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Attagenus smirnovi ZHANTIEV, 1973

Eine weitere synanthrope Pelzkäferart auf dem Vormarsch


Unter den Pelzkäferarten aus der Gattung Attagenus sind bei uns in Mitteleuropa zahlreiche Arten bekannt, die synanthrop als Wohnungsschädlinge auftreten. Am bekanntesten ist der Gefleckte Pelzkäfer, Attagenus pellio, dessen Larven als Materialschädling an Wolltextilien, Teppichen, Fellen und Pelzen auftreten. In letzter Zeit werden uns immer wieder Funde von Pelzkäfern und Larven zur Bestimmung eingesandt, welche der Art Attagenus smirnovi ZHANTIEV, 1973 zuzuordnen sind. Attagenus smirnovi stammt vermutlich ursprünglich aus Afrika und gelangte über Russland, Tschechien und andere Osteuropäische Länder nach Deutschland, wo er zum ersten Mal 1985 im Mecklenburg-Vorpommern nachgewiesen werden konnte. Auch aus Großbritannien und Dänemark sind Fundmeldungen bekannt.

Attagenus smirnovi
Attagenus smirnovi, Käfer
Attagenus smirnovi
Attagenus smirnovi, Käfer (Männchen) und Larve

Aussehen:

Der Käfer ist länglichoval, 3,0 - 5,5 mm lang und 2,0 - 2,5 mm breit, Kopf und Halsschild sind dunkelrotbraun bis schwarz, Flügeldecken sind heller gefärbt braun, gelb oder rotgelb mit gelblicher oder hellbräunlicher Behaarung, Körperanhänge (Beine, Fühler) sind rotgelb gefärbt. Die Fühlerkeule besteht in beiden Geschlechtern aus 11 Gliedern mit einer 3gliedrigen Keule, deren Endglied beim Männchen säbelförmig und extrem verlängert ist.

Die Larve wird bis zu 7 mm lang (ohne Borstenschwanz!) und ist oberseits bronzebraun und unterseits hell gelblichbraun gefärbt. Die einzelnen Larvensegmente (Tergite) sind mit anliegenden gerippten und lanzettförmigen Schuppenborsten bedeckt, deren Form ein bestimmungsrelevantes Merkmal ist, und der Artunterscheidung dient. An den Segmentgrenzen befinden sich zudem, teilweise in Büscheln, unterschiedlich lange abstehende Borstenhaare. Am Larvenhinterende befindet sich ein aus längeren Borsten bestehender Borstenschwanz.

Attagenus smirnovi
Fühlerkeule Männchen
Attagenus smirnovi
Fühlerkeule Weibchen

Ernährungsweise und wirtschaftliche Bedeutung

Die Nahrung der Larven besteht aus Wollwaren aller Art und anderen trockenen tierischen Stoffen. In pflanzlichen Fasermaterialien und auch Vorräten können die Tiere ebenfalls ihre Entwicklung durchlaufen. Die Larven von Attagenus smirnovi zerstören ein breites Spektrum tierischer Produkte wie Tierhaare, Wolltextilien, Pelze, Felle, sowie Produkte aus diesen Materialien. In Stoffen, Teppichen u.a. sind unregelmäßig geformte Löcher erkennbar. Fraß an Pelzen beginnt am unteren Ende der Haare. wobei die Pelzhaare büschelweise ausfallen können. Getreideprodukte u.a. Materialien werden verunreinigt und unbrauchbar. In Wohnungen halten sich die Larven bevorzugt in Fugen und Ritzen von Holzfußböden und schlecht versiegelten Parkettböden, unter Teppichen und in dunklen Ecken von Kleiderschränken auf.

Biologie und Entwicklung

Hinsichtlich Biologie und Entwicklung unterscheidet sich Attagenus smirnovi wohl kaum von den anderen synanthropen Attagenus-Arten. Die Anzahl der Larvenstadien ist abhängig von der Nahrung, der Temperatur und der relativen Luftfeuchtigkeit. Die bis zu 60 Eier werden in Ritzen oder anderen Verstecken in der Nähe von möglichen Nahrungsquellen gelegt. Die Larven reagieren im Gegensatz zu den Käfer negativ phototaktisch und fliehen das Licht. Bei Störungen stellen sie sich tot. Bei 20° C dauert die Entwicklung vom Ei bis zum Käfer ungefähr ein Jahr, wobei die Larven sich mehrmals (bis zu 12-mal) häuten. Bei optimalen Temperaturbedingungen ist sicherlich auch mehr als eine Generation im Jahr möglich!

Bekämpfung

Vor der eigentlichen Bekämpfung sind befallene Waren und Materialien zu entfernen, bzw. zur Behandlung zu separieren. Textilien sind ebenfalls wie das gesamte Befallsareal mit geeigneten physikalische Methoden zu reinigen. Wichtig ist hierbei die Einbeziehung der Aktivitätsbereiche der Larven unter Teppichen, in Bodenritzen und hinter Scheuerrleisten. Befallsbereiche, Schlupfwinkel und Laufwege sind anschließend mit Kontaktinsektiziden im Spritz- oder Sprühverfahren zu behandeln. Hohlräume können mit Stäubemitteln behandelt werden. Bei Befall von Museen und Sammlungen sind auch Verfahren mit gasförmigen Formulierungen angezeigt! Je nach Mittelwahl (Kurzzeit/Langzeit) sind ein oder mehrere Folgebehandlungen notwendig. Befallsvorbeugend sind Insektenschutzgitter und/oder Mottenschutzmittel anzuzwenden.

Attagenus smirnovi

Larve von Attagenus smirnovi

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