Was ist der Codex Allimentarius?
Der Codex Allimentarius enthält international anerkannte Standards für Lebensmittel. Für schwarzen Pfeffer legt er unter anderem Anforderungen an verschiedene Qualitätsparameter fest und dient weltweit als wichtige Orientierung bei der Bewertung von Lebensmitteln. Er wird von der Codex
Alimentarius-Kommission erstellt, einem gemeinsamen Gremium der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Obwohl rechtlich nicht bindend, dient er der Harmonisierung von Lebensmittelvorschriften weltweit, schützt Verbraucher und erleichtert den globalen Handel.
Authentizität von schwarzem Pfeffer im Fokus
LAVES untersucht die Qualität von gemahlenem sowie ganzem Pfeffer
Von Hausmannskost bis zur Spitzengastronomie – Pfeffer ist ein Grundgewürz in nahezu jeder Küche. Alle handelsüblichen Pfeffersorten – schwarz, weiß, grün oder rot – stammen botanisch von der Pflanze „Pipernigrum“. Unterschiede in Farbe, Geschmack und Zusammensetzung ergeben sich vor allem durch den Erntezeitpunkt und die jeweilige Verarbeitung der Beeren.
Piperin sorgt für die Schärfe
Für die Schärfe im Pfeffer sorgt das Alkaloid Piperin. Sein Gehalt variiert je nach Sorte, Reife und Verarbeitung und liegt meist zwischen vier Prozent und zehn Prozent des Trockengewichts der Pfefferkörner.1 Piperin trägt wesentlich zum Geschmack von Lebensmitteln bei und ist gemäß Artikel 10 in Verbindung mit Anhang I der Verordnung (EG) Nr. 1334/2008 als Aromastoff zugelassen. Piperin wird als Aromastoff in Würzmischungen sowie in industriell verarbeiteten Produkten verwendet. Auch in Nahrungsergänzungsmitteln findet es breite Anwendung.
Hintergrund der Probenahmen
Aufgrund gestiegener Marktpreise für Pfeffer und der damit verbundenen erhöhten Attraktivität für mögliche Verfälschungen wurde schwarzer Pfeffer in den Jahren 2024 und 2025 im Rahmen mehrerer Projekte im Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover (LVI BS/H) des LAVES untersucht. Zuletzt im Oktober 2024 meldete der Fachverband der Gewürzindustrie erneut drastische Preissteigerungen bei Pfeffer.2 Grund hierfür ist die geringe Ernte in den Hauptanbauländern, die die globale Versorgung stark einschränkt. Mit einer Entspannung war vorerst nicht zu rechnen.
Daher richtete das LVI BS/H in den Jahren 2024 und 2025 sein Augenmerk auf die Untersuchung von schwarzem Pfeffer. Im Rahmen mehrerer Projekte wurden Qualitätsparameter in gemahlenem sowie ganzem Pfeffer untersucht. Die Proben stammten aus verschiedenen Handelsstufen aus ganz Niedersachsen, darunter regionale Gewürzmühlen, Großhandelsunternehmen sowie dem stationären Einzelhandel. Aufgrund mehrerer dort ansässiger Hersteller konnten in Zusammenarbeit mit der kommunalen Behörde des Landkreises Osnabrück verstärkt von dort Proben genommen werden.
Untersuchung der Qualitätsparameter
Bei den untersuchten Proben von ganzem schwarzem Pfeffer waren die Gehalte an Asche, Wasser und ätherischen Ölen unauffällig.
Aschegehalte
| Schwarzer Pfeffer | Anzahl Proben | Asche in der Trockenmasse | |||
| Wertebereich | Gehalte > HG | Mittelwert | Median | ||
| gesamt | g/100g | Anzahl | g/100 g | g/100 g | |
| ganz | 20 | 3,8 bis 5,4 | 0 (0 Prozent) | 4,3 | 4,1 |
| gemahlen | 26 | 4,2 bis 6,9 | 4 (15 Prozent) | 5,3 | 5,2 |
HG: Höchstgehalt Asche (7,00 g/100 g TM bei ganzem (Handelsklasse III) und 6,0 g/100 g TM bei gemahlenem schwarzen Pfeffer) laut Codex Alimentarius
Wassergehalte
| Schwarzer Pfeffer | Anzahl Proben | Wasser | |||
| Wertebereich | Gehalte > HG | Mittelwert | Median | ||
| gesamt | g/100 g | Anzahl | g/100 g | g/100 g | |
| ganz | 20 | 9,0 bis 11,8 | 0 (0 Prozent) | 10,5 | 10,5 |
| gemahlen | 25 | 7,9 bis 10,5 | 0 (0 Prozent) | 9,6 | 9,7 |
Gehalt an ätherischem Öl
| Schwarzer Pfeffer | Anzahl Proben | ätherisches Öl in der Trockenmasse | |||
| Wertebereich | Gehalte > MG | Mittelwert | Median | ||
| gesamt | g/100 g | Anzahl | g/100 g | g/100 g | |
| ganz | 20 | 2,5 bis 7,0 | 0 (0 Prozent) | 4,1 | 4,0 |
| gemahlen | 25 | 1,0 bis 4,0 | 0 (0 Prozent) | 2,0 | 2,0 |
MG: Mindestgehalt ätherisches Öl (1,0 ml/100 g TM bei ganzem (Handelsklasse III) und 1,0 ml/100 g TM bei gemahlenem schwarzen Pfeffer laut Codex Alimentarius
Auch die gemessenen Piperingehalte entsprachen den Anforderungen des Codex Alimentarius. Beanstandungen wurden nicht ausgesprochen.
Piperingehalte
| Schwarzer Pfeffer | Anzahl Proben | Piperin in der Trockenmasse | |||
| Wertebereich | Gehalte > MG | Mittelwert | Median | ||
| gesamt | g/100 g | Anzahl | g/100 g | g/100 g | |
| ganz | 20 | 2,6 bis 7,0 | 0 (0 Prozent) | 4,1 | 4,0 |
| gemahlen | 40 | 2,8 bis 4,8 | 15 (38 Prozent) | 3,7 | 3,7 |
MG: Mindestgehalt Piperin (2,0 g/100 g TM bei ganzem (Handelsklasse III) und 3,5 g/100 g TM bei gemahlenem schwarzen Pfeffer laut Codex Alimentarius
Gemahlener Pfeffer
Bei gemahlenem schwarzem Pfeffer wurden im Vergleich zu den Literaturwerten teilweise geringere Piperingehalte festgestellt. Keine Probe gemahlenen Pfeffers wies einen deutlich erhöhten Wert auf. Die gemessenen Werte lagen jedoch insgesamt innerhalb der geltenden Bewertungsmaßstäbe, sodass keine Beanstandungen erforderlich waren.
Untersuchung auf Lösungsmittel
Ergänzend erfolgte eine Untersuchung auf Lösemittelrückstände von Benzol, Styrol und weiteren Lösungsmitteln. Die Untersuchung verlief ohne auffällige Befunde.
Ergänzende Untersuchungen der Aromaprofile zeigten, dass gemahlener Pfeffer im Verlauf der Lagerung an Aromaintensität verliert. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Verarbeitung und Lagerdauer sowohl die sensorische Qualität als auch den Piperingehalt beeinflussen. Außerdem bilden sich bei gelagerten, gemahlenen Proben verschiedene Oxidationsprodukte wie die Monoterpene Linalool und Terpinen-4-ol, während die Konzentrationen an Limonen und ß-Pinen zurückgehen. Geschmacklich kann sich dies durch den Wechsel von frisch, zitronig zu terpenartig bemerkbar machen.
Der niedrige Piperingehalt könnte ebenfalls mit dem Alter des Pfeffers zusammenhängen, da frischer schwarzer Pfeffer typischerweise mehr Piperin enthält – die Aromastoffe und die Schärfe nehmen, insbesondere in gemahlener Ware, mit der Zeit ab.
Fazit
Die Untersuchungen zeigten insgesamt keinen Hinweis auf Verfälschungen oder sonstige Beanstandungsgründe. Unterschiede in den Piperingehalten standen vielmehr im Zusammenhang mit Verarbeitung und Lagerung. Dabei weist frisch gemahlener schwarzer Pfeffer tendenziell höhere Piperingehalte und eine ausgeprägtere Aromatik auf.
Da Piperin empfindlich gegenüber Licht, Sauerstoff und Feuchtigkeit ist, kann unsachgemäße Lagerung zu einem deutlichen Wirkstoffverlust führen. Eine trockene, lichtgeschützte und luftdichte Aufbewahrung ist daher entscheidend für die Erhaltung der aromatischen Qualität. Um den Piperingehalt bestmöglich zu bewahren, empfiehlt sich das Mahlen unmittelbar vor der Verwendung.
Ausblick
Auch künftig soll die Qualität von im Handel erhältlichem gemahlenem Pfeffer mittels stichprobenartiger Untersuchungen weiter überwacht werden.
1 Altmeyers Enzyklopädie: Piperin. Fachbereich Phytotherapie
2 Fachverband der Gewürzindustrie e.V.: Preisanstieg bei Pfeffer: Fachverband der Gewürzindustrie informiert über aktuelle Marktentwicklungen
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