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Fischseuchenbekämpfung in Niedersachsen

Die Fischseuchenverordnung v. 24.11.2008 regelt u.a. die Bekämpfung von Fischseuchen und setzt die EU-Richtlinie 2006/88/EG in deutsches Recht um. Bei Fischseuchen im Sinne der Fischseuchenverordnung, handelt es sich um Krankheiten, die bei Fischen, Weichtieren oder Krebstieren auftreten können und als anzeigepflichtige Tierseuchen gemäß der Verordnung über anzeigepflichtige Tierseuchen gelten. Derzeit gibt es hierzulande 13 anzeigepflichtige Fisch-, Weichtier und Krebstierseuchen, die gemäß der Fischseuchenverordnung in exotischen und nicht exotischen Krankheiten unterteilt sind. Bei exotischen Krankheiten handelt es sich um Erkrankungen, die bis heute im EU-Raum nicht festgestellt wurden.

Für die Durchführung der Schutzmaßregeln in Verbindung mit der Fischseuchenverordnung in Niedersachsen sind die Veterinärbehörden der Landkreise, kreisfreien Städte und der Region Hannover sowie der Zweckverband Jade-Weser zuständig. Diese werden dabei von der Task-Force Veterinärwesen des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) beratend unterstützt.

Nach der Fischseuchenverordnung bedarf es der Registierung oder der Genehmigung aller Aquakulturbetriebe. Eine Ausnahme für die Registrierungs- oder Genehmigungspflicht gibt es lediglich für den Zierfischhandel und für die Zierfischhaltung in Gartenteichen, sofern bestimmte Voraussetzungen zutreffen. Fische, die ausschließlich nicht gewerblich zu Zierzwecken in Aquarien gehalten werden und wildlebende Fische, die zur unmittelbaren Verwendung als Lebensmittel gefangen oder geerntet werden, sind nicht vom Anwendungsbereich der Fischseuchenverordnung betroffen.

Einer amtlichen Genehmigung bedürfen alle Aquakulturbetriebe, die Fische als Besatzfische in den Verkehr bringen. Genehmigungspflichtige Betriebe unterliegen der Verpflichtung zur tiergesundheitlichen (Eigenkontrolle) und amtlichen Überwachung. Wenn jedoch Aquakulturbetriebe Fische aus Aquakultur direkt in kleinen Mengen ausschließlich für den menschlichen Verzehr an den Endverbraucher oder an örtliche Einzelhandelsunternehmen, die die Erzeugnisse direkt an den Endverbraucher abgeben, in den Verkehr bringen, bedarf es lediglich der Registrierung. Das Gleiche gilt für Angelteichanlagen.

Ob eine Registrierung oder Genehmigung erforderlich ist, geht aus dem Fließschema hervor.

Eine Erfassung der Aquakulturbetriebe in Niedersachsen erfolgte erstmals in den 80er Jahren. Im Zuge der Neufassung der Fischseuchenverordnung erfolgte eine Neuerfassung der Aquakulturbetriebe seit 2009. Nach derzeitigem Erfassungsstand gibt es in Niedersachsen insgesamt 672 registrierte Aquakulturbetriebe (§ 6 FischSeuchV) und 91genehmigte Aquakulturbetriebe (§ 4 FischseuchV). Im Rahmen dieser Erfassung wurde auch die Anzahl der Betriebe erhoben, die seuchenempfängliche Arten halten. Eine Übersicht darüber kann Abb. 1 entnommen werden.

Aquakulturbetriebe mit seuchenempfänglichen Arten  
Aquakulturbetriebe mit seuchenempfänglichen Arten


Die Verordnung über anzeigepflichtige Tierseuchen führt für Fische insgesamt fünf Seuchen auf:

  1. EHN (exotisch)
  2. ISA - Infektiöse Lachsanämie
  3. VHS - Forellenseuche
  4. IHN
  5. KHV-Infektion der Karpfen (KHV - Koi-Herpesvirus)

Im Falle von Weichtieren gibt es fünf anzeigepflichtige Tierseuchen. Bei Krebstieren sind drei Seuchen als anzeigepflichtig gelistet.

Genehmigungspflichtige Aquakulturbetriebe müssen Ihren Fischbestand gemäß § 7 der Fischseuchenverordnung in Abhängigkeit vom Risikoniveau regelmäßig (bis zu dreimal jährlich) von einem " Qualifizierten Dienst" untersuchen lassen (Eigenkontrolle). Resultiert aus solchen oder weiteren Untersuchungen ein Verdacht auf das Vorliegen einer anzeigepflichtigen Fischseuche oder wird die Fischseuche tatsächlich nachgewiesen, treten veterinäramtliche Schutzmaßnahmen in Kraft. Dabei kommt es in der Regel nicht zu angeordneten Bestandstötungen, sondern zu Betriebssperren. Der betroffene Betrieb erhält den Status eines Seuchenbetriebes bzw. seuchenverdächtigen Betriebes. Dieser Status wird dann aufgehoben, wenn der Verdacht sich nicht bestätigt oder wenn nach Leerung und Desinfektion der Haltungseinheiten die Seuche als erloschen gilt. Die infizierten Fische sind in der Regel als Lebensmittel unbedenklich und dürfen vermarktet werden, solange keine offensichtlichen Krankheitssymptome (z.B. Blutungen in der Muskulatur – siehe Abbildung 2) oder andere lebensmittelhygienische Beanstandungen vorhanden sind.

Blutungen im Filet einer Forelle
Abbildung 2

Mit der Fischseuchenverordnung wird auch die Möglichkeit geschaffen, sowohl einzelne Betriebe (Kompartimente) als auch Wassereinzugsgebiete (Zonen) als seuchenfrei in Bezug auf bestimmte anzeigepflichtige Fischseuchen anerkennen zu lassen ("Schutzgebiete"). In Niedersachsen besitzen derzeit insgesamt vier Kompartimente, eine Zone und eine Teilzone (mit Sachsen-Anhalt) den Status als Schutzgebiet in Bezug auf die VHS und IHN.

Die Untersuchungen zum Nachweis anzeigepflichtiger Fischseuchen sowie meldepflichtiger und weiterer Fischkrankheiten werden unter Verwendung mikrobiologischer und molekularbiologischer Nachweismethoden im LVI Braunschweig/Hannover (Fisch- und Krebstiere) und im IFF Cuxhaven (Weichtiere) durchgeführt.

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