet sein, muss dieses abgedeckt werden. So verhindert man, dass die abgeschlagenen Bienen sich womöglich mit der alten Königin unter dem Beutenboden versammeln. Für das Abschlagen der Bienen auf eine Rampe, muss das Wetter geeignet sein, damit die Bienen tatsächlich auch in ihre neue Behausung einlaufen können.

Die Flugbienen, der so zusammengesetzten Völker, werden sich nach dem Winter an dem neuen Standplatz neu orientieren. Demnach muss man sich auch keine Sorgen um Flugbienenverluste machen. Wichtig aber ist, darauf zu achten, dass die so zusammengesetzten Völker ausreichende Futtervorräte haben und zusammen dann mehr als 5.000 Bienen umfassen. Für etwaige Nachfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung! Schreiben Sie uns einfach eine E-Mail: poststelle.ib-ce@laves.niedersachsen.de.
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