LAVES Logo mit Schriftzug Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

Dioxine und Polychlorierte Biphenyle in Süßkartoffeln? – LAVES untersucht Proben

Dioxine und PCB kommen überall in der Umwelt vor


Süßkartoffel auf weißem Hintergrund Bildrechte: © mates - stock.adobe.com
Süßkartoffel

Die im allgemeinen Sprachgebrauch als „Batate“ bezeichnete unterirdische Wurzelknolle der Süßkartoffel bringt mit ihrem dezent süßlichen Geschmack eine exotische Abwechslung auf den Teller von Verbraucherinnen und Verbrauchern. Als stärkehaltige Alternative zur Kartoffel wird sie mitunter zu Püree verarbeitet, im Ofen gegart oder frittiert.

Allerdings kann mit dem Verzehr von Süßkartoffeln auch eine Aufnahme unerwünschter Stoffe, zu denen Polychlorierte Dibenzo-para-dioxine und Dibenzofurane (Dioxine) sowie Polychlorierte Biphenyle (PCB) zählen, verbunden sein.

Um die Belastung von Süßkartoffeln mit Dioxinen und PCB zu überprüfen, hat das Lebensmittel- und Veterinärinstitut Oldenburg des LAVES im Jahr 2025 im Rahmen eines Projektes insgesamt 20 Proben Süßkartoffeln untersucht.

Was unterscheidet die Süßkartoffel von der Kartoffel?

Auch wenn die küchentechnische Verwendung eine enge Verwandtschaft vermuten lässt, unterscheidet sich die Süßkartoffel in vielen Aspekten von der Kartoffel. Im Gegensatz zur Kartoffel kann die Süßkartoffel aufgrund fehlender Glykoalkaloide (α-Solanin, α-Chaconin) in roher Form beispielsweise als Topping zu einem erfrischenden Salat verzehrt werden.

Botanisch gesehen handelt es sich bei der Süßkartoffel (Ipomoea batatas L. Lam.) um eine mehrjährige krautige Kletterpflanze aus der Familie der Windengewächse, während die Kartoffel (Solanum tuberosum L.) zu den Nachtschattengewächsen zählt. Als kälteempfindliches Gewächs sind an den Anbau der Süßkartoffel besondere Bedingungen (Temperaturbereich, Luftfeuchtigkeit) geknüpft. Diese werden in subtropischen oder tropischen Regionen der Welt am besten erfüllt, sodass der Großteil der im Einzelhandel ganzjährig verfügbaren Ware unter anderem aus den USA, Ägypten, Portugal, China und Peru stammt. Um Verbraucherinnen und Verbrauchern inländische Ware anzubieten zu können, werden zunehmend robustere Sorten in Deutschland kultiviert.

In Bezug auf die Inhaltsstoffe unterscheidet sich die Süßkartoffel von der Kartoffel besonders durch ihren Gehalt an Saccharose, der den mild-süßlichen Geschmack prägt. Darüber hinaus zeichnet sich die Süßkartoffel durch einen annähernd doppelt so hohen Gehalt an Vitamin C im Vergleich zur Kartoffel aus. Weiterhin ist die exotische Wurzelknolle farblich in vielen Varianten erhältlich – die Farbpalette von Süßkartoffeln variiert dabei von Weiß über Gelb bis hin zu Rot und kann sich auch violetten Tönen zeigen. Farbgebend sind hierbei sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, darunter vorwiegend Beta-Carotin (Provitamin A) und bei den violetten Varianten Vertreter aus der Gruppe der Anthocyane.

Unerwünschte Schadstoffe in Süßkartoffeln?

Allerdings kann mit dem Verzehr von Süßkartoffeln auch eine Aufnahme unerwünschter Stoffe, zu denen Polychlorierte Dibenzo-para-dioxine und Dibenzofurane (Dioxine) sowie Polychlorierte Biphenyle (PCB) zählen, verbunden sein.

Dioxine und PCB gehören zur Gruppe der halogenierten persistenten organischen Schadstoffe, auf die infolge ihrer umweltchemischen und humantoxischen Eigenschaften ein hohes Augenmerk im gesundheitlichen Verbraucherschutz gerichtet wird. Trotz verschiedener Maßnahmen zur Beschränkung der Emissionen sind diese Stoffe aufgrund ihrer Langlebigkeit überall in der Umwelt vorhanden und gelangen auf verschiedenen Wegen in die Nahrungskette von Tier und Mensch. Infolge ihrer hohen Fettlöslichkeit reichern sich beide Stoffgruppen besonders im Fettgewebe und in der Leber an. Aufgrund der chronischen Toxizität einzelner Vertreter der Stoffklasse der Dioxine sowie der Gruppe der dioxinähnlichen PCB wird eine Minimierung der Aufnahme über die tägliche Nahrung angestrebt.

In der Regel ist der Beitrag pflanzlicher Lebensmittel zur Aufnahme von Dioxinen und PCB mit rund 6 Prozent im Vergleich zu Lebensmitteln tierischer Herkunft bei Verbraucherinnen und Verbrauchern als vernachlässigbar zu sehen. In Abhängigkeit von lokalen Schadstofflasten in Luft, Boden und Wasser können Nutzpflanzen jedoch auch unerwünschte Schadstoffe aufnehmen. Im Falle der Süßkartoffel ist eine Aufnahme von Dioxinen und PCB, die zu den luftgetragenen und partikelgebundenen Schadstoffen gehören, sowohl über die ausladenden oberirdischen Pflanzenorgane als auch über die unterirdischen Organe denkbar. Weiterhin kann ein Verzehr ungeschälter Süßkartoffeln bei unzureichender Entfernung anhaftender Bodenpartikel mit einer Aufnahme von Dioxinen und PCB verbunden sein.

Untersuchungen des LAVES

Welche Gehalte an Dioxinen und PCB werden in Süßkartoffeln nachgewiesen?

Um die Belastung von Süßkartoffeln mit Dioxinen und PCB zu überprüfen, untersuchte das Lebensmittel- und Veterinärinstitut Oldenburg des LAVES im Jahr 2025 im Rahmen eines Projektes insgesamt 20 Proben Süßkartoffeln.

Der überwiegende Anteil der untersuchten Proben stammte aus Ägypten (acht Proben). Darüber hinaus sind Proben aus Spanien (drei Proben), den USA (drei Proben), Portugal (zwei Proben), Deutschland (zwei Proben) und unbekannter Herkunft (zwei Proben) untersucht worden (siehe Abbildung eins).

Abbildung 1: Prozentuale Verteilung der untersuchten Proben auf die Herkunftsländer.   Bildrechte: LAVES
Abbildung 1: Prozentuale Verteilung der untersuchten Proben auf die Herkunftsländer.

Dioxine:

Die Gehalte an Dioxinen, ausgedrückt als WHO-PCDD/F-TEQ (upper bound), lagen im Mittel bei 0,03 Pikogramm pro Gramm (pg/g) Frischgewicht. Daher ist bei keiner Probe eine Überschreitung des empfohlenen Auslösewertes von 0,30 pg/g Frischgewicht festgestellt worden.

Dioxinähnliche PCB:

Für die Summe der dioxinähnlichen PCB (dl-PCB), ausgedrückt als WHO-PCB-TEQ (upper bound), lagen die Gehalte bei allen Proben unterhalb einer Bestimmungsgrenze von 0,01 pg/g Frischgewicht. Auch in diesem Fall gab es keine Überschreitung des empfohlenen Auslösewertes von 0,10 pg/g Frischgewicht.

Nicht-dioxinähnliche PCB:

Die Ergebnisse der Untersuchung auf nicht-dioxinähnliche PCB (ndl-PCB) waren ebenfalls unauffällig. Die Gehalte einzelner Kongenere der nicht-dioxinähnlichen PCB (ndl-PCB) lagen unterhalb einer Bestimmungsgrenze von 0,03 Nanogramm pro Gramm (ng/g) Frischgewicht. Nur in einem Fall ließ sich das PCB-Kongener PCB28 in einer Konzentration von 0,03 ng/g Frischgewicht bestimmen. Für den Gehalt an ndl-PCB in Süßkartoffeln existieren keine gesetzlichen Grenzwerte.

Fazit der Untersuchung von Süßkartoffeln auf Dioxine und PCB

Die Untersuchungen aus dem Jahr 2025 zeigten hinsichtlich der Belastung von Süßkartoffeln mit Dioxinen und PCB ein sehr erfreuliches Resultat. Folglich ist davon auszugehen, dass der Beitrag von Süßkartoffeln zur Aufnahme von Dioxinen und PCB bei Verbraucherinnen und Verbrauchern als vernachlässigbar anzusehen ist.

Weitere interessante Artikel:

Nahrungsmittel tierischen Ursprungs (Fleisch, Fisch, Eier und Milch) auf weißem Hintergrund Bildrechte: © volff - stock.adobe.com

Fragen und Antworten zu Dioxinen und Polychlorierten Biphenylen (PCB)

Dioxine und PCB kommen überall in der Umwelt vor und werden vom Menschen hauptsächlich über tierische Lebensmittel aufgenommen. Im Lebensmittel- und Veterinärinstitut Oldenburg des LAVES werden Lebensmittel und Futtermittel landesweit auf „Dioxine und dioxinähnliche PCB“ untersucht. mehr
Süßkartoffel auf weißem Hintergrund Bildrechte: © mates - stock.adobe.com

Pflanzenschutzmittelrückstände in Süßkartoffeln

Die Süßkartoffel ist reich an Ballaststoffen, liefert wichtige Vitamine sowie Mineralstoffe und enthält kaum Fett. Es gibt viele Möglichkeiten, Süßkartoffeln zuzubereiten. Das LAVES hat im Jahr 2024 insgesamt 101 Proben Süßkartoffeln auf Pflanzenschutzmittelrückstände untersucht. mehr

Literatur

Lieberei R, Reisdorff C, Franke W: Nutzpflanzenkunde. 7. Auflage, 2007, Thieme-Verlag.

Eisenbrand G, Schreier P: RÖMPP Lexikon Lebensmittelchemie. 2. Auflage, 2006, Thieme-Verlag.

Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau: Bataten – Süßkartoffeln. Merkblatt 2179, 2016.

https://www1.wdr.de/lokalzeit/landwirtschaft/rheurdt-bornheim-anbau-ingwer-suesskartoffeln-100.html (zuletzt aufgerufen am 11.02.2026).

Laveriano-Santos EP, López-Yerena A, Jaime-Rodríguez C, González-Coria J, Lamuela-Raventós RM, Vallverdú-Queralt A, Romanyà J, Pérez M: Sweet Potato Is Not Simply an Abundant Food Crop: A Comprehensive Review of Its Phytochemical Constituents, Biological Activities, and the Effects of Processing. Antioxidants (Basel). 2022, 11(9):1648.

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU): Umweltschutz – Standbein der Lebensmittelsicherheit – Dioxin- und PCB-Einträge vermeiden. Januar 2013.

Empfehlung 2013/711/EU der Kommission vom 03.12.2013 zur Reduzierung des Anteils von Dioxinen, Furanen und PCB in Futtermitteln und Lebensmitteln, zuletzt geändert durch Empfehlung der Kommission 2014/663/EU vom 11.09.2014.

zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln