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Gesundheitsbedenkliche Weichmacher in Sauna- und Badeschuhen?

LAVES untersucht Gummi- und Kunststoffschuhe auf Schadstoffe



Ob Flip Flops, Bade- oder Gartenschuh - viele Verbraucher nutzen für Freizeitaktivitäten wie Schwimmbad- oder Saunabesuche, Gartenarbeit oder Fitness Schuhe aus Gummi oder Kunststoff. Schuhe aus Gummi sind von sich aus flexibel und dehnbar, Produkten aus Kunststoffen werden häufig Weichmacher und andere Stoffe zugesetzt, damit sie elastisch werden. Problematisch ist das dann, wenn diese zugesetzten Substanzen ein gesundheitliches Risiko für den Menschen darstellen. Das Institut für Bedarfsgegenstände in Lüneburg des LAVES wollte wissen, ob Schuhe aus Gummi und Kunststoff Schadstoffe enthalten.


Gerade in der kühleren Jahreszeit gehen viele Menschen gerne in die Sauna oder in ein Thermalbad. Aus hygienischen Gründen nehmen die meisten für den Bereich ab der Umkleidekabine und die Wege zwischen Schwimmbecken, Duschen und Saunen Badeschuhe mit.


Viele dieser Schuhe, wie auch Flip Flops, Garten- oder auch Fitnessschuhe, sind aus Gummi (Natur- bzw. Synthesekautschuk) oder Kunststoff, wie z.B. Polyvinylchlorid (PVC), Ethylen-Vinylacetat-Copolymer und Polyurethan hergestellt. Während Natur- und Synthesekautschuke aufgrund ihrer Struktur und Aufbau von sich aus elastisch, dehnbar, biegsam und weich sind, so werden Polyvinylchlorid verschiedene Weichmacher zugesetzt, um ähnliche Eigenschaften zu erzielen.


Weichmacher und PAK können in die Haut gelangen


Um z.B. Glanz, Elastizität, Farbe oder Stabilität zu erreichen oder zu verbessern, werden Kunststoffe und Gummi mit unterschiedlichsten Additiven und Hilfsstoffen versetzt, darunter auch Schmieröle auf Mineralölbasis, Ruß, Lösungsmittel sowie weitere organische und anorganische Komponenten. Gerade Schmieröle auf Mineralölbasis und Rußpartikel können oft mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) kontaminiert sein.


Die Verwendung von einigen früher oft eingesetzten Weichmachern, insbesondere auf Phthalsäurebasis, ist heutzutage aufgrund ihrer gesundheitsbeeinträchtigenden Eigenschaften nicht mehr erlaubt. Als Konsequenz sind bereits einige Phthalate z.B. in Spielwaren und Babyartikeln ab einer Konzentration von 0,1 % verboten. Aufgrund der Einstufung von Phthalaten DEHP, DBP, BBP und DiBP als fortpflanzungsgefährdend Kategorie 1B (Anhang XIV Reach-VO) dürfen sie ab 21. Februar 2015 nicht als Stoffe, in Gemischen oder Erzeugnissen ab einer Konzentration von 0,1 bzw. 0,3 % (DiBP) verwendet werden, es sei denn, eine Zulassung wurde für bestimmte Verwendung von der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) erteilt. Für acht als krebserregend eingestufte PAK gelten ab 27. Dezember 2015 ebenfalls gesetzliche Grenzwerte (Anhang XVII REACH-VO) für Spielwaren und Körperkontaktmaterialien.


Aufgrund des lipophilen Charakters von PAK und einigen Weichmachern können sie die Hautbarriere passieren und gelangen so in den Körper. Problematisch ist das dann, wenn diese Substanzen ein gesundheitliches Risiko für den Menschen darstellen. Einige PAK und Weichmacher sind als krebserregend, mutagen, also erbgutverändernd, oder fortpflanzungsgefährdend eingestuft.


Probenvorbereitung Bildrechte: ©LAVES

Für die Untersuchung werden die Schuhe in Stücke zerschnitten


Das Institut für Bedarfsgegenstände Lüneburg des LAVES hat 36 Paar Schuhe u.a. auf Weichmacher und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) untersucht. Darunter waren Sauna-, Bade-, Fitness- und Gartenschuhe sowie Flip Flops aus Kunststoff und Gummi, sowohl für Erwachsene als auch für Kinder.


Die Untersuchung der Proben läuft wie folgt ab: Die Schuhe werden zunächst in Stücke geschnitten, danach werden die zu untersuchenden Stoffe mit einem geeigneten Lösungsmittel extrahiert, die Extrakte aufgereinigt und mit Hilfe von verschiedenen physikalisch-chemischen Verfahren untersucht.


Gesundheitsbedenkliche Weichmacher und erhöhte Gehalte an PAK


Das Ergebnis: In fünf untersuchten Proben konnten Weichmacher DEHP, DiBP und DBP entweder im Gemisch oder einzeln, teilweise bis zu einer Konzentration von 40 %, nachgewiesen werden. Hiervon waren Sauna- und Badeschuhe aus PVC betroffen. Vier Paar Schuhe waren in China hergestellt, ein Paar stammte aus Italien. Diese Schuherzeugnisse sind dann gemäß REACH-VO nicht mehr verkehrsfähig, es sei denn der Hersteller bzw. der verantwortliche Inverkehrbringer kann eine Zulassung zur Verwendung dieser Phthalate in den Schuhen vorlegen. Dies ist allerdings im Fall von Körperkontaktmaterialien nicht zu erwarten, da es sich bei den nachgewiesenen Substanzen um gesundheitsbedenkliche Stoffe handelt, die erfolgreich durch Alternativstoffe, wie z.B. Weichmacher auf Citronensäurebasis, ersetzt werden können.


In vier weiteren Paar Schuhen konnten erhöhte Gehalte an verschiedenen PAK ermittelt werden, drei davon enthielten zudem PAK (zum Teil über 1 mg/kg je Stoff), für die ab dem 27. Dezember 2015 bei Körperkontaktmaterialien Grenzwerte von 1 mg/kg vorgesehen sind. Allerdings gelten unter Berücksichtigung der Übergangsregelungen die Grenzwerte nicht für Erzeugnisse, die vor dem 27. Dezember 2015 erstmals in Verkehr gebracht wurden.


Außer auf Weichmacher und PAK wurden die Schuhe teilweise auf Lösungsmittel und Schwermetalle getestet. Die Kennzeichnung gemäß Bedarfsgegenständeverordnung (vor allem Materialangaben) wurde ebenfalls überprüft. Die Ergebnisse waren bei allen untersuchten Schuherzeugnissen unauffällig.


Aufgrund der Ergebnisse wird eine regelmäßige Kontrolle von Schuhen aus Gummi oder Kunststoff auf Schadstoffe weiterhin dringend empfohlen.



Weitere Informationen finden Sie hier:







Badeschuhe Bildrechte: ©i-picture - Fotolia.com
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