PFAS in Fischen und Fischereierzeugnissen – Was zeigen die Untersuchungen?
Die Industriechemikalien PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) werden aufgrund ihrer Eigenschaften in zahlreichen industriellen Produkten und Prozessen genutzt. Sie sind in der Umwelt schwer abbaubar, gelangen daher auch in die Nahrungskette und reichern sich dort an. Einige PFAS gelten aufgrund der mit ihnen verbundenen negativen Beeinflussung der Gesundheit als bedenklich bei chronischer Aufnahme.
Am Institut für Fische und Fischereierzeugnisse (IFF) Cuxhaven werden seit 2006 Fische auf PFAS untersucht. Seit 2018 wird eine verfeinerte LC-MS/MS-Methode mit deutlich abgesenkten Bestimmungsbereichen eingesetzt – rund 1.500 Proben wurden mit dieser Methode seitdem analysiert. Für die bislang untersuchten handelsüblichen Proben aus Niedersachsen zeigen sich überwiegend niedrige bis mäßige PFAS-Gehalte. Überschreitung von Höchstgehalten wurden nicht festgestellt.
Welche Höchstgehalte gelten?
In bestimmten Lebensmitteln gelten seit 2023 Höchstgehalte für vier prioritäre PFAS: Perfluoroctansulfonsäure (PFOS), Perfluoroctansäure (PFOA), Perfluornonansäure (PFNA) und Perfluorhexansulfonsäure (PFHxS). Für diese Stoffe hatte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) 2020 einen Schwellenwert für die tolerierbare wöchentliche Aufnahme (TWI) festgelegt. Gemäß Verordnung (EU) 2023/915 gelten für diese Stoffe und ihre Summe (ΣEFSA-4) fischart- und kategoriespezifische Höchstgehalte.
Aktuelle Untersuchungen: Keine Überschreitung von Höchstgehalten
Für 205 Planproben (2024 bis 2025) aus Meeresfang und Aquakultur zeigen sich überwiegend niedrige bis mäßige ΣEFSA-4-Gehalte (Median: 0,09 Mikrogramm pro Kilogramm (μg/kg), P95: 2,34 μg/kg). PFOS ist in den höher belasteten Fischarten der Haupttreiber, die übrigen untersuchten PFAS tragen im Regelfall einen deutlich geringeren Anteil zur Gesamtsumme bei. Sprotten (24 Proben) machen nur 12 Prozent (%) der Proben aus, stellen aber 75 % der oberen 10 % der ΣEFSA-4-Gehalte. Krebstiere und Muscheln (18 Proben) zeigen niedrige Gehalte (Median: 0,04 μg/kg, Maximum: 0,62 μg/kg). Höchstgehalte gemäß VO 2023/915 wurden nicht überschritten.
Auch aktuelle Monitoringproben (36 Proben) zeigen ein ähnliches Bild mit niedrigen Gehalten (Median: 0,07 μg/kg, Maximum: 0,65 μg/kg), weit unterhalb der Höchstgehalte. Werden zudem die zwischen 2018 und 2024 mehr als 1.100 im IFF untersuchten Plan- und Monitoringproben aus Meeresfang und Aquakultur betrachtet, ergibt sich ein weitgehend konsistentes Bild. PFOS ist in den höher belasteten Fischproben regelmäßig der Hauptbestandteil der EFSA-4. Die höchsten Werte stammen fast ausschließlich aus (geräucherten) Kleinfischen oder getrockneten Erzeugnissen. Sprotten machen auch im Langzeitkontext einen erheblichen Anteil der am höchsten belasteten Proben aus.
Unter Annahme üblicher Verzehrsmengen ergibt sich aus den gemessenen Gehalten überwiegend kein Hinweis auf eine außergewöhnlich hohe Ausschöpfung des EFSA-TWI durch die hier untersuchten handelsüblichen Produkte. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Verzehrsmengen je nach Person und Fischart stark variieren können und weitere PFAS-Aufnahmequellen hier nicht einbezogen sind. Zudem spielt die Herkunft der Fische eine besondere Rolle: Neben der allgemeinen Hintergrundbelastung können lokal belastete Gewässer oder Gebiete zu deutlich höheren PFAS-Gehalten führen.
Am IFF wurden zudem auch Proben aus Binnengewässern (zum Beispiel Aal, Brasse, Zander) sowie Sondermatrices wie Fischleber untersucht, die im Vergleich zu Meeresfisch häufig höhere Gehalte aufweisen. Eine Bewertung dieser Gruppe erfolgte in eigenständigen Projekten.
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