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„Der Lenz ist da" und damit starten wir mit Ihnen gemeinsam in die Bienensaison 2023

geöffnete männliche Weidenkätzchen mit sichtbaren gelben Pollen.   Bildrechte: Dr. Otto Boecking
blühende Salweide _Salix

Der Beginn des Frühlings ist von der Meteorologie alljährlich auf den 1. März festgelegt. So starr sind auch die anderen exakt gleich lang andauernden Jahreszeiten terminiert, allein um so eine statistische Vergleichbarkeit von Wetter- und Klimadaten über lange Zeiträume zu ermöglichen. Der kalendarische Frühling hingegen begann erst am vergangenen Montag, den 20. März 2023. Von all dem gänzlich unbeeindruckt hat der phänologische Vorfrühling schon überall in der Natur längst Einzug gehalten. Es blühen Krokusse und Narzissen und die Forsythien zeigen sich in sattem Gelb. Das obwohl zwischenzeitlich der „Märzwinter“ mit Frost und Schnee für uns Menschen eine Zäsur darstellte. Die Zeichen stehen jetzt auf Frühling, der Lenz ist da. Vielerorts sind inzwischen auch die Salweidenblüten aufgegangen. Sie läuten bekanntlich den Beginn der Bienensaison ein. Wir geben Ihnen hier Ratschläge, was jetzt an den Bienenvölkern zu tun ist.

Wer Völkerverluste erlitten hat, der muss jetzt zunächst das Folgende umsetzen:


  • Ursachensuche und Aufräumen

Vereinzelte Rückmeldungen aus der Imkerschaft bestätigen auch in diesem Jahr teils lokal auftretende, überdurchschnittliche Winter-Völkerverlusten. Nach einer Ursachensuche müssen die verstorbenen Völker unbedingt vom Stand entfernt, die Waben eingeschmolzen und das Beutenmaterial entsprechend gereinigt werden. Schauen Sie selber zunächst kritisch nach möglichen Ursachen, warum Völker den Winter nicht überlebt haben. Die Frage, ob Bienenvölker sich leerfliegen oder man den Totenfall in der Beute vorfindet, hängt wesentlich vom Wetter, aber auch davon ab, ob die Bienen vor dem Absterben noch fliegen konnten. Bei hohem Varroabefall und damit einhergehendem Virusbefall der erwachsenen Bienen findet man oftmals leergeflogene Bienenkästen vor. Dann bleiben neben Futter auch Brutreste auf den Waben zurück, an denen man den Varrobefall gut belegen kann. In solch einem Fall sollten Sie auf jeden Fall ihr bisheriges Varroa-Bekämpfungskonzept überdenken.

Mit Beginn der Salweidenblüte sind folgende imkerliche Maßnahmen umzusetzen:

Grundsätzlich gilt es auch weiterhin die Futterversorgung der Völker im Blick zu behalten. Wie Sie wissen, steigt jetzt der Bedarf der Völker an Nektar, Wasser und Pollen. Das „große Blühen“ hat noch nicht begonnen. Schauen Sie deshalb lieber einmal mehr in ihre Völker und prüfen deren Futterversorgung.

  • bei 2-zargigen Völkern

Die Wirtschaftsvölker des Vorjahres haben 2-zargig überwintert. Jetzt muss deren Futtervorrat kontrolliert und die Mäusegitter entfernt werden. Eventuell muss notfalls nachgefüttert werden. Ansonsten ist derzeit an diesen Völkern nichts Weiteres zu tun. Im April, zu Beginn der Kirschblüte, erhalten diese 2-Zarger ihren Honigraum aufgesetzt und einen Drohnenbaurahmen eingehängt.

  • bei 1-zargigen Völkern

Die Jungvölker des Vorjahres haben 1-zargig überwintert. Bis zum Beginn der Salweidenblüte haben diese die ersten großen Sätze Jungbienen erbrütet und füllen in Idealfall eine ganze Zarge mit Bienen. Jetzt werden daraus Wirtschaftsvölker, von denen in diesem Jahr der erste Honig geerntet werden kann. Das setzt jedoch wichtige imkerliche Maßnahmen voraus. Diese Völker benötigen als erste Maßnahme eine Erweiterung, denn die junge Königin wird das Eierlegen von nun an stetig steigern. In 21 Tagen schlüpfen dann eine Vielzahl junger Bienen. Obwohl diese Jungbienen zunächst die abgehenden Winterbienen ersetzen, benötigt die Königin ausreichend Platz für ihre Bruttätigkeit. Steht ihr dieser nicht zur Verfügung, errichten die Bienen Wildbau im Beutenboden, der aber den wirklichen Raumbedarf nicht decken kann. Die Vielzahl junger Ammenbienen werden ihren Futtersaft nicht los und so wird unweigerlich schon früh allein aufgrund von Raummangel die Schwarmstimmung eingeläutet. Das erklärt, wofür diese Völker jetzt erweitert werden müssen. Zunächst aber sollten Sie als ersten Schritt auch bei diesen Völkern die Futtervorräte überprüfen. Anschließend wird eine Erweiterungszarge, mit Mittelwänden und wenn vorhanden, im Zentrum 2 bis 3 ausgebauten hellen Waben ausgestattet ist, einfach oben aufgesetzt. Später, zu Beginn der Kirschblüte im April, erhalten diese nun 2-zargigen Völker auch ihren Honigraum aufgesetzt und einen Drohnenbaurahmen eingehängt.

  • (zu) kleine 1-zargige Völker kann man jetzt boostern

Schwachen (nicht kranken!) Völkern kann man jetzt Unterstützungshilfe durch eigene starke Völker bieten, denn mit Beginn der Salweidenblüte können die Bienen bei gutem Wetter nennenswert Pollen und Nektar eintragen. Schwache Völker können in dieser Zeit „geboostert“ werden, indem man sie für maximal 4 Wochen über Absperrgitter auf starke Völker aufsetzt. Diese Doppelvölker werden grundsätzlich nur dann gebildet, wenn das schwache Volk sichtbar nicht krank ist.

Sollten sich also schwache Volker unter Ihren Völkern befinden, die jetzt weniger als 3 bis 4 Wabengassen besetzen, so werden diese über ein Königinnen-Absperrgitter auf stärkere Völker aufgesetzt und dort zeitweise „zwischengeparkt“ (siehe Abbildung). Die beiden Völker nutzen ein gemeinsames Flugloch (unten). Das oben aufgesetzte Volk erhält somit Pflegehilfe von dem stärkeren Volk und baut in kurzer Zeit sein Brutnest aus.

Nach 3, spätestens aber nach 4 Wochen, müssen Sie die beiden Völker wieder trennen, ansonsten geraten diese in Schwarmstimmung. Zu dieser Zeit blüht in der Regel auch die Kirschblüte auf. Stellen Sie nun das oben aufgesetzte, ehemals schwache Volk auf den Boden des zuvor stärkeren Volkes und letzteres auf einen neuen Boden woanders hin. Somit erhält das ehemals schwache Volk auch noch alle Flugbienen zur weiteren Verstärkung. Damit bei beiden Völkern deren Brutnester nicht sogleich „verhonigen“ können, erhalten beide einen Honigraum über ein Königinnen-Absperrgitter aufgesetzt. Das ehemals schwache Volk wird zu diesem Zeitpunkt zudem noch mit einer untergesetzten Zarge erweitert.

Die Grafik zeigt schematisch das im Text beschriebene Vorgehen beim "boostern" von schwachen Bienenvölkern.   Bildrechte: LAVES, O. Boecking
Das „Boosterns“ von 1-zargigen schwachen Völkern auf starken 2-zargigen Völkern

Diese Art des „Boostern“ funktioniert sehr gut, aber auch ausschließlich nur zu dieser Jahreszeit, ohne dass die Bienen sich gegenseitig abstechen. Selten kommt es vor, dass zur Kirschblüte, der oben aufgesetzte „Schwächling“ leer ist. In solch einem Fall war die Königin nicht in Ordnung und die Bienen sind alle in das untere Volk umgezogen. Dann war es wenigstens einen Versuch wert.

Wir wünschen Ihnen viel Freude mit Ihren Bienen! Bleiben Sie gesund!

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