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Restentmilbung mit hohem Varroa-Milbentotenfall? Was ist jetzt zu tun?

Infobrief des LAVES-Bieneninstituts vom 14. Januar 2022


Blüte einer Christrose   Bildrechte: LAVES, O. Boecking

In den letzten Tagen mehren sich die Nachfragen, was jetzt noch getan werden kann, um vor Beginn der aktiven Bienensaison 2022 etwaigen Varroa-Milbendruck aus den Völkern zu nehmen. Die Sorgen sind nicht nur bestimmt durch stellenweise hohe Milben-Totenfallzahlen nach der abschließenden Restentmilbung im Dezember 2021. Sie sind zudem durch regional schon im letzten Herbst beklagte, teils flächig aufgetretene Völkerverluste in manchen Regionen geprägt, die weiter anhalten. Andererseits gibt es Imker/-innen, die mit ihrem im letzten Jahr durchgeführten Varroa-Bekämpfungskonzept bislang keine Probleme haben – das sollte nicht unerwähnt bleiben.

Das Positive vorweg:

  • Auch im vergangenen Dezember 2021 haben sich zwischenzeitlich in einem zwar relativ begrenztem Zeitfenster gute (Witterungs-)Bedingung zur Restentmilbung ergeben. Wir hatten Sie mit unserem Infobrief vom 06.12.2021 entsprechend darauf vorbereiten können.
  • Die Rückmeldungen, dass teilweise überraschend hoher Milbentotenfall nach der Behandlung eingesetzt hatte, sind zunächst einmal positiv zu betrachten. Einerseits spiegelt dies die Wirksamkeit der Behandlung in brutfreien Völkern wider. Andererseits können die so entnommenen Milben sich zukünftig nicht weiter in den Völkern vermehren – das ist die beste Nachricht.

Zu bedenken ist jedoch, dass der durch die Oxalsäure-Behandlung ausgelöste Milbentotenfall bis zu vier Wochen anhalten kann und dass sich erst dann das Gesamtgeschehen darstellt. Zudem geht bekanntlich ein hoher Varroa-Befall mit einer hohen Virenlast einher. Hohe Milbenzahlen, hohe Virenlast und der damit einhergehende Bienenabgang bzw. womöglich Verluste ganzer Völker, sind schließlich Ergebnis von vorausgehenden, optimalen Reproduktionsbedingungen für die Milben in solchen Völkern. Die Völker haben im Spätsommer/Herbst vielerorts noch stark Brut angelegt. Die anwachsende Milbenlast hätte schon im frühen Herbst mit einer Windeldiagnose erkannt werden können. So wäre man später, zum Zeitpunkt der Restentmilbung, nicht von dem hohen Varroabefall überrascht worden. Das zeigt, wie wichtig Windel-Diagnosen sind.

Jetzt, mit Beginn des neuen Jahres 2022, verbietet sich jegliche weitere Varroazid-Anwendung, wenn man in diesem Jahr von diesen Völkern Honig ernten und ihn in den Verkehr bringen will.

Mit Recht gilt für die Oxalsäure-Behandlung als Restentmilbung (Träufeln oder Sprühen) der Grundsatz: „Zweimal ist einmal zu viel!“ Die im Dezember behandelten Völker dürfen jetzt keinesfalls ein weiteres Mal behandelt werden. Das würde die Anzahl der Winterbienen weiter reduzieren, die ja jetzt und in den nächsten Monaten benötigt werden, die Völker zu erstarken. Das gilt selbst dann, wenn die Restent-milbung einen sehr hohen Milben-Abfall von vielen hundert und mehr Milben ausgelöst hat.

Eine weitere Varroazid-Anwendung, egal um welches zugelassene Produkt es sich dabei auch handelt, ist zudem auch wegen der potentiellen Gefahr der Kontamination des Frühjahrshonigs nicht zulässig und zu verantworten. Das gebieten die Vorgaben der Honigverordnung (HonigV).

Zunächst gilt es, die eigenen Varroa-Bekämpfungsmaßnahmen des letzten Jahres Revue passieren zu lassen und nach möglichen Schwachstellen zu suchen. So kann in diesem Jahr bei der Völkerführung der Fokus von Anfang an noch mehr auf die Varroa-Bekämpfung gelegt werden.

Wir empfehlen Ihnen die verschiedenen Maßnahmen der Varroa-Reduzierung, die Sie im letzten Jahr durchgeführt haben, kritisch zu hinterfragen, ob sie zum Beispiel tatsächlich zur Reduzierung der wachsenden Varroa-Population haben beitragen können. Zu hinterfragen ist auch, wie konsequent man einzelne Maßnahmen tatsächlich umgesetzt hat. Haben Sie den Varroa-Befallsstatus mit Hilfe von Varroa-Diagnosewindeln geprüft?

Da die Varroa-Bekämpfung grundsätzlich Teil der imkerlichen Betriebsweise ist und sich eben nicht auf eine Varroazid-Anwendung beschränken darf, sollten Sie in diesem Jahr rechtzeitig und konsequent mit der regelmäßigen Reduzierung der im Jahresverlauf anfänglich kontinuierlich und dann exponentiell wachsenden Varroa-Population in ihren Wirtschaftsvölkern beginnen.

Das heißt für die imkerliche Praxis:
  • Setzen Sie Drohnenrahmen ein und schneiden Sie diese auch rechtzeitig aus.
  • Bilden Sie frühzeitig ausreichend Jungvölker, die Sie im brutfreien Zustand sehr effizient von deren Varroamilben befreien können. So entnehmen Sie Milben aus den Wirtschaftsvölkern, die sich darin nicht weiter vermehren können.
  • Führen Sie Gemülldiagnosen durch, um gegebenenfalls rechtzeitig reduzierend eingreifen zu können.
  • Behandeln Sie ihre Völker grundsätzlich nach dem Schadschwellen-Prinzip.
  • Sorgen Sie am Ende der Saison für eine Brutunterbrechung, indem Sie die Völker teilen (Brut-/Flugling), um diese dann wirksam zu behandeln.
  • Trennen Sie bei der Aufstellung ihre Jungvölker von den Wirtschaftsvölkern.
  • Vermeiden Sie Völkermassierungen an ihren Bienen-Standplätzen.

Wir werden versuchen, Sie dabei mit unseren Infobriefen regelmäßig durch die Bienensaison zu begleiten und an anstehende Maßnahmen zeitnah zu erinnern.


Wenden Sie sich gerne an uns falls Rückfragen bestehen: otto.boecking@laves.niedersachsen.de

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