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Mutterkornvorkommen in Futtergetreide

Im Blickpunkt der amtlichen Futtermittelkontrolle steht u.a. die Untersuchung auf Mutterkorn. Trotz großer Anstrengungen der Landwirtschaft und des Einsatzes von komplizierter Reinigungstechnik ist insbesondere in feuchten Jahren mit einem Befall vor allem von Roggen - aber auch von anderem Getreide - zu rechnen.

Bei Mutterkorn (Secale cornutum) handelt es sich um die sog. Sklerotien des parasitären Schimmelpilzes Claviceps purpurea. Diese Sklerotien enthalten Mykotoxine, die zur Gruppe der Alkaloide zählen und für Menschen und Tiere gleichermaßen gesundheitsschädlich sein können.

Der Name Mutterkorn leitet sich ab von einer möglichen Wirkung der Toxine auf Schwangere - sie können Fehlgeburten hervorrufen. Andere Symptome beim Menschen sind Erbrechen, Muskelkrämpfe, Herz- und Gliederschmerzen bis hin zu (Atem-)Lähmungen. Abhängig von der Dosis kann die Aufnahme von Mutterkorntoxinen auch zum Tode führen.

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Mutterkornsklerotien

Mutterkornsklerotien

Die Toxine sind jedoch auch für Tiere schädlich. Besonders Sauen reagieren sehr empfindlich. Die Gifte können z. B. Milchmangel, Dauersterilität, Gebärmutterentzündungen, geringe Wurfgrößen und Fehlgeburten verursachen. Bei Ferkeln sind Kümmerer, Todgeburten, Verhungern und abgestorbene Schwänze und Ohren zu beobachten. Bei Kühen kann die Verfütterung von mutterkornhaltigem Getreide zu einer Verminderung bis hin zur Einstellung der Milchproduktion führen.

Mutterkornsklerotien, 80-fach vergrößert

Mutterkornsklerotien, vergrößert

Unerwünschte Effekte in der Tierernährung sind bereits ab 0,1% Mutterkorn im Gesamtfutter (bezogen auf Frischgewicht) möglich. Deshalb gelten Mutterkorngehalte von mehr als 1000 mg/kg als überhöht.

Diese kurze Aufführung der Folgewirkungen einer Mutterkorntoxinaufnahme zeigt, wie wichtig es ist, Getreide diesbezüglich zu kontrollieren.

Für den Bereich der tierischen Ernährung erfolgt die amtliche Kontrolle von Getreide auf Mutterkornsklerotien im LAVES. Hier werden im Futtermittelinstitut Stade makroskopische Untersuchungen an Getreide und mikroskopische Untersuchungen an z.B. gemahlenen Futtermitteln durchgeführt.

In der nachfolgenden Tabelle sind die in den Jahren 2005 bis 2008 (1. Halbjahr) untersuchten Proben aufgelistet.

2005

2006

2007

2008 (1. Halbjahr)

Gesamtzahl

112

97

53

45

negative Proben

68

70

34

17

positive Proben

44 (39,3 %)

27 (27,8 %)

19 (35,8 %)

28 (62,2 %)

davon >1000 mg/kg

5 (4,5 %)

10 (10,3 %)

7 (13,2 %)

10 (22,2 %)

In den Jahren 2005 - 2007 lag der Anteil Mutterkorn-positiver Proben zwischen 27,8 und 39,3 %. Dabei überschritten 4,5 - 13,2 % der Proben den Grenzwert von 1000 mg/kg.

Für das erste Halbjahr 2008 ist eine deutliche Steigerung der positiven Proben zu erkennen. Bei diesen Proben handelt es sich um deutsches Getreide aus dem Erntejahr 2007. Im Jahr 2007 waren besonders ergiebige Niederschläge zu verzeichnen, was erwartungsgemäß den Befall des Getreides mit Mutterkorn verstärkt hat. Derartig belastetes Getreide ist zur Verfütterung nicht geeignet. Möglich ist hier z.B. eine nochmalige intensive Reinigung.

Mutterkorn auf Roggenähren

Mutterkorn auf Roggenähren

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