LAVES klar

Kinderwurst und Fleischerzeugnisse mit Aufmachung/Werbung für Kinder

Es geht um die Wurst!



Der Trend, Fleischerzeugnisse für eine bestimmte Zielgruppe mit besonderer Aufmachung zu bewerben, ist sehr „im Kommen". Im Jahr 2012 wurden im Lebensmittel- und Veterinärinstitut Oldenburg des LAVES 30 Wurstproben mit Werbung bzw. Aufmachung für Kinder untersucht. Ziel der Untersuchung war die Überprüfung der Zusammensetzung hinsichtlich der Übereinstimmung mit der Verkehrsauffassung und Prüfung der eingesetzten Zusatzstoffe und deren Deklaration. Die Untersuchungen haben gezeigt, dass bei fünf Produkten von 16 die rechtlichen Vorgaben nicht erfüllt waren.


Der Trend, Fleischerzeugnisse für eine bestimmte Zielgruppe mit besonderer Aufmachung zu bewerben, ist sehr „im Kommen". Der Verzehr von Fleischerzeugnissen mit besonderer Aufmachung/Werbung für Kinder ist bei den kleinen Verbrauchern sehr beliebt. Auf den bunten Fertigpackungen oder bunt bedruckten Därmen bei loser Ware sind lustige Motive, Helden, Entdecker oder Tiere abgebildet. Die Wurstwaren sollen Spaß und Abenteuer suggerieren. Auch die Wurst, die als besonderes Motiv oder in einer bestimmten Scheibenform hergestellt ist, ist an der Wursttheke ein beliebter Snack für Kinder. Diese Produkte sollen die Aufmerksamkeit der Kinder und Eltern wecken und die kleinen und großen Verbraucher überzeugen.


Sind Zusammensetzung und Kennzeichnung einwandfrei? - aktuelle Untersuchungsergebnisse

Im Jahr 2012 wurden im Lebensmittel- und Veterinärinstitut Oldenburg (LVI Oldenburg) des LAVES 30 Wurstproben mit Werbung bzw. Aufmachung für Kinder untersucht. Die eingesandten Proben stammen überwiegend aus dem Einzelhandel. Vier Proben wurden beim Hersteller entnommen. Vier Proben wurden bei Fleischereien oder an der Fleischtheke im Supermarkt als lose Ware angeboten. Bei den eingesandten Proben handelte es sich um 16 verschiedene Produkte von neun Herstellern, vorwiegend Brühwurstprodukte (Mortadella, Fleischwurst, Würstchen), Kochstreichwürste (Leberwurst, Brotaufstrich) oder Rohwurst (Salami). Die Produkte wurden u. a. als „Spitzenqualität" oder „fettreduziert" angeboten. Zudem wurden sie z. T. mit diversen Auslobungen versehen, z. B. „lactosefrei", „glutenfrei", „ohne Geschmacksverstärker", „ohne Farbstoffe" „Calcium plus", „salzreduziert" bzw. mit „gesunden" Inhaltsstoffen wie Vitaminen und Mineralstoffen, z. B. „mit Vitaminen B, E und Calcium" beworben.

Ziel der Untersuchung im LVI Oldenburg war die Überprüfung der Zusammensetzung hinsichtlich der Übereinstimmung mit der Verkehrsauffassung und Prüfung der eingesetzten Zusatzstoffe und deren Deklaration. Bei Fertigpackungen wurden zudem die Verpackungsangaben und der Fleischanteil überprüft. Besonderes Augenmerk wurde auf spezielle Auslobungen und die nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben gelegt.*

Die Untersuchungen haben gezeigt, dass bei fünf Produkten von 16 die rechtlichen Vorgaben nicht erfüllt waren. Bei einem Produkt wurde die Verkehrsbezeichnung bemängelt, da der Charakter des Erzeugnisses nicht ausreichend beschrieben wurde. Zudem war die Mengenangabe des Fleischanteils irreführend. Bei einem Produkt war die Angabe des Fettgehaltes und bei einem weiteren die Angabe des Natriumgehaltes in der Nährwertkennzeichnung nicht im Toleranzbereich und somit irreführend. Bei zwei Produkten wurde bemängelt, dass die Referenzwerte für die Nährwertkennzeichnung nicht aus der Nährwertkennzeichnungsverordnung herangezogen wurden. Alle Produkte entsprachen in der Zusammensetzung der allgemeinen Verkehrsauffassung. Als Tierart wird neben Schweinefleisch bevorzugt Truthahn- oder Hähnchenfleisch verwendet. Die eingesetzten Zusatzstoffe wurden im Zutatenverzeichnis deklariert, die zulässigen Höchstmengen wurden eingehalten.


Keine Extrawurst!

Kleine Kinder brauchen keine „Extrawürste", sagen die Ernährungsexperten. Eine Spezialkost ist nur bis zu einem Alter von einem Jahr notwendig. Dann gilt für Kinder: Die Ernährung sollte ausgewogen sein, reichlich pflanzliche Lebensmittel (Gemüse, Obst, Getreideerzeugnisse, Kartoffeln) und Getränke (kalorienfrei oder -arm), ausreichend tierische Lebensmittel (Milch, Milchprodukte; Fleisch, Wurst, Eier, Fisch), sparsam Fett und fettreiche Lebensmittel, Süßigkeiten und Getränke.

Obwohl die Kinderartikel als gesund beworben würden, sind sie nicht speziell auf die Ernährungsbedürfnisse von Kindern abgestimmt. Oft enthalten Kinderprodukte viel Fett, Zucker und Aroma. Meistens unterscheiden sich Kinderwurstwaren von ihren Zutaten her überhaupt nicht von "normalen" Produkten.

Viele Hersteller peppen die Produkte mit zusätzlichen Nährstoffen wie Vitaminen und Mineralstoffen (Calcium) auf. Doch sinnvoll ist dies nicht, Kinder sollten diesen Bedarf nicht durch Wurstwaren decken, sondern vor allem durch Obst, Gemüse oder Milch.

Zudem sind die Kinder-Wurstprodukte angesichts des hohen Salzgehalts als Zwischenmahlzeiten nicht empfehlenswert. Ein zu hoher Salzgehalt im Essen erhöht bei Kindern das Risiko, später an Bluthochdruck zu leiden.


Wieviel Wurst darf es sein?

Über Wurst und Fleisch werden Kinder mit Eiweiß, Zink und B-Vitaminen sowie Eisen versorgt. Ernährungsexperten empfehlen für Kinder unter sechs Jahren pro Tag nicht mehr als 40 bis 60 Gramm Fleisch und Wurst. Zum Vergleich: eine Scheibe Wurstaufschnitt wiegt etwa 25 und eine Scheibe Salami 40 Gramm. Fette Wurstwaren wie Mortadella oder Salami sollten von Kindern nicht zu häufig gegessen werden.


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*Die Anforderungen hinsichtlich der Verwendung und Kennzeichnung der nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben ist in der Verordnung (EU) Nr. 1924/2006 festgelegt. Die Verwendung von gesundheitsbezogenen Angaben ist mit der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 vom 16.05.2012 in einer Liste mit 222 gesundheitsbezogenen Angaben (Health Claims) bei Lebensmittel genehmigt. Ab 14.12.2012 sind nur die in der Liste aufgeführten Aussagen zulässig.

Gesichtswurst

"Gesichtswurst"

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