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Schwarmkontrollen und Schwarmverhinderungsmaßnahmen stehen auch weiterhin an

Ein großer Bienenschwarm hängt an einem Ast.   Bildrechte: LAVES, O. Boecking

Vielerorts sind in den vergangenen Wochen Bienenschwärme ausgezogen. Das bedeutet, diese geschwärmten Völker waren in ihrer Entwicklung weiter, als der/die Bienenhaltende dies zuvor wahrgenommen hatte. Die Schwarmzeit ist auch noch nicht beendet. Von daher gehören Schwarmkontrollen und Schwarmverhinderungs-maßnahmen zu den derzeit anstehenden Arbeiten an den Bienenvölkern.

Schwarmvorbeuge beziehungsweise regelmäßige Schwarmkontrollen stehen auch weiterhin an – allesamt Maßnahmen, die gleichzeitig auch wachsende Varroa-Populationen in den Wirtschaftsvölkern reduzieren helfen

Unser Stockwaagen-Volk (TrachtNet, Deutschland) zeigt, wie unsere anderen Völker auch, deutliche Zunahmen. Auch im Celler Land zeigen vereinzelt Völker inzwischen Schwarmstimmung. Wer keinem Schwarm „hinterherklettern“ will, der muss ab sofort bis voraussichtlich Ende Juni Schwarmkontrollen im 7-Tage-Abstand durchführen (Kippkontrolle), um einen Schwarmabgang zu verhindern. Wenn die Völker mit der Entnahme von „Brutbrettern“ und ansitzenden Bienen geschröpft werden, kann der Schwarmtrieb deutlich gedämpft, ja sogar ganz vorgebeugt werden. Mit der Entnahme der Brut und den daraus zu erstellenden Jungvölkern, wird gleichzeitig die wachsende Varroa-Population in den Wirtschaftsvölkern reduziert. Es ist eine Binsenweisheit, dass nur Individuen-starke Völker auch viel Nektar beziehungsweise Honigtau und Pollen eintragen können. Dazu muss zunächst viel Brut angelegt werden. Aber viel Brut ist bekanntlich auch die Grundlage für das Varroa-Populationswachstum in den Bienenvölkern. Je nach Anfangsbefall kann dann die Anzahl Varroamilben irgendwann während des Bienenjahres schon eine kritische Schwelle erreichen.

Mögliche Schwarmvorbeuge und Verhinderungsmaßnahmen

Infografik: Mögliche Schwarmvorbeuge & Verhinderungsmaßnahmen. 1. Schwarmzellen brechen. 2. Volkstärken ausgleichen. 3. Sammelbrutableger. 4. Brutwabenableger.   Bildrechte: LAVES, F. Odemer

Zur Ablegerbildung bieten sich zu dieser Jahreszeit zwei Verfahren besonders an: entweder der „einfache Brutwabenableger“ oder der „Sammelbrutableger mit integrierter Königinnenzucht“.

Schwarmzellen brechen (alle 7 Tage)

Volksstärken ausgleichen

Wenn man derzeit deutlich unterschiedlich starke Völker in seinem Bestand hat, kann man zur Schwarmdämpfung auch die Völker verstellen, indem die Plätze eines schwachen Volkes und eines starken getauscht werden. Das schwache Volk wird so durch die Flugbienen des starken Volkes verstärkt. Dazu muss natürlich auch gutes Flugwetter vorherrschen. Das so um die Flugbienen geschröpfte, vormals starke Volk wird den Verlust durch die Neuanlage von Brut kompensieren, aber so erst einmal nicht in Schwarmstimmung kommen. Definitiv wird das Volk jedoch eher weniger Honig produzieren können. Entscheidend ist aber, was unter dem Strich bei diesem Verfahren herauskommt.

Erstellung eines „einfachen Brutwabenablegers“

Prinzipiell werden dazu ein oder mehrere „Brutbretter“ (Wabe mit beidseitig viel verdeckelter Arbeiterinnenbrut) mit den ansitzenden Bienen (jedoch ohne Königin!) den Wirtschaftsvölkern entnommen, um damit einen Brutwabenableger zu bilden. Das so geschröpfte Wirtschaftsvolk erhält dafür entsprechend Mittelwände zum Ersatz. Auf der dem Wirtschaftsvolk entnommenen Brutwabe muss – neben vieler verdeckelter – auch etwas offene/jüngste Arbeiterinnenbrut zum Nachschaffen einer eigenen Königin vorhanden sein. Das mit Bienen besetzte „Brutbrett“ wird zusammen mit einer Futterwabe und einem Leerrähmchen (ausgebaut oder mit Mittelwand) an den Rand einer Zarge gehängt. Dazu sollte die Brutwabe an die Zargenwand des Brutwabenablegerkastens (= normale Zarge mit Boden) gehängt werden, gefolgt von dem Leerrähmchen und dann der Futterwabe. Wenn auf dem Brutbrett, das dem Wirtschaftsvolk entnommen wurde, nicht genügend Bienen sitzen, dann stößt man noch Bienen einer anderen Wabe (aber auch hier ohne Königin!) dazu. Zum Verbringen der so erstellten Brutwabenableger – außerhalb des Flugkreises der Wirtschaftsvölker – sollten die wenigen Waben in der Zarge so befestigt werden, dass sie während des Transportes nicht verrutschen können. Am Ablegerstand angekommen, wird das Flugloch nur gut eine „Bienenbreite“ weit geöffnet. Das geschieht auf der Zargenseite, an der die Waben (Brut-, Mittelwand und Futterwabe) eingehängt wurden. Das schützt die kleinen Völkchen besser vor räubernden Bienen. Drei Wochen später erhält der, dann brutfreie Ableger, eine Sprühbehandlung mit Oxalsäure gegen die Varroamilbe, denn dann ist alle Brut geschlüpft und die Bienen haben eine Königin nachgezogen.

Erstellung eines Sammelbrutablegers mit integrierter Königinnenzucht

Dieses Verfahren eignet sich für Imker/-innen, die mehrere Völker besitzen. Dabei ist ein strikter Zeitplan nach dem folgenden Ablaufschema einzuhalten: Start ist an einem von Ihnen gewählter Tage X und alle weiteren Schritte folgen am Tag X+9, +19 und schließlich am Tag X+21 Tage.

Schritt 1 (Tag X)

Für den Sammelbrutableger werden genauso „Brutbretter“ mit ansitzenden Bienen (jedoch ohne Königin!) den Wirtschaftsvölkern entnommen, wie schon oben dargestellt. Sie werden dann jedoch zusammen in einer Zarge aus verschiedenen/mehreren Wirtschaftsvölkern des eigenen Bestandes vereint, bis die Zarge nebst einer gut gefüllten Futterwabe aufgefüllt ist. Der Tag, an dem der Sammelbrutableger erstellt wird, ist der Tag X, dem dann alle weiteren Schritte strikt folgen müssen.

Schritt 2 (Tag X+9)

9 Tage nach dieser Sammelbrutableger-Erstellung müssen sorgfältig alle Nachschaffungszellen auf allen Brutwaben gebrochen und dann sogleich ein belarvter Zuchtrahmen mittig eingehängt werden.

Schritt 3 (Tag X+19)

Am Tag X+19 werden die Königinnenzellen auf dem Zuchtrahmen „verschult“. Das heißt, mit entsprechendem Schutz versehen, damit nicht die erstgeschlüpfte Königin die anderen töten kann.

Schritt 4 (Tag X+21)

Am Tag X+21 muss der ehemalige Sammelbrutwabenableger, der jetzt das Pflegevolk für viele Königinnen darstellt, in so viele Begattungsvölkchen aufgeteilt werden, wie Königinnen geschlüpft sind beziehungsweise geschlüpfte Brutwaben mit ansitzenden Bienen vorhanden sind. Jedes Begattungsvölkchen startet mit mindestens einer ehemaligen Brutwabe aus den Wirtschaftsvölkern (jetzt „Bienenwabe“) mit den vielen ansitzenden geschlüpften jungen Bienen und einer Mittelwand und einer Futterwabe und einer unbegatteten Königin. Beim Verteilen der mit Bienen besetzten Waben in die vorbereiteten Begattungseinheiten (Magazinzargen mit Boden) erfolgt eine Sprühbehandlung mit Oxalsäure gegen die Varroamilbe. Da zu diesem Zeitpunkt die gesamte Brut geschlüpft ist, sitzen alle Varroamilben auf den Bienen und können gut mit der Sprühbehandlung erwischt werden. Alternativ kann diese Sprühbehandlung nach Begattungserfolg der Königin erfolgen noch bevor die junge Brut verdeckelt wird (siehe Abbildung „Pflege der Jungvölker“).

Zum Verbringen der so erstellten Begattungsableger – außerhalb des Flugkreises der Wirtschaftsvölker – sollten die wenigen Waben in der Zarge so befestigt werden, dass sie während des Transportes nicht verrutschen können. Es erscheint sinnvoll diese Begattungsableger zunächst einen Tag an einem kühlen Ort mit verschlossenem Flugloch stehen zu lassen (eine Belüftung muss jedoch gegeben sein!), damit die Bienen mit der unbegatteten Königin eine Einheit bilden. Am Ablegerstand angekommen, wird das Flugloch jedes dieser Begattungsvölkchen nur gut eine „Bienenbreite“ weit geöffnet. Das geschieht auf der Zargenseite, an der die Waben (ehemalige Brutwabe, Mittelwand und Futterwabe) eingehängt wurden.

Bei diesem Verfahren kann man in dieser frühen Phase der Saison mit hohem und gutem Begattungserfolg der Königinnen rechnen, sofern das Wetter „mitspielt“. Die so erstellten Jungvölker werden dann stetig im Rhythmus ihrer Zuwächse mit Mittelwänden ergänzt. Notfalls bedarf es einer Ergänzungsfütterung mit flüssigem Futter in der Beute, wenn die Tracht nicht ausreicht. Diese Jungvölker wachsen stetig, bis daraus im Spätherbst dann überwinterungsfähige, Varroa-freie/-arme Völker entstanden sind.

Kümmern Sie sich regelmäßig um das Wohlergehen der so erstellten Jungvölker.

INfogrfik: Pflege der Jungvölker - Sind die Königinnen in Eilage? Markieren der Königin. Varroa-Behandlung mit Oxalsäure. Raum geben & füttern. Flugloch einengen.   Bildrechte: LAVES, F. Odemer

Wie kann jetzt noch das Varroa-Populationswachstum in den Völkern gebremst werden?

Durch regelmäßiges Drohnenbrutausschneiden

Bei jeder Schwarmkontrolle muss auch der Ausbauzustand des Baurahmens kontrolliert werden. Bekanntlich ist dieser drei Wochen nach dem Einhängen mit verdeckelter Drohnenbrut gefüllt und er wird von den Varroamilben bevorzugt befallen. Mit dem Ausschneiden der verdeckelten Drohnenbrut entzieht man die darin eingedrungenen Milben den Wirtschaftsvölkern. Wer dies nicht nutzt, vergibt eine der Chancen, die jetzt stetig wachsende Milben-Population zu reduzieren. Denn je flacher die Kurve der Varroamilbenpopulation im Frühjahr gehalten wird, desto weniger stark steigt sie im Spätsommer zur Aufzucht der Winterbienen an.

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