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Kaffeegetränke aus dem Kühlregal: Alles im grünen Bereich?

Supermärkte bieten im Kühlregal zunehmend Milchmischgetränke mit dem Zusatz von Kaffee an. Als "Typ Cappuccino" oder "Typ Latte Macchiato" werden die Getränke bezeichnet und häufig in einem trinkfertigen Becher angeboten. Das Lebensmittel- und Veterinärinstitut Oldenburg hat Erzeugnisse, die unter die Bestimmungen der Milcherzeugnisverordnung fallen (also deren Milchanteil mindestens 70 Prozent beträgt), untersucht. Überprüft wurden die Kennzeichnung der Produkte sowie der enthaltene Zucker- und Fettgehalt.
Im Jahr 2018 hat das Institut in einem Projekt 33 Proben zur Untersuchung erhalten. Bei zwei der Proben handelte es sich allerdings nicht um Milchmischerzeugnisse mit Kaffee, sondern mit Kakao.

Bei den passend eingereichten Produkten (31 Proben) handelte es sich um Milchmischgetränke beziehungsweise -erzeugnisse, die aus Milch bestanden und unterschiedliche Fettgehalte (1,5-5,3% Fettgehalt im Milchanteil), zubereiteten Kaffee (laut Quid-Angabe im Inhaltsverzeichnis 15-22%) und gegebenenfalls weitere Lebensmittel (zum Beispiel Sahne, Kakao) enthielten.
Bis auf zwei Produkte enthielten laut Zutatenverzeichnis alle Milchmischgetränke Zusatzstoffe wie Stabilisatoren, Verdickungsmittel, Säureregulatoren oder Emulgatoren. Fünf Erzeugnisse enthielten zudem Aromastoffe (Vanille, Karamell, Kaffee) und drei Getränke hatten einen kleinen Keks im Deckel, der zusammen mit dem Kaffeedrink verzehrt werden konnte.


Kennzeichnung

22 Erzeugnisse stammten laut Identitätskennzeichen aus Deutschland (19 Mal aus Bayern, drei Mal aus Hessen). Die übrigen Produkte kamen aus der Schweiz (fünf Mal), aus Dänemark (vier Mal) und je ein Mal aus Österreich und den Niederlanden.

17 Verpackungen (52%) wiesen Verbraucherinnen und Verbraucher mit dem Emblem "ohne Gentechnik" darauf hin, dass zur Fütterung der Kühe nur gentechnikfreies Futter eingesetzt wurde.
Zudem waren auf 28 Packungen (85%) Angaben dazu vorhanden, dass der verwendete Kaffee beziehungsweise Kakao aus zertifiziertem Anbau stammte, der nachhaltiger beziehungsweise sozial- und umweltverträglicher sein soll.

Der nach Lebensmittelinformations-Verordnung (LMIV) für Getränke mit erhöhtem Koffeingehalt vorgeschriebene Hinweis "Erhöhter Koffeingehalt. Für Kinder und schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen" war auf 24 Packungen (73%) freiwillig abgedruckt. Die Angabe ist nur für Getränke vorgeschrieben, die nicht auf Kaffee oder Tee basieren und bei denen der Begriff "Kaffee" oder "Tee" nicht in der Bezeichnung vorkommt.
Vier Produkte enthielten keinen Hinweis auf den erhöhten Koffeingehalt, und bei drei Produkten war ein nur gekürzter Hinweis enthalten ("erhöhter Koffeingehalt" beziehungsweise "koffeinhaltig").
Ein Koffeingehalt war allerdings auf allen koffeinhaltigen Produkten angegeben. Die analytische Überprüfung dieser Werte ergab keine Auffälligkeiten. Die ermittelten Koffeingehalte lagen zwischen 28 und 59 mg pro 100 g Getränk. Die Packungsgröße variierte zwischen 220 und 330 ml. Darüber ergibt sich für Konsument/-innen eine absolute aufgenommene Menge an Koffein von etwa 60 mg bis 200 mg pro Kaffeedrink. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) schätzt Koffeinmengen bis 200 mg als Einzeldosis für die gesunde Allgemeinbevölkerung als unbedenklich ein.

Im Zutatenverzeichnis der Proben war die verwendete Bezeichnung für die Kaffee-Zutat sehr unterschiedlich:
In 18 Fällen war lediglich die Angabe "Kaffee" vorhanden. Diese Angabe wurde als nicht ausreichende Bezeichnung dieser Zutat beurteilt, da es sich um eine zusammengesetzte Zutat handelt, die mindestens aus den Zutaten Wasser und Kaffeepulver oder Kaffeeextrakt besteht.

Bei drei Proben wurde die Bezeichnung "Milch" verwendet. Hierbei handelt es sich um eine nicht ausreichende Bezeichnung für diese Zutat. Nach Konsummilch-Kennzeichnungsverordnung müsste die Bezeichnung "Trinkmilch" lauten.

Zudem war bei einer Probe die Bezeichnung nicht korrekt gewählt worden und bei einer weiteren Probe die enthaltenen Allergene im Zutatenverzeichnis nicht ausreichend deutlich abgehoben.

Zucker- und Fettgehalt

Die Untersuchung der Getränke auf ihren Zucker- und Fettgehalt ergab erfreulicherweise keine Beanstandungen. Die ermittelten Zuckerwerte (zwischen 3,4% für ein Produkt ohne Zuckerzusatz und maximal 10,8%) und Fettwerte (1,2 - 4,5%) lagen innerhalb der empfohlenen Toleranzen zu den auf der Verpackung in der Nährwertkennzeichnung angegebenen Werten.

Fazit

Bei 22 der 33 eingereichten Proben ergaben sich Auffälligkeiten (67 Prozent). Hierbei handelte es sich ausschließlich um fehlerhafte Angaben im Zutatenverzeichnis sowie eine nicht korrekte Bezeichnung.
Die Ergebnisse der Untersuchungen machen deutlich, dass neben der analytischen Überprüfung der deklarierten Nährwerte auch die Prüfung der Kennzeichnung wichtig ist, um eine richtige Information der Verbraucherinnen und Verbraucher über die entsprechenden Lebensmittel sicherzustellen. Daher werden Milchmischerzeugnisse regelmäßig über das Jahr verteilt in Projekten auf unterschiedliche analytische Parameter im Lebensmittel- und Veterinärinstitut in Oldenburg untersucht, und die entsprechende Kennzeichnung überprüft.



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