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Der Australische Diebkäfer, Ptinus tectus (Boieldieu, 1856)

und andere Diebkäfer, Ptinidae als Vorratsschädlinge und Materialzerstörer


Der ursprünglich in Australien, Tasmanien und Neuseeland beheimatete Australische Diebkäfer gelangte um die Jahrhundertwende über England nach Deutschland und ist inzwischen in Mitteleuropa ein weit verbreiteter Schädling an den verschiedensten tierischen und pflanzlichen Vorräten, so z.B. an Gewürzen, Tee, Rohkakao, Trockenobst, Malz, Hefe, Grieß, Hundekuchen, Vogel- und Fischfutter, Fischmehl etc.. An Getreideprodukten tritt er allerdings erst nach Vorschädigung durch andere Vorratsschädlinge auf. Die Larven zeichnen sich durch eine starke Spinntätigkeit aus und bohren sich zur Verpuppung in halbfeste Gegenstände ein und schädigen dadurch auch Materialien wie Leder, Weichholz, Kunststoffe (Verpackungen, Isolierungen), Papier und Pappe. Puppenwiegen werden auch in Nagetierkot und z.B. in Rattenköder-Pellets angelegt. Die sehr aktiven, aber nicht flugfähigen, Käfer schädigen darüber hinaus Leder, Textilien und auch Herbarien sowie tierische Präparate, z.B. in Museen, durch Oberflächenfraß. Sie haben eine Lebenserwartung von bis zu 12 Monaten. Die Käfer sind lichtscheu, nachtaktiv und an Trockenheit sehr gut angepasst.

Der Australische Diebkäfer tritt bei uns auch im Freien auf, bevorzugt in Vogelnestern (Tauben, Schwalben, Sperlinge) wo er auch überwintern kann oder auf blühenden Koniferen.

Australischer Diebkäfer, Ptinus tectus
Australischer Diebkäfer, Ptinus tectus
Larve
Larve des Australischen Diebkäfers

Aussehen:

Käfer: ca. 3 bis 3,5 mm lang, Kopf, Halsschild und Flügeldecken matt dunkelbraun, anliegend goldbraun bis grauweiss behaart mit in Reihe abstehenden Borstenhaaren auf den Flügeldecken. Halsschildbasis beiderseits mit einen Haarpolster und zwei kleinen stumpfen Höckern. Kein Geschlechtsdimorphismus.

Larve: weiss bis gelblich, fein abstehend behaart, ca. 5 mm lang, bauchwärts zusammen gekrümmt (engerlingsartig!) mit gelbbrauner Kopfkapsel.

Entwicklung:

Die Weibchen von Ptinus tectus legen mehrere hundert Eier direkt an das Fraßsubstrat ab. Für eine optimale Eiproduktion benötigt das Weibchen eine Temperatur von 23° bis 25°C bei einer relativen Luftfeuchte von 70 bis 90%. Die Larven schlüpfen nach ca. 14 Tagen. Die Larvenentwicklung über 3 bis 5 Larvenstadien dauert je nach Temperatur und Nahrung 4 bis 8 Wochen. Die Käfer können unter günstigen Bedingungen in beiden Geschlechtern max. 10 bis 12 Monate alt werden, normal sind aber 2 bis 3 Monate. Es werden in der Regel 2 bis 3 Generationen im Jahr ausgebildet.

Bekämpfung:

Vor der Durchführung gezielter Bekämpfungsmaßnahmen ist es erforderlich, eine gründliche Inspektion des befallenen Gebäudes sowie der näheren Umgebung durchzuführen. Bei Lebensmittelmärkten z.B. sind unbedingt die Abfall- und Müllpressen in diese Maßnahme mit einzubeziehen! Nach Beseitigung des Nahrungssubstrates können die Laufflächen und Schlupfwinkel der Käfer mit Aerosolen, insektiziden Stäuben oder Siliziumoxid behandelt werden. Hierzu ist es notwendig die befallenen Hohlräume durch Öffnen von Verkleidungen, Abmontieren von Verteilerdosen etc. zugänglich zu machen. Eine direkte Behandlung befallener pflanzlicher Vorräte durch gasförmige Formulierungen ist möglich. Eine Abtötung von Larven, welche sich zur Verpuppung in feste Gegenstände eingebohrt haben, ist durch Einwirkung von mind. –18°C über 24 Std. oder einer Erwärmung von mind. 50°C über 4 Std. möglich. Auch Befall kleiner Vorratsmengen ist auf diese Weise befallsfrei zu bekommen.

Neben dem Australischen Diebkäfer gibt es noch weitere Diebkäferarten, welche als Vorratsschädlinge und Materialzerstörer in unseren Breiten eine gewisse Rolle spielen.

In nachfolgender Tabelle werden diese Arten kurz skizziert:

Name

Vorkommen

Schadbild

Messingkäfer, Niptus hololeucus

In Vogelnestern (Tauben, Sperlingen, Schwalben), in Zwischenböden alter Fachwerkhäuser, in organischen Dämm- und Polsterstoffen (Stroh, Ceralit etc.)

Fraßschäden an pflanzlichen Abfallstoffen und trockenen pflanzlichen Vorräten, Lochfraß an Textilien, Leder, Papier, Tapeten und Bucheinbänden

Kräuterdieb, Ptinus fur

In Vogel-, und Hymenopterennestern an oder in der Nähe von Gebäuden, sonst ähnlich wie Ptinus tectus

ähnlich wie Ptinus tectus

Kugelkäfer, Gibbium psylloides

In Fachwerkhäusern mit Stroh- und Lehmausfachungen, in Zwischendecken mit organischer Dämmung, in feuchten Kellern, Brauereien. Mälzereien, Mühlen und Gerteidelagern, selten auch in Vogelnestern

Fraßschäden an trockenen Pflanzenmaterial und organischen Dämmstoffen, Loch- und Flächenfraß an Leder, Papier und Textilien

Tipnus unicolor

In Vogel-, Nager- und Hymenopterennestern, in Scheunen, Bäckereien, Mühlen und Wohnhäusern.

ähnlich wie Ptinus tectus

Austalischer Diebkäfer, Ptinus tectus

Austalischer Diebkäfer, Ptinus tectus

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