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LAVES-Abschlussbilanz der Seehund-Zählflüge im UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer zwischen Ems und Elbe – stabiler Jungtierbestand

Jungtierbestand stabil auf hohem Niveau: 2.395 junge Seehunde wurden in diesem Sommer an der Niedersächsischen Küste gezählt. Damit hat sich der Bestand beim Nachwuchs im Vergleich zum Vorjahr um 60 Tiere erhöht (2025: 2.335).

Das Ergebnis des diesjährigen Seehundmonitorings des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES): Insgesamt sind 7.957 (2025: 8443) Tiere während der Flüge im Wattengebiet zwischen Ems und Elbe gezählt worden. Das sind zwar knapp 450 Seehunde weniger als im Vorjahr, aber ein Ergebnis, das sich im Bereich der normalen Schwankungen bewegt.

Besondere Momente der Natur: Gleich bei den ersten Flügen konnten die Zähler mehrere Geburten von Seehunden auf den Sandbänken aus der Luft beobachten. Und die Meeressäuger machen einen gesunden und vitalen Eindruck. Der Seehund gehört zu den marinen Top-Prädatoren und ist damit ein wichtiger Bioindikator für den einzigartigen Lebensraum Wattenmeer. Anzahl und Gesundheitszustand lassen Rückschlüsse auf den Fischbestand, auf die Wasserqualität und auf das empfindliche Lebensmittel Fisch zu.

Keine Hinweise auf Erkrankungen: Seehunde, die tot an der Küste angespült werden, sichtbar erkrankt sind und eingeschläfert werden müssen, werden im LAVES untersucht. Die bisherigen Untersuchungen in den Lebensmittel- und Veterinärinstituten Oldenburg und Braunschweig/Hannover sowie Institut für Fische und Fischereierzeugnisse des LAVES haben keine Anzeichen auf mögliche Viruserkrankungen, wie beispielsweise Seehundstaupe oder Vogelgrippe (Influenza H5N1), ergeben.

Meeressäuger leiden häufig an Infektionskrankheiten. In den LAVES Instituten werden regelmäßig Seehunde, Kegelrobben und Schweinswale untersucht. Dabei werden insbesondere in der Lunge und auch im Darm verschiedene Parasitenarten nachgewiesen. Dies ist bei Wildtieren zunächst nichts Ungewöhnliches, sollte aber beobachtet werden. Eine mögliche Ursache könnte die Beeinträchtigung der Immunsysteme der Tiere durch Umwelteinflüsse und Schadstoffbeeinflussung sein.

Im LAVES werden jedes Jahr etwa 50 Meeressäuger pathologisch untersucht, der größte Anteil sind die Seehunde. Jährlich stranden etwa 180 Seehunde an der niedersächsischen Küste – vergleichsweise wenig, denn an der übrigen Nordseeküste liegen diese Zahlen deutlich höher.

Rückblick: 1988 und 2002 zog die Seuche „Seehundstaupe“ durch die Population. 1988: Der damals ohnehin geringe Seehundbestand an der Niedersächsischen Küste reduzierte sich von knapp 2.500 Tieren auf 1.400.

2002: 3.851 Seehunde wurden tot aufgefunden – der Bestand von rund 6.500 Tieren reduzierte sich damit um weit mehr als die Hälfte. Im jeweiligen Folgejahr wurden lediglich 229 (1989) beziehungsweise 799 Jungtiere (2003) gezählt.

Insgesamt zehn Flüge an fünf Terminen: Die beste Zeit für die Zählung ist bei Niedrigwasser zwischen Juni und August. Die Seehunde ruhen auf den Sandbänken und können so vom Flugzeug aus gut gezählt werden. In den Sommermonaten ziehen die Seehunde ihren Nachwuchs auf, sonnen sich und wechseln ihr Fell.

Für die Zählung wird das niedersächsische Küstengebiet in zwei etwa gleich große Abschnitte unterteilt – der westliche Teil umfasst das Wattenmeer vom Dollart bis zur Insel Wangerooge, der östliche Teil beginnt am Jadebusen und geht über die Vogelinsel Mellum und Cuxhaven bis an die Elbe. Die Flüge haben jeweils bis zu vier Stunden gedauert. Los ging es am 9. Juni, der letzte Flug startete am 21. August. An den Zählungen waren auch in diesem Jahr niedersächsische Jäger ehrenamtlich beteiligt, die von Wissenschaftlern des LAVES begleitet wurden. Sie verschafften sich einen Gesamteindruck über den Gesundheitszustand der Meeresbewohner.

Das Wetter war für die Zählflüge im Großen und Ganzen gut, Gewitter, starker Regen oder stürmische Winde blieben die Ausnahme. Lediglich zwei Flüge mussten wetterbedingt verschoben werden. Seehunde mögen es sonnig und ruhig, dann kommen sie an Land. Sensibel reagieren sie auf Wetteränderungen und auf Störungen durch den Menschen, dann ziehen sie sich ins offene Meer zurück. Auch dadurch können sich Ergebnisse verschieben.

Das jährliche Seehundmonitoring wird vom LAVES seit 2005 für Niedersachsen organisiert und koordiniert. Schon seit 1958 wird der Seehundbestand in Niedersachsen systematisch erfasst: Bis 1972 wurde von Schiffen aus gezählt und seither aus der Luft aus Flugzeugen. Grundlage für die Zählung ist seit 1990 das Internationale Seehundschutzabkommen zwischen Deutschland (Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein), Dänemark und den Niederlanden. Gemeinsames Ziel ist die Erhaltung eines dem Ökosystem angepassten vitalen Seehundbestandes. Im Rahmen dieses Abkommens starten die Zählungen dieser Länder zeitgleich, um Doppelzählungen der sehr mobilen Seehunde zu vermeiden.

Die Trilaterale Seehundexpertengruppe führt im Herbst alle Ergebnisse aus den Ländern zusammen und bewertet die Daten für den gesamten Seehundbestand im UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer zwischen Den Helder, Emden, Husum und Esbjerg. Das LAVES vertritt Niedersachsen in dieser internationalen Expertengruppe.

Weitere Informationen, Statistiken (Entwicklung Seehundbestand seit 1958, Zahlen, Daten, Fakten – Seehundzählung in Niedersachsen) und Fotos finden Sie unter www.laves.niedersachsen.de.

Presseinformationen Bildrechte: © Land Niedersachsen

Artikel-Informationen

erstellt am:
28.08.2026

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