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Schlank im Schlaf mit Eiweiß-Abendbrot?

Im Handel werden Spezialbrote und -brötchen mit erhöhtem Eiweiß- und reduziertem Kohlenhydratanteil („low-carb“-Produkte) angeboten. Deren Zusammensetzung orientiert sich am "Schlank-im-Schlaf-Konzept" von Dr. Detlef Pape, das abends einen Verzicht auf Kohlenhydrate zugunsten von Eiweiß vorsieht.


Wenig Kohlenhydrate, viel Eiweiß, viel Fett!

In diesen Broten werden die sonst verwendeten Getreideerzeugnisse zum Großteil durch Weizeneiweiß und Sojaerzeugnisse ersetzt und hohe Anteile an Ölsamen wie Leinsamen, Sesam und Sonnenblumenkerne eingebacken. Dadurch enthalten sie gegenüber vergleichbaren Erzeugnissen einen vier- bis fünfmal höheren Eiweißanteil, drei- bis zehnmal höhere Fettgehalte und nur etwa ein Fünftel der Kohlenhydratmenge. Dies hat auch Auswirkungen auf den Energiegehalt des Brotes: er ist etwa ein Zehntel höher als bei normalem Brot.

Auf der Verpackung sowie begleitenden Banderolen oder Flyern finden sich Nährwertkennzeichnungen und oft auch Erläuterungen hinsichtlich des "Schlank-im-Schlaf-Konzeptes", das jedoch als wissenschaftlich nicht abgesichert gilt. Außer der Zusammensetzung wurden daher insbesondere diese Aussagen unter Berücksichtigung der Health-Claims-Verordnung geprüft.


Untersuchungsergebnisse des LAVES

Im Jahr 2014 wurden im Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover des LAVES 10 Proben aus der Gruppe „Eiweißbrot/-brötchen“ untersucht.

In keiner der Proben wurde die Verwendung von Konservierungsstoffen oder gentechnisch veränderter Organismen nachgewiesen.

Bei allen Proben fand auch eine umfassende Überprüfung der deklarierten Nährwerte statt. Sind deklarierte Nährwerte unzutreffend, werden diese als irreführend beurteilt.

Drei Proben wiesen eine unzutreffende Deklaration der Ballaststoffgehalte auf.

Bei einer Probe waren die deklarierten Gehalte an Fett, Eiweiß und Ballaststoffen stark abweichend von den analytisch ermittelten Werten. Bei dieser Probe war zudem die Nährwerttabelle formal unzureichend; außerdem fehlte bei Verwendung vergleichender nährwertbezogener Angaben („weniger Kohlenhydrate“, „mehr Eiweiß“) die gemäß Health-Claims-Verordnung vorgeschriebene Angabe des Unterschiedes in der Menge an Kohlenhydraten und Eiweiß gegenüber anderen Lebensmitteln derselben Kategorie.

Bei einer weiteren Probe wurde die nährwertbezogene Angabe „wenig Kohlenhydrate“ als nicht zulässig bewertet. Nährwertbezogene Angaben dürfen nur gemacht werden, wenn sie im Anhang der Health-Claims-Verordnung aufgeführt sind und den in der Verordnung festgelegten Bedingungen entsprechen. Weder die Angabe „wenig Kohlenhydrate“ noch eine vergleichbare Angabe wie z.B. „kohlenhydratarm“ sind im Anhang der Health-Claims-Verordnung aufgeführt. Mit dieser Beurteilung wurde der vom OLG Hamburg mit Beschluss vom 24.04.2014, Aktenzeichen 3W 27/14, zur Auslobung „Low Carb“ vertretenen Auffassung gefolgt.

Nur bei 5 Proben wurden keine Mängel festgestellt.


Fazit:

Trotz der geringen Probenzahl waren zahlreiche Normabweichungen festzustellen. Insbesondere die mit Banderolen versehenen Eiweiß-Abendbrote aus Bäckereien sind noch mit gravierenden inhaltlich und formal nicht zulässigen bzw. fehlerhaften Angaben versehen. Das LAVES wird auch weiterhin Eiweiß-Abendbrote auf ihre Zusammensetzung und Kennzeichnung hin untersuchen und das Augenmerk dabei insbesondere auf die Ballaststoffgehalte richten.


Bewegung und ausgewogene vielseitige Ernährung statt Eiweiß-Abendbrot!

Wer eine Gewichtsabnahme anstrebt sollte nach wie vor auf mehr Bewegung setzen, Bewegung verbrennt Kalorien. Und entscheidend für das Abnehmen ist immer noch die Gesamt-Kalorienmenge, die man über den Tag verteilt zu sich nimmt. Fettabbau über Nacht, kann auch ohne Eiweißbrot erreicht werden, indem abends gegen 18 oder 19 Uhr ein normales Abendbrot gegessen und danach nichts mehr verzehrt wird. Dann ist der Insulinspiegel nach ca. zwei Stunden wieder abgesunken und das Körperfett kann wieder abgebaut werden.

Eiweißbrot
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