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Salmonellen in Kräutertees für Kleinkinder

Zur Vorgeschichte

Von den Gesundheitsbehörden und dem "Nationalen Referenzzentrum für Salmonellen und andere bakterielle Enteritiserreger" (NRZE) wurden seit Ende 2002 bei unter einjährigen Kindern vermehrt Infektionen mit dem Bakterium Salmonella Agona registriert; das Bakterium kann zu Magen- und Darmerkrankungen führen. Bei der Ermittlung der Ursachen durch das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin konzentrierten sich die Hinweise anfangs auf Milchprodukte und Fencheltee. Während sich die zunächst verdächtigen Milchprodukte bei der Laboruntersuchung als unauffällig erwiesen, gelang den Überwachungsbehörden der Nachweis von Salmonella Agona in Fenchel-Kümmel-Anis-Tee-Mischungen sowie in reinem Anis. Diese Salmonella Agona-Isolate erwiesen sich weiterhin als genetisch identisch mit den Isolaten der erkrankten Kleinkinder. Damit gilt der Zusammenhang zwischen dem Genuss von kontaminierten Kräutertee-Produkten und den Erkrankungen als bestätigt.

Anistee
Anistee

Die amtliche Lebensmittelüberwachung hat daraufhin auf allen Handelsstufen Tees und Gewürze auf Basis von Fenchel, Anis oder Kümmel verstärkt untersucht. Bei bundesweit 641 untersuchten Proben, wurde in 10,9 % Salmonellen nachgewiesen, wobei Aufgussbeutel genauso betroffen waren wie loser Tee. In Niedersachsen lag dieser Anteil mit 4,6 % bei vier von insgesamt 91 getesteten Proben niedriger. Insgesamt mussten viele der belasteten Chargen von den Herstellern zurückgerufen werden.

Wissenswertes über Kräutertees

Kräuter- (und Früchtetees) werden zunehmend beliebter. Mit über elf Milliarden getrunkenen Tassen nehmen sie einen Spitzenplatz im Teemarkt ein. Die Rohstoffe stammen aus allen Teilen der Welt. Da die meisten Pflanzen jedoch ein überwiegend sonniges, warmes Klima bevorzugen, liegen die Anbaugebiete hauptsächlich in Südamerika, Nordafrika sowie in Süd- und Osteuropa. Da die Pflanzen unter freiem Himmel wachsen, können Keime übertragen werden, beispielsweise durch Vögel oder Nager. Es wird angenommen, dass auch die Form der organischen Düngung in einigen Mittelmeerländern Ursache für Salmonellenkontaminationen sein könnte.

Da es sich bei den Kräutertee-Produkten um Naturprodukte handelt, die weitestgehend unbehandelt bleiben, um die wertvollen Inhaltsstoffe zu erhalten, fehlen Prozessschritte (wie z. B. bei Gewürzen eine Heißdampfentkeimung) zur sicheren Abtötung von Mikroorganismen wie Salmonellen

Salmonellen-Agglutination
Salmonellen-Agglutination

Salmonelleninfektionen

Salmonellen sind die häufigsten Erreger einer bakteriellen Magen-Darm-Erkrankung. Man infiziert sich hauptsächlich durch den Verzehr kontaminierter Lebensmittel. Als Hauptinfektionsquellen für Salmonellenerkrankungen beim Menschen gelten vor allem eiweißreiche, rohe Lebensmittel mit einem hohen Wassergehalt wie Geflügelfleisch, Fleisch- und Fleischerzeugnisse sowie rohe und nicht ausreichend erhitzte Eier. Grundsätzlich können aber auch pflanzliche Lebensmittel wie Gewürze, Trockenpilze und eben auch Kräutertees als Infektionsquelle in Frage kommen – wie die vorliegenden Fälle zeigen. In diesen Produkten vermehren sich wegen des niedrigen Wassergehaltes die Keime zwar nicht, bei unzureichender Erhitzung können aber vorhandene Salmonellen das Brühen des Tees überleben. Deswegen sollte zum Aufgießen unbedingt kochendes Wasser verwendet werden und der Tee sollte ausreichend ziehen. So können eventuell vorhandene Keime bei der Zubereitung abgetötet werden. Wird der Tee über längere Zeit ungekühlt aufbewahrt, können sich die Keime auch vermehren. Da Kräutertees auch gerade für die Abwehr geschwächter Personen und Kleinkinder als typische Hausmittel verwendet werden, ist hier bei nicht sachgerechter Zubereitung die Gefahr einer Erkrankung besonders groß. Säuglinge, Kleinkinder und Kranke können dann auch bei einem sehr geringen Salmonellengehalt erkranken.

Lebensmittelrechtliche Beurteilung

Nach Auffassung des Bundesinstitutes für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) können alle Salmonellen (-Serovare) Erkrankungen verursachen, daher ist eine unterschiedliche lebensmittelrechtliche Bewertung von Salmonella Agona, S. Bispebjerg, S. Emek o.a. nicht gegeben.

Die am 1. August 2003 beschlossene bundeseinheitliche Vorgehensweise bei Salmonellenfunden in Kräutertees nach GMK-Beschluss von 1996 (der für das Gesundheitswesen zuständigen Ministerinnen und Minister, Senatorinnen und Senatoren der Länder) wurde durch den Beschluss des Bayerischen Verwaltungsgerichts München vom 21. August 2003 gestärkt. Basierend auf dem GMK-Beschluss fallen Kräutertees in die Kategorie Lebensmittel, die bei voraussehbarer Behandlung ohne ausreichende Durcherhitzung oder Anwendung eines gleichwertigen Verfahrens zur Keimreduzierung verzehrt werden. Voraussehbar ist jede Behandlung, die so häufig vorkommt, dass mit ihr gerechnet werden muss. Auch ein korrekter Zubereitungshinweis alleine ist nicht ausreichend, da vorhersehbar ist, dass davon abgewichen wird. Vom "bestimmungsgemäßen" Gebrauch wird vielfältig abgewichen:

  • erhitztes Wasser wird erst nach einer Abkühlungsphase zum Aufgießen verwendet,

  • das Wasser wird (mit Teebeutel in Nuckelflaschen) in der Mikrowelle erhitzt,

  • zu rasches Abkühlen durch Vermischen mit Mineralwasser oder Fruchtsäften bzw. durch die Gefäßbeschaffenheit etc.

Daher ist ein mit Salmonellen belasteter Tee als gesundheitsschädigend zu sehen. Er darf nicht in den Verkehr gebracht werden bzw. muss gegebenenfalls zurückgerufen werden. Mit diesem Urteil wurde dem höheren Stellenwert der Gesundheit von Kleinkindern und Kranken gegenüber rein wirtschaftlichen Interessen Rechnung getragen.

Maßnahmen zum Schutz des Verbrauchers

Verbraucherinformationskampagnen wurden über Pressemitteilungen an TV-Sender, Hörfunksender, Tageszeitungen etc. (u. a. durch die Wirtschaftsvereinigung Kräuter- und Früchtetee e.V.) gestartet, mit dem Ziel über die mögliche Gefährdung durch krankheitserregende Keime wie Salmonellen bei unsachgemäßer Zubereitung aufzuklären.

In jedem Fall sind die Hersteller im Rahmen der ihnen obliegenden Sorgfaltspflicht gehalten, durch vermehrte Sorgfalt bei der Rohstoffauswahl, hygienische Maßnahmen und intensive betriebliche Eigenkontrollen das Risiko einer Kontamination der Produkte mit pathogenen Keimen zu minimieren.

Kleinkind mit Trinkflasche

Kleinkind mit Trinkflasche

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