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Rückstände von Tierarzneimitteln in Fischen aus Aquakultur

Trotz der ständig zunehmenden Speisefischnachfrage bieten die Fangquoten der meisten Fischereinationen seit Jahren aufgrund der Überfischung kaum mehr Steigerungspotential. Um diesem Trend gerecht zu werden und den Markt dennoch ausreichend bedienen zu können, werden schon seit weit über 100 Jahren Fische in Aquakulturen gehalten. Schätzungen gehen weltweit von Produktionsraten bis zu 60 Millionen Tonnen Fisch für das Jahr 2020 aus.

Intensive Tierhaltung ist zwangsläufig auch mit der Anwendung von Tierarzneimitteln verbunden. Dazu gehören beispielsweise verschiedene Antibiotika sowie Mittel zur Bekämpfung von Parasiten. Aus diesem Grund sind die Untersuchungen von Fischen auf Tierarzneimittel ein wichtiges Aufgabengebiet am Institut für Fische und Fischereierzeugnisse Cuxhaven (IFF). Im Rahmen von verschiedenen Untersuchungsprogrammen werden sowohl Importproben, Proben aus dem Herstellungsprozess und auch Handelsproben auf pharmakologisch wirksame Substanzen untersucht. Durch den sukzessiven Einsatz modernster Verfahren wird ein besonders hohes Niveau für den Verbraucherschutz sichergestellt.


Malachitgrün - seit 2004 verboten

In der Vergangenheit wurden Fischproben verhältnismäßig häufig aufgrund von positiven Rückstandsbefunden des Triphenylmethanfarbstoffes Malachitgrün und seines wichtigsten Metaboliten Leukomalachitgrün beanstandet. Malachitgrünoxalat wurde in der Fischzucht verwendet, um parasitäre Infektionen und Pilzbefall zu therapieren bzw. Verpilzungen der Fischeier vorzubeugen.

Malachitgrün hat mit der am 15. Dezember 2004 veröffentlichten Änderung der Verordnung über Standardzulassungen von Arzneimitteln die Standardzulassung verloren. Seitdem ist die bis dahin noch erlaubte Behandlung von Fischeiern zu Zuchtzwecken mit Malachitgrün grundsätzlich verboten. Darüber hinaus wurde bereits im Oktober 2004 die Rückstandhöchstmenge für Malachitgrün in Fischen und Fischprodukten aufgehoben. Dieses hat zur Folge, dass keinerlei Spuren von Malachitgrün mehr in Fischen oder deren Produkte, die für den menschlichen Verzehr bestimmt sind, enthalten sein dürfen.

Im Jahr 2005 wurden am IFF noch insgesamt 14 von 160 untersuchten Proben aufgrund von Rückständen dieses illegalen Tierarzneimittels beanstandet. Risikoorientierte Beprobungen und Untersuchungen in den Folgejahren führten zu einem deutlichen Rückgang der Beanstandungsquote.

Seit 2014 wurden am IFF nur noch insgesamt vier von 237 untersuchten Proben aufgrund von entsprechenden Rückständen beanstandet (Stand März 2017).

Typische Fisch- und Garnelenproben aus der Aquakulturhaltung
Typische Fisch- und Garnelenproben aus der Aquakulturhaltung
Bildrechte: LAVES

Antibiotika in der Aquakultur

Wenn keine geeigneten Präventivmaßnahmen (z. B. Impfung von Fischbeständen) durchgeführt werden, müssen Antibiotika zur Behandlung bakterieller Infektionen häufig eingesetzt werden. Darüber hinaus kann es leider auch zum illegalen prophylaktischen Einsatz solcher Wirkstoffe kommen. In den Schnellwarnungen aus dem europäischen Schnellwarnsystem für Lebens- und Futtermittel (RASFF) sind immer wieder Meldungen von Arzneimittelrückständen in Fischen zu finden.

Im Bereich der Antibiotika wurden in den Jahren 2014 bis März 2017 drei Proben Shrimps bzw. Garnelen aus Vietnam aufgrund eines Rückstandsbefundes von Oxytetracyclin in Konzentrationen oberhalb der zulässigen Höchstmenge von 100 µg/kg im Muskelgewebe beanstandet. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum 451 Teilproben Fisch auf Antibiotika untersucht.

Unter Berücksichtigung aktueller EU-Vorgaben (2002/657 EG) werden für die Untersuchungen auf Tierarzneimittelrückstände modernste analytische Techniken, basierend auf der Flüssigchromatographie und der Massenspektrometrie, eingesetzt. Die Kombination beider Techniken ermöglicht es, eine Probe in einem einzigen Analysengang auf eine Vielzahl von Arzneimitteln und deren Abbauprodukte (insgesamt ca. 100) zu untersuchen.

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