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Aquakultur und Fischgesundheit

Die Fischgesundheit ist für den fischereiwirtschaftlichen Ertrag in Aquakulturbetrieben, aber auch im Hinblick auf den Tierschutz und den Verbraucherschutz von großer Bedeutung. Stressminimierung, Fütterungsoptimierung, Optimierung der Haltungsbedingungen und weitere Maßnahmen zur Förderung der Fischkondition tragen dazu bei, die Produktion zu steigern und einen etwaig erforderlichen Medikamenteneinsatz zu minimieren. Eine konsequente Fischgesundheitsvorsorge beugt Krankheiten vor und trägt zur qualitativen Verbesserung der Fischereierzeugnisse im Sinne des Verbraucherschutzes bei.

Aalfütterung  
Aalfütterung in einer Kreislaufanlage

Der Begriff Aquakultur umfasst alle Produktionsformen, die der Erzeugung von aquatischen Organismen wie Forellen, Karpfen, Flusskrebse, Austern auf Tischkulturen oder Algen dienen. Die Produktion erfolgt z. B. in Teichen oder in geschlossenen Kreislaufanlagen. Gemäß dem Fischerei- und Tierseuchenbekämpfungsrecht der EU umfassen Aquakulturtiere Fische, Weichtiere und Krebstiere.


Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) betrug der Gesamtertrag der Fangfischerei und der Aquakultur (ausgenommen Algenproduktion) im Jahr 2012 weltweit ca. 158,0 Mio. t. Bei seit Jahren zunehmender Tendenz wurde die Jahresaquakulturproduktion für das Jahr 2012 mit 66,6 Mio. t beziffert. Davon wurden 41,9 Mio. t in Aquakulturbetrieben im Binnenland und 24,7 Mio. t in marinen Aquakulturanlagen produziert. Im Jahr 2014 betrug der Gesamtertrag der Fischproduktion in Deutschland 20.936 t, in niedersächsischen Aquakulturbetrieben 2.650 t. Neben Nutzfischen werden in niedersächsischen Fischhaltungen in einem nicht unerheblichen Umfang Zierfische gezüchtet bzw. zu Handelszwecken gehältert.


Die Gesundheit der Fische wird maßgeblich durch die Erregerkonzentration, die Kondition und den Immunstatus, vor allem aber durch die Umgebungsqualität (Wasser) beeinflusst. Eine optimale Qualität des Wassers, der Ernährung und der Hygiene sind bei gleichzeitiger Minimierung der Stressbelastung für eine erfolgreiche Fischproduktion und für den Tierschutz unerlässlich.

Forellenteichwirtschaft
Forellenteichwirtschaft

Die Fischseuchenverordnung sieht vor, dass Halter von Aquakulturtieren ihre Bestände im Rahmen von Eigenkontrolluntersuchungen im Hinblick auf bestimmte (anzeigepflichtige) Fischseuchen durch sogenannte "Qualifizierte Dienste" überprüfen lassen müssen, sofern eine genehmigungspflichtige Tätigkeit ausgeübt wird. Eine genehmigungspflichtige Tätigkeit ist z. B. der Verkauf von Besatzfischen. Die Häufigkeit der Kontrollen wird vom Gesundheitsstatus und vom Risikoniveau der Aquakulturbetriebe bestimmt. Als "Qualifizierte Dienste" gelten Tierärzte oder Spezialisten für Wassertiergesundheit, die für diese Aufgaben geschult worden sind. Das LAVES bietet eine entsprechende Schulung an.


Für die amtliche Überwachung von genehmigten Aquakulturbetrieben und für Maßnahmen zur Fischseuchenbekämpfung sind in Niedersachsen die kommunalen Veterinärbehörden zuständig. Auf Anforderung erhalten diese Unterstützung von der Task-Force Veterinärwesen des LAVES.

Unter anderem die Infektiöse Lachsanämie (ISA), die Forellenseuche (VHS), die Infektiöse Hämatopoetische Nekrose der Salmoniden (IHN) und die Koi-Herpesvirus-Infektion der Karpfen (KHV) sind anzeigepflichtige Fischseuchen. Andere Viruserreger wie das Carp Edema Virus, Erreger der Koi Sleepy Disease, aber auch bakterielle, parasitäre und mykotische Infektionen können die Fischgesundheit beeinträchtigen und zum Tod der Tiere führen. Eine frühzeitige Diagnose von Erkrankungen durch einen Fachdienst oder durch den behandelnden Tierarzt ermöglicht eine kontrollierte und gezielte Behandlung. Therapiemaßnahmen unter kontrollierten Bedingungen tragen dazu bei, die Gefahr der Resistenzentwicklung zu minimieren. Durch vorbeugende Maßnahmen wie die Optimierung der Umwelt- und Haltungsbedingen und den Einsatz von Fischvakzinen, kann der Einsatz von Medikamenten minimiert werden.


In Niedersachsen übernehmen die Abteilung Fischkrankheiten und Fischhaltung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, der Tiergesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer Niedersachsen sowie einige niedergelassenen Tierärzten als "Qualifizierte Dienste" Aufgaben im Bereich der Fischgesundheitsfürsorge. Eine Zusammenarbeit zwischen allen mit der staatlichen und kurativen Fischgesundheitsfürsorge beschäftigten Institutionen und Personen, ist für eine nachhaltige Verbesserung der Fischgesundheit unabdingbar.


Dissertationen:

  • Dirk Willem Kleingeld: Erfassung und Risikoanalyse von niedersächsischen Aquakulturbetrieben vor dem Hintergrund der Fischseuchengesetzgebung. Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Fakultät für Agrarwissenschaften der Georg-August-Universität Göttingen, 2010. http://ediss.uni-goettingen.de/bitstream/handle/11858/00-1735-0000-0006-B05C-B/kleingeld.pdf?sequence=1
  • Isabell Tolmien: Validierung eines Multiuntersuchungsverfahrens zum Nachweis von Antibiotika in Fischen und Krebstieren, sowie Untersuchungen zur Rückstandssituation bei Fischen und Krebstieren in Aquakulturen. Diss med. vet., TiHo Hannover 2011. DVG-Verlag, ISBN 978-3-86345-024-3
  • Flavia Colombrino: Untersuchungen zur Beurteilung der Betriebshygiene von niedersächsischen Aquakulturbetrieben vor dem Hintergrund des neuen EU-Hygienerechts. Diss med. vet., TiHo Hannover 2012. http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/colombrinof_ss12.html
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