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Wie kommt der Wurm ins Frühstücksei?

In den Instituten des LAVES werden amtliche Proben, die von den kommunalen Veterinärämtern eingesandt werden, untersucht. Direkt eingereichte Beschwerdeproben von Verbrauchern können üblicherweise nicht in den Instituten des LAVES untersucht werden. In diesem Fall ist allerdings eine Ausnahme gemacht worden.

Fallbericht: Ein Verbraucher entdeckte in seinem Frühstücksei einen ca. 9 cm langen weißlichen, an den Enden spitz zulaufenden, fadenförmigen, ca. 1 mm dicken Wurm (Abbildung 1). Er wandte sich mit seinem Fund an das Veterinärinstitut Hannover, wo das Corpus Delicti als Geflügelspulwurm (Ascaridia galli) identifiziert wurde (Abbildung 2).

Das betroffene Ei gehörte zu einer 10er-Packung Eier aus Bodenhaltung. Die restlichen mitgebrachten sieben rohen Eier der Verpackung wurden ebenfalls überprüft. Da der Erzeugerbetrieb in Niedersachsen lag, konnten zudem Verfolgsproben vom Legehennenhalter angefordert und untersucht werden. Es wurden weder in den mitgebrachten Eiern noch in den Verfolgsproben weitere Würmer gefunden. Zur Abklärung, ob es sich ursächlich um einen massiven Befall von Spulwürmern in der Legehennenhaltung handelte oder um einen Zufallsbefund, wurde angeregt, eine parasitologische Kotuntersuchung im Erzeugerbetrieb durchzuführen.

Wurm im Hühnerei  
Abbildung 1: Geflügelspulwurm im Frühstücksei
Wurm im Hühnerei  
Abbildung 2: Geflügelspulwurm (Ascaridia galli)

Haltungsformen wie Boden- und Freilandhaltung können sich im Vergleich zur Käfighaltung negativ auf den Parasitenbefall beim Nutzgeflügel auswirken, weil diese Haltungsformen die Kreisläufe der Parasiten nicht unterbrechen.

Allgemeines zu Spulwürmern (Askariden) in der Legehennenhaltung

Spulwürmer sind bis zu 12 cm lange Parasiten, die Hühner, Puten und andere Vögel weltweit befallen. Die erwachsenen Parasiten leben im Dünndarm. Ein hochgradiger Befall mit Darmparasiten wirkt sich in der Legehennenhaltung leistungsmindernd aus und ist damit wirtschaftlicht relevant. Die Infektion erfolgt durch Wurmeier, die mit dem Kot ausgeschieden und zum Beispiel durch Picken in der Einstreu oder beim Reinigen des Gefieders wieder aufgenommen werden. In der Außenwelt können Spulwurmeier länger als ein Jahr überleben. Besonders günstig für eine lange Lebensdauer der Eier wirkt sich eine feuchte Einstreu aus. Spulwürmer benötigen keinen Zwischenwirt, allerdings können Regenwürmer als Stapelwirte fungieren.

Eine hochgradige Infektion mit Spulwürmern wird in der Käfighaltung nur selten beobachtet, da der Kot durch Bodengitter direkt auf ein Kotband fällt und die Legehennen wenig Kontakt zum Kot haben. In alternativen Geflügelhaltungssystemen mit Boden- oder Freilandhaltung stehen die Legehennen unter einem größeren Infektionsdruck. Der Kot sammelt sich in Einstreu, Erde und Sand - eine ideale Umgebung in der Wurmeier und -larven sich anhäufen und überleben können. In der Freilandhaltung haben die Legehennen zudem Zugang zu Stapelwirten (Regenwürmer, Schnecken, Insekten).

Bei sehr starkem Befall eines Huhnes mit Spulwürmern findet man die Würmer nicht mehr nur im Dünndarm, sondern auch in weiteren Darmabschnitten. In seltenen Fällen können Würmer vom Darm in die Kloake und von dort in den Eileiter des Huhns einwandern. Im Eileiter angekommen, werden sie dann bei der Eiproduktion von Schale umhüllt und im Ei eingeschlossen. Dies kann beim Konsum der Eier zu unappetitlichen Überraschungen führen. Die Entdeckung eines solchen Wurms im gekochten Ei ist unzweifelhaft ekelerregend, aber bei versehentlichem Genuss in der Regel nicht gesundheitsgefährdend.

Verfolgsprobe: Amtliche Probe, die zur Bestätigung eines Befundes angefordert werden kann.

Zwischenwirte: Viele Parasiten benötigen in ihrer Entwicklung einen Zwischenwirt. Larven oder Jugendstadien des Parasiten werden von einem Organismus (z.B. Schnecke, Regenwurm, Ameise) ungewollt aufgenommen. Der Parasit entwickelt sich im Zwischenwirt weiter (zum Beispiel durch ungeschlechtlichen Vermehrung und/oder Metamorphose). Durch Aufnahme des Zwischenwirtes (Vogel frisst Regenwurm) gelangt der Parasit in den Endwirt und entwickelt sich dort zu seiner endgültigen Form. Fehlt der Zwischenwirt kann keine vollständige Entwicklung zum geschlechtsreifen Parasiten stattfinden.

Stapelwirte: Ascaridia galli benötigt keinen Zwischenwirt. Schnecken, Regenwürmer und Insekten können als sogenannte Stapelwirte fungieren. Infektiöse Spulwurmlarven werden von diesen Tieren aufgenommen und „warten“ dort. Die Larve entwickelt sich in einem Stapelwirt nicht weiter. Erst wenn z.B. der Regenwurm von einem passenden Endwirt (Legehenne) gefressen wird, entwickelt sich die Larve zum fertigen Spulwurm.

Wurm im Hühnerei  

Geflügelspulwurm im Frühstücksei

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