LAVES klar

Ein "gutes" Schabenjahr……

Bedingt durch milde Winter und feuchte Sommer haben sich insbesondere die Orientalische Schabe (Blatta orientalis) auch Küchenschabe, Bäckerschabe oder Kakerlake genannt, und die bei uns im Freiland vorkommenden, heimischen Waldschaben (Ectobius spec.) in den letzten Jahren stark vermehrt. Während die hygienisch unbedeutsamen Waldschaben nur gelegentlich in an Waldrändern gelegenen Wohnsiedlungen in Gebäude eindringen, hier aber keine Schäden verursachen und sich auch nicht weiter vermehren, ist die Orientalische Schabe die einzig hygienisch bedeutsame Schabenart, welche im Freiland auch noch bei Temperaturen unter 20°C existieren und sich vermehren kann.

 
Bild 1&2: Blatta orientalis, Bild 3: Ectobius vittiventris, Bild 4: Schabenlarven mit Oothek

In den letzten drei Jahren sind beim Fachbereich Schädlingsbekämpfung der Task Force Veterinärwesen des LAVES mehrere Meldungen von großflächigem Befall mit der Orientalische Schabe eingegangen, wobei sich in mehreren Fällen der Befall auf mehrere Ortsteile einer Gemeinde ausbreiten konnte. Die Kanalisation mit ihrem weit verzweigten Netz von Haupt- und Seitenarmen sowie die weitgehend konstanten Temperatur- und Feuchtigkeitsverhältnisse bieten den Schaben, neben dem hier ebenfalls reichlich vorhandenen Nahrungsangebot, optimale Entwicklungs- und Verbreitungsmöglichkeiten.

Schaben sind laut Infektionsschutzgesetz als Gesundheitsschädlinge einzustufen. Auch die Orientalische Schabe gilt als potentieller Krankheitsüberträger. Durch ihre Lebensweise trägt sie hochgradig zur Verbreitung von human- und veterinärmedizinisch bedeutsamen Krankheitskeimen bei. Es wurde festgestellt, dass Krankheitskeime bis zu 72 Std. am Schabenkörper haften bleiben, eine Kontamination also ca. 3 Tage lang möglich ist. Außerdem werden von den Schaben aufgenommene Keime über ihren Verdauungstrakt noch über einen längeren Zeitraum ausgeschieden.


An Schaben nachgewiesene humanpathogene oder fakultativ humanpathogene Keime:

  • Escherichia coli

  • Pseudomonas aeruginosa

  • Staphylococcus aureus

  • Streptococcus faecalis

  • Pneumococcus mucosus

  • Proteus vulgaris

  • Proteus mirabilis

  • Klebsiella pneumoniae

  • Shigella spec.

  • Salmonella spec.

  • Salmonella typhi

  • Salmonella paratyphi

Ein massiver und über mehrere Objekte ausgedehnter Befall mit der Orientalischen Schabe ist nur durch gezieltes Monitoring in den betroffenen befallsgefährdeten Bereichen, sowie gezielte insektizide Behandlung ihrer Aufenthaltsorte und Verstecke (Schlupfwinkelbehandlung) und Ausbringen von Gelköder und/oder Silicaten (Kieselgur/Diatomeenerde) in den Griff zu bekommen. In bestimmten Fällen ist auch eine biologische Bekämpfung mittels Schlupfwespen oder räuberischen Nematoden sinnvoll. Ausreichende Hygienemaßnahmen und das Abdichten von Schlupfwinkeln müssen selbstverständlich sein, wenn die Bekämpfungsmaßnahmen erfolgreich sein sollen. Beim Einsatz insektizider Stoffe ist eine eventuelle Resistenz der Schabenpopulation zu beachten und eventuell diese vor der Maßnahme von einer geeigneten Stelle durch Prüfungen festzustellen.

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