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Glühwein, Feuerzangenbowle und Co. von niedersächsischen Weihnachtsmärkten

Regelmäßige Untersuchungen im LVI Braunschweig/Hannover


Ein heißer Becher Glühwein gehört für viele zu einem Weihnachtsmarktbesuch dazu. Glühwein wird definitionsgemäß ausschließlich aus Rotwein oder Weißwein gewonnen, hauptsächlich mit Zimt und/oder Gewürznelken gewürzt und hat einen Alkoholgehalt von mindestens sieben Volumenprozent.
Glühweinproben von Weihnachtsmärkten wurden in den vergangenen Jahren immer wieder beanstandet. Untersuchungen dazu stehen daher jedes Jahr auf dem Programm im Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover.


Untersuchungen im LAVES

Was ist „Glühwein“? – Rechtliche Vorgaben und Qualitätskriterien

Was ist „Fruchtglühwein“?

Was ist „Feuerzangenbowle“?

Tipp: Glühwein selber machen


Untersuchungen im LAVES

Das Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover (LVI BS/H) des LAVES hat im Jahr 2017 insgesamt 54 Proben Glühwein, Fruchtglühwein, Feuerzangenbowle, alkoholhaltigen Punsch und Glühbier von niedersächsischen Weihnachtsmärkten untersucht.

25 Proben waren hinsichtlich ihrer Beschaffenheit und der Kennzeichnung vor Ort unauffällig.

Bei den verbleibenden 29 Proben (54 %) wurden folgende Mängel festgestellt (Mehrfachnennungen möglich):

  • Bei einer Probe Punsch war die zulässige Höchstmenge für den Konservierungsstoff Sorbinsäure überschritten.
  • Eine Probe Feuerzangenbowle und eine Probe Glühbier fielen wegen sensorischer Mängel auf.
  • Bei 16 Proben fehlte der allergene Hinweis auf Schwefeldioxid/Sulfite.
  • Die Kenntlichmachung für den Konservierungsstoff (Sorbinsäure) fehlte bei zwei Proben.
  • Insgesamt zehn Proben wurden als irreführend beurteilt:
    • davon sieben Proben, die als Glühwein bezeichnet waren, bei denen jedoch eine deutliche Unterschreitung des Mindestalkoholgehaltes festgestellt wurde und/oder bei denen es sich um Fruchtglühwein handelte
    • zwei als Feuerzangenbowle und eine als Glühbier bezeichnete Proben entsprachen aufgrund deutlich zu geringer Alkoholgehalte nicht der Verbrauchererwartung
In 24 Proben wurde der Kupfergehalt bestimmt. Bei sieben Proben war Kupfer nicht nachweisbar. In den übrigen Proben wurden Gehalte zwischen 0,02 und 0,71 mg/l ermittelt. Die für aromatisierte weinhaltige Getränke, zu denen Glühwein zählt, festgelegte Höchstmenge von 2 mg/l wurde demnach in keinem Fall ermittelt.


Im Jahr 2016 wurden insgesamt 77 Proben von niedersächsischen Weihnachtsmärkten untersucht. Das Ergebnis: In 27 Proben wurde Kupfer bestimmt. Es gab keine Höchstmengenüberschreitungen. Insgesamt gab es für 49 Proben keinen Grund zur Beanstandung. Die in den verbleibenden 28 Proben festgestellten Mängel sind nachstehend aufgeführt (Mehrfachnennungen möglich):

  • 2 x irreführende Aufmachung: bei den als Glühwein bezeichneten Erzeugnissen handelte es sich um keine Glühweine, sondern Fruchtglühweine
  • 1 x irreführende Aufmachung als Feuerzangenbowle: das Erzeugnis entsprach nicht der Verbrauchererwartung für Feuerzangenbowle
  • 1 x irreführende Aufmachung als Apfelglühwein: das Erzeugnis entsprach nicht den Vorgaben für einen Apfelglühwein, sondern entsprach einem Punsch
  • 6 x sensorische Mängel
  • 3 x war der enthaltene Konservierungsstoff (Sorbinsäure) nicht kenntlich gemacht („konserviert“ oder „mit Konservierungsstoff“)
  • 19 x fehlte die auch für die Abgabe loser Ware erforderliche Allergenkennzeichnung

Im Jahr 2015 wurden 50 Proben von niedersächsischen Weihnachtsmärkten im LVI BS/H untersucht. 26 Proben mussten beanstandet werden, teilweise aus mehreren Gründen:

  • Bei 15 Proben fehlte ein Hinweis auf vorhandene Allergene.
  • Die Kennzeichnung von Konservierungsstoffen fehlte bei fünf Fruchtglühweinen.
  • Drei Proben Glühwein unterschritten den Mindestalkoholgehalt von sieben Volumenprozent (% vol.).
  • In zwei Fällen wurde der Alkoholgehalt von Feuerzangenbowle als zu gering beurteilt. Auch wenn es keine rechtliche Vorgabe für den Alkoholgehalt von Feuerzangenbowle gibt, ist die Verbrauchererwartung für ein Getränk aus Glühwein mit Rumzusatz analog zu Glühwein zu erwarten. Aus diesem Grund wurde der Mindestalkoholgehalt von Glühwein zur Beurteilung herangezogen.
  • Bei Fruchtglühwein beträgt der Mindestalkoholgehalt 5,5 Volumenprozent. Dieser wurde bei einer Probe unterschritten.
  • Bei einem weißen Glühwein wurde ein unzulässiger Süßungsmittelzusatz (Saccharin und Cyclamat) festgestellt.
  • In einer Probe wurde der Grenzwert für Kupfer überschritten. Der Verkauf von Glühwein aus diesem Kupferkessel wurde umgehend untersagt.


Was ist „Glühwein“? – Rechtliche Vorgaben und Qualitätskriterien

Nach dem EU-Weinrecht werden Glühweine den aromatisierten weinhaltigen Getränken zugeordnet. Sie werden ausschließlich aus Rotwein oder Weißwein und Gewürzen wie Zimt und Gewürznelken hergestellt und können gesüßt werden. Für den Alkoholgehalt gilt eine Spanne von mindestens 7 Volumenprozent und höchstens 14,5 Volumenprozent Alle weiteren Zutaten - auch ein Wasser- oder Alkoholzusatz - sind nicht erlaubt. Wenn ein Weißwein zur Herstellung verwendet wird, muss ein Hinweis darauf in der Kennzeichnung erfolgen z. B. „Glühwein aus Weißwein“ oder „weißer Glühwein“.

Der Geruch und Geschmack von Glühwein verändertsich bei unsachgemäßer Erhitzung. Deshalb sollte Glühwein nur langsam, nicht über 70°C und so kurz wie möglich erhitzt werden. Ansonsten kann es zu übermäßigem Alkoholverlust durch Verkochen und einer deutlichen geruch- und geschmacklichen Beeinträchtigung kommen. Die weihnachtlichen Gewürznoten sind nicht mehr erkennbar, dafür entstehen z. B. Kochnoten oder brandige Noten (verbrannt).

Materialen zum Erhitzen und Vorrätighalten von Glühwein müssen wie bei allen Lebensmitteln für den Lebensmittelkontakt geeignet sein, wie z. B. Edelstahl oder Emaille. Bei der Verwendung von Materialien wie Kupfer, Aluminium, Eisen oder Messing kann es zu ungewollten Stoffübergängen in den Glühwein kommen.


Was ist „Fruchtglühwein“?

„Glühwein“ in Alleinstellung ist den Erzeugnissen aus Wein vorbehalten. Wird statt Rot- oder Weißwein ein Fruchtwein zur Herstellung eines Heißgetränkes verwendet, handelt es sich um einen Fruchtglühwein, der nicht als Glühwein sondern als „Glühwein aus Obst und Beeren“, „Obst- und Beerenglühwein“ oder unter der Nennung der Frucht, wie z. B. „Heidelbeerglühwein“ oder „Kirschglühwein“ angeboten werden darf. Solche Produkte sind keine Weinerzeugnisse, sondern unterliegen als weinähnliche Erzeugnisse den rechtlichen Bestimmungen des allgemeinen Lebensmitterechts.


Was ist „Feuerzangenbowle“?

Feuerzangenbowle besteht aus gewürztem Rotwein, über dem ein mit Rum getränkter Zuckerhut angezündet wird. Der Zucker karamelisiert und tropft in den Rotwein. Rechtliche Vorgaben für die Zusammensetzung einer Feuerzangenbowle bestehen nicht. Wie Fruchtglühweine unterliegt Feuerzangenbowle den rechtlichen Bestimmungen des allgemeinen Lebensmitterechts.


Tipp: Glühwein selber machen

Um in weihnachtliche Stimmung zu kommen, kann leckerer Glühwein auch ganz einfach zu Hause selber gemacht werden.

Für einen traditionellen Glühwein wählen Sie als erstes einen halbtrockenen bis trockenen Rotwein aus. Wenn der Wein auch noch eine fruchtige und kräftige Note hat, ist der Geschmack am Ende umso besser.

Anschließend werden die passenden Gewürze ausgewählt: Traditionell kommen Gewürznelken, Zimtstangen, Sternanis und Kardamom zum Einsatz. Aber auch Vanilleschoten, Ingwer, Wacholderbeeren, Anis, Piment und Muskatblüten können – je nach Geschmack – verwendet werden.

Wenn Sie die Gewürze in einen Teebeutel geben, können Sie diese ganz einfach am Ende wieder aus dem Glühwein entfernen.

Damit der Glühwein einen fruchtigen Geschmack erhält, geben Sie noch Zitronen- und Orangenscheiben hinzu. Für eine süßere Note können Zucker oder etwas Honig eingerührt werden.

Denken Sie daran: die eigene Glühweinmischung nur langsam aufwärmen und nicht über 70°C erhitzen, da sonst der Geschmack leidet.


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