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LAVES untersucht Wildpilze: radioaktive Werte liegen weiterhin deutlich unterhalb des Grenzwertes



Geringe radioaktive Belastung von Wildpilzen: Im Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover des LAVES liegen für die Jahre 2016 und 2017 die Messergebnisse des Gehaltes an Cäsium-137 (Cs-137) von 48 niedersächsischen Pilzproben vor. Das Ergebnis: Es gab keine Grenzwertüberschreitungen. Der EU-Grenzwert für das Radionuklid Cäsium-137 liegt bei 600 Bequerel/kg. Untersucht wurden mit Pfifferlingen sowohl Pilze, die auch im Handel zu finden sind, als auch ausschließliche Wildpilze wie Maronen und Steinpilze. Die aktuellen Ergebnisse bestätigen weiterhin den insgesamt rückläufigen Trend.


Die Pilze, die jährlich aus niedersächsischen Forstämtern angefordert werden, gelten als verlässliche Bioindikatoren für Umweltbelastungen. Jedoch kann auf Grund der langanhaltenden Trockenheit im Sommer 2018 die Pilzernte in einigen Regionen buchstäblich im Boden stecken bleiben.

Im Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover werden seit 1986 jährlich essbare Wildpilze auf ihre radioaktive Belastung untersucht. In den Jahren 2016 und 2017 wurden sechs Proben aus dem Handel und 42 Proben Wildpilze aus niedersächsischen Forsten untersucht. Soweit möglich wurden die Pilze im küchenfertigen Zustand gemessen.

  • Bei den Handelsproben handelte es sich um tiefgefrorene Pfifferlinge (zweimal), frische Pfifferlinge (zweimal), frischen Steinpilz (einmal) sowie um eine getrocknete und pulverisierte Speisemorchel. Keine Probe wies eine Grenzwertüberschreitung auf.
  • Bei den Wildpilzen wurden vor allem Maronenröhrlinge, Steinpilze und Pfifferlinge untersucht, aber es waren auch andere Röhrlinge, Perlpilze und Hallimasch dabei. Keine der 42 Proben überschritt den Grenzwert von 600 bq/kg.
Die Untersuchungen sind Teil des landesweiten „Sonderprogramms Wildpilze“, welches das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Folge des Reaktorunfalls von Tschernobyl eingerichtet hat. Die radioaktive Belastung der essbaren Wildpilze kann regional stark variieren, da sie von den Bodenverhältnissen und der dem Boden zugeführten Menge des radioaktiven Fallout/Washout, der Art des Bodens und der darauf wachsenden Pilzart abhängt.

Eine Überschreitung des gesetzlichen Grenzwertes von 600 Becquerel je Kilogramm (Bq/kg) ist seit einigen Jahren für Niedersachsen nicht mehr festgestellt worden. Die Spanne reicht von knapp 3 Bq/kg Cs-137 im nordwestlichen bis ca. 200 Bq/kg im südöstlichen Niedersachsen. Wildpilze sind stärker belastet als Ackerpflanzen, in denen Cs-137 allenfalls im Bereich der Nachweisgrenze von 0,2 Bq/kg Cs-137 gemessen wird. Die Ursache liegt in der Mobilität des Cäsiums im humusreichen Waldboden, dem die Tonminerale fehlen. Tonminerale, wie sie auf Ackerflächen reichlich vorhanden sind, binden das Cäsium und unterbrechen damit den Belastungskreislauf. Im Gegensatz zu Ackerflächen wird der Waldboden nicht bearbeitet. Dadurch fehlt die Verdünnung der Aktivitäten wegen fehlender Tiefenverlagerung und Durchmischung. Flachwurzelnde Pflanzen des Waldes wie Pilze und Gräser sind daher höher belastet. Zum anderen sammelt ein Pilz mit seinem in der Fläche weit verzweigten Mycel die Schadstoffe des sauren Waldbodens in seinem Fruchtkörper. Die radioaktive Belastung der essbaren Wildpilze kann regional stark variieren, da sie von den Bodenverhältnissen und der dem Boden zugeführten Menge des radioaktiven Fallout/Washout, der Art des Bodens und der darauf wachsenden Pilzart abhängt. Die bodenspezifischen Wachstumsvoraussetzungen ergeben daher ein für jede Pilzart sortenspezifisches Belastungsprofil.

Mittelwerte der Gesamt-Cäsiumaktivität in essbaren Wildpilzen aus Niedersachsen 1986 bis 2017  

Die Schwankungen innerhalb des graphischen Betrachtungszeitraumes können mit der in schlechten Pilzjahren Witterung bedingt geringen Probenzahl erklärt werden. Die heterogene Belastung in Niedersachsen führt bei niedriger Probenzahl zu starken Schwankungen der Einzelwerte gegenüber dem Vorjahr, wenn durch die Witterungseinflüsse die Probenahme aus stark belasteten Gebieten oder anderenfalls wenig belasteten Gebieten überrepräsentiert ist.

Wildpilze sind echte Saisonartikel. Pfifferling, Steinpilz und Trüffel beispielsweise können nicht angezüchtet werden. Sie wachsen wild, meistens in Nadelwäldern. Frische Pfifferlinge, die im Handel angeboten werden, stammen ausnahmslos aus osteuropäischen Ländern. In Deutschland wild wachsende Pfifferlinge stehen als bedrohte Art unter besonderem Schutz und dürfen daher nicht vermarktet werden. Gelegentlich werden auf Märkten auch andere Wildpilze angeboten. Auch Steinpilze stehen unter Naturschutz. Auf Märkten legal angebotene frische Steinpilze stammen daher aus dem Ausland.

Importkontrollen erfolgen in Zuständigkeit der entsprechenden Bundesländer an den nach EU-Verordnung zugelassenen Grenzeinlassstellen. Die für den Import bestimmten Pilze werden im Exportland vorab gemessen, da der Ware ein Zertifikat mit Angabe des gemessenen Radionuklidgehaltes beiliegen muss.

Weitere Informationen zum Strahlenschutz und Messergebnisse zur radioaktiven Belastung:

Steinpilze  

Sind Zuchtchampignons radioaktiv belastet?

Bei Zuchtchampignons wurden nicht nur zuletzt bei Untersuchungen in 2014 Cäsium-137-Messwerte in die Nähe der Nachweisgrenze ermittelt. Eine wesentliche Belastung ist bei Zuchtchampignons nicht zu erwarten. Im Vergleich mit Maronenröhrlingen reichern Champignons keine bedeutenden Mengen des Radionuklids Cs-137 im Fruchtkörper an.

Speisepilze: Welche gibt es, wann sind sie frisch?

Pilze sind beliebte Nahrungsmittel, aber auch leicht verderblich. Sie sollten immer frisch eingekauft oder gesammelt werden.

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