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Änderung der Verordnung über tierärztliche Hausapotheken (TÄHAV)


Seit dem 1. März 2018 gilt die im Bundesgesetzblatt (Teil I Nr.7, S.213) verkündete Verordnung über tierärztliche Hausapotheken in der Fassung und Bekanntmachung vom 8. Juli 2009 (BGBI.I S.1760), die durch Artikel 1 der Verordnung vom 21. Februar 2018 (BGBI. I S. 213) geändert worden ist. Den Originalgesetzestext finden sie hier:

www.gesetze-im-internet.de (Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz)

Die Änderungen betreffen folgende Punkte bei der Behandlung mit Arzneimitteln mit antibakterieller Wirkung (im Folgenden Antibiotika genannt):

  • Pflicht zur klinischen Untersuchung bei Behandlung mit Antibiotika

  • Umwidmungsverbot bei sogenannten Reserveantibiotika

  • Antibiogrammpflicht

  • Verfahren zur Probenahme, Isolierung der Erreger und Bestimmung der Empfindlichkeit

  • Neue Nachweispflichten

Die Bestimmungen erfassen nicht nur die Nutztierpraxis, sondern auch den gesamten Pferde- und Kleintierbereich.

Im Folgenden werden die wesentlichen Veränderungen der Verordnung über tierärztliche Hausapotheken (TÄHAV) kurz dargestellt.

Pflicht zur klinischen Untersuchung bei Behandlung mit Antibiotika

Tiere oder Tierbestände müssen vor einer Behandlung in angemessenem Umfang von einem Tierarzt untersucht werden. Neu hinzugekommen ist, dass im Falle einer Behandlung mit einem Arzneimittel mit antibakterieller Wirkung explizit die tierärztliche klinische Untersuchung verlangt wird.

Umwidmungsverbot

Cephalosporine der 3. und 4. Generation sowie Fluorchinolone dürfen bei den Tierarten Rind, Schwein, Pute, Huhn, Hund oder Katze nur dann abgegeben, angewendet oder verschrieben werden, wenn sie für die jeweilige Tierart zugelassen sind. Von diesem Umwidmungsverbot wird das Anwendungsgebiet nicht erfasst.

Sobald im Einzelfall die notwendige arzneiliche Versorgung der Tiere ernsthaft gefährdet ist, gilt das Umwidmungsverbot nicht. In diesem Falle muss eine schriftliche Dokumentation mit Erklärung des Tierschutzvorbehaltes erfolgen.

Antibiogrammpflicht

Der Tierarzt hat bei Behandlungen von Gruppen der Tierarten Rind, Schwein, Pute oder Huhn mit einem Antibiotikum die Empfindlichkeit des Erregers gegenüber dem jeweiligen Wirkstoff zu testen, wenn:

  1. das Antibiotikum im Verlauf einer Behandlung gewechselt wird,

  2. eine Behandlung häufiger als einmal in bestimmten Alters- oder Produktionsabschnitten stattfindet,

  3. die Behandlung sieben Tage übersteigt und dies nicht der Zulassung entspricht,

  4. eine kombinierte Verabreichung verschiedener Antibiotika bei einer Indikation mit Ausnahme von entsprechend zugelassene Fertigarzneimitteln erfolgt,

  5. von den Zulassungsbedingungen eines Antibiotikums in folgenden Fällen abgewichen wird: Umwidmung der Tierart, Präparat aus anderem EU-Mitgliedsstaat sowie bei der Herstellung in der Apotheke,

  6. Cephalosporine der 3. und 4. Generation oder Fluorchinolone eingesetzt werden sollen.

Die Fälle Nr. 5 und 6 (Umwidmung und Ceph / Fluor) gelten auch bei Einzeltierbehandlungen der Tierarten Rind, Schwein, Pute, Huhn, Pferd, Hund oder Katze.

Davon ausgenommen sind die Behandlung herrenloser Katzen oder Einzeltierbehandlungen, für die bereits aussagekräftige Erregernachweise mit Resistenztests im Rahmen einer tierärztlichen Bestandsbetreuung vorliegen, die die Notwendigkeit des Einsatzes dieser Antibiotika rechtfertigen.

Ein Antibiogramm ist nicht zu erstellen, wenn:

  • die Probenahme mit zusätzlicher Gefahr oder Gesundheitsschädigung des zu behandelnden Tieres verbunden ist oder

  • eine Kultivierung des Keimes mittels zellfreier künstlicher Medien nicht möglich (zum Beipsiel obligat intrazellulär lebende Erreger) oder

  • keine Methode zur Bestimmung der Resistenzlage des Erregers vorhanden ist.

Verfahren zur Probenahme, Isolierung der Erreger und Bestimmung der Empfindlichkeit

Im Falle der Antibiogrammpflicht müssen die krankheitsverursachenden Erreger isoliert und auf ihre Empfindlichkeit gegenüber Antibiotika getestet werden.

Werden Proben im Rahmen einer Bestandsuntersuchung genommen, muss darauf geachtet werden, dass die ausgewählten Tiere repräsentativ für das Krankheitsbild in diesem Bestand beziehungsweise dieser Gruppe sind.

Zur Erstellung eines Antibiogramms sind national oder international anerkannte Verfahren anzuwenden.

Die DVG- Empfehlungen zur Probengewinnung sind HIER zu finden.

Neue Nachweispflichten

Auch neue Dokumentationspflichten sind dazugekommen. Ausführliche Informationen dazu finden sie HIER .

Weiterführende Informationen

Ende Mai und Anfang Juni 2018 wurden von der Tierärztekammer (TÄK) und dem LAVES gemeinsame Informationsveranstaltungen durchgeführt. Die dort präsentierten Vorträge stehen als Download zur Verfügung:


Informationsveranstaltung der TÄK - Vortrag

Informationsveranstaltung der TÄK - Diskussionsrunde

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