LAVES klar

Falsch verstandene Tierliebe kann Igeln schaden


Igel gehören zu den besonders geschützten Tierarten. Sie bewohnen hauptsächlich Gärten und Parks. Der Kontakt dieser Tiere zum Menschen wird immer enger. So füttern viele Gartenbesitzer die Tiere und bieten ihnen Überwinterungsmöglichkeiten an. Verletzte, geschwächte oder erkrankte Tiere werden in Wildtier- und Artenschutzstationen oder Tierarztpraxen abgegeben.

Der Igel ist und bleibt ein Wildtier. Daran sollte jeder denken, der einen der stacheligen Gesellen findet und ihn zur Überwinterung in Haus oder Wohnung aufnehmen will. Solche Aktionen sind zwar gut gemeint, aber können durchaus negative Folgen für das Tier haben. Die Stoffwechselvorgänge bei der Vorbereitung auf den Winterschlaf sind kompliziert und auf ein Winternest im Freien ausgelegt. Die Beschaffenheit des Winterquartiers ist im Haus schwer nachzuahmen. Ist es zum Beispiel zu warm, fällt der Igel nicht richtig in den Winterschlaf und verbraucht zu schnell seine Energiereserve. Das Nahrungsangebot ist schwierig auf die momentane Stoffwechsellage abzustimmen. Das Wildtier Igel kommt mit dem Leben in Gefangenschaft schlecht zurecht. Wenn junge Igel im Frühjahr zu spät ausgesetzt werden, sind die besten Reviere bereits besetzt. Sie müssen in ungünstigere, oft weit entfernte Reviere ausweichen. Hinzu kommt, dass diese Igel keine Erfahrung im Fangen lebendiger Nahrung haben, da ihnen bisher ihr Fressen mundgerecht serviert wurde. Diese Tiere schaffen es oft nicht, sich die notwendige Speckschicht für den Winter anzufressen und laufen uns im Herbst wieder untergewichtig vor die Füße. Auch wenn es hart klingt: Der Winter ist ein natürlicher Auslesefaktor und hilft, die Population gesund zu erhalten.

Da ca. 80 % der Igelbabys bei uns im August und im September geboren werden, können jetzt besonders viele Jungtiere angetroffen werden. Diese Igel sollten Anfang November mindestens 500 g wiegen, um den Winter problemlos überstehen zu können. Oft hilft schon ein "Zubrot" von einem abendlichen Schälchen Igelfutter (im Zoofachhandel erhältlich) um die Kondition und Konstitution der Tiere zu verbessern. Ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung des Lebensraumes für Igel kann jeder leisten, der einen eigenen Garten hat. Wer seinen Garten im Herbst nicht aufräumt und "naturnah" belässt, also Laub, Strauch- und Buschwerk liegen lässt, schafft natürliche Gegebenheiten für das Überwintern der Igel.

"Hilfsbedürftige Igel (Jungtiere unter 500 g Körpergewicht) benötigen sachkundige Hilfe und sehr oft tierärztliche Behandlung", erklärt Dr. Andreas Franzky vom Dezernat Tierschutzdienst des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES).
Insbesondere geschwächte Tiere leiden häufig unter starkem Zecken- und Flohbefall sowie unter Magen- und Darmparasiten. Hilfsbedürftige Tiere sollten daher immer einem Tierarzt oder einer Igelstation vorgestellt werden.

"Überwintern Sie gesunde Tiere nicht im Haus, sondern lassen Sie sie draußen! Schaffen Sie lieber Winterquartiere im Garten, und füttern Sie notfalls draußen zu. Sollten Sie dennoch in die Situation kommen, Igel zu überwintern oder verwaiste Igeljunge aufziehen zu müssen, wenden Sie sich an eine Igelstation oder den Tierschutzverein in Ihrer Nähe", rät Franzky.

Europäischer Braunbrustigel
Europäischer Braunbrustigel

Zoonoseerreger bei Igeln aus dem Stadtgebiet Hannover

Über den direkten oder auch indirekten Kontakt entstehen Möglichkeiten der Übertragung von Infektionserregern vom Igel auf den Menschen. Über das bei Igeln (Europäischer Braunbrustigel, Erinaceus europaeus) vorkommende Erregerspektrum ist nur relativ wenig bekannt.
Das Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover des LAVES hat in Kooperation mit der Klinik für Heimtiere, Reptilien, Zier- und Wildvögel der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover 2017 ein Projekt zur Ermittlung des Erregerstatus von Igeln aus dem Stadtgebiet Hannover initiiert. Ziel der Untersuchungen ist es, das Keimspektrum der Igel vor allem im Hinblick auf mögliche Infektionen des Menschen abzuklären, um eine Risikobewertung vorzunehmen.
Es wurden bislang knapp 100 Igel untersucht. Bei 20 % der untersuchten Tiere wurden Zoonoseerreger (pathogene Leptospiren, Listerien und Salmonellen) nachgewiesen. Keines der untersuchten Tiere wies Influenza-A-Viren auf.


Weitere Informationen:

Igel im Laub  
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