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Vorsicht beim Verzehr von bitteren Mandeln und bitteren Aprikosenkernen – Gefahr durch Blausäure

Mandeln werden häufig als Backzutat verwendet. Neben süßen Mandeln, die roh verzehrt werden können, gibt es Bittermandeln, die zum rohen Verzehr nicht geeignet sind: Bittermandeln enthalten Amygdalin, ein cyanogenes Glykosid, welches während des Verdauungsprozesses hochgiftige Blausäure abspaltet. Wird die Bittermandel gekocht, verflüchtigt sich die hitzeempfindliche Blausäure auf eine unbedenkliche Menge.

Der Gehalt an Blausäure beträgt bei rohen bitteren Mandeln bis zu 3000 mg/kg. So können, je nach Körpergewicht, bereits etwa 5 bis 10 Bittermandeln bei Kindern zu einer tödlichen Blausäurevergiftung führen.

Der Handel ist daher dazu übergegangen Bittermandeln nur in kleinen Packungseinheiten a 50 g anzubieten. Die Beutel tragen in der Etikettierung einen Warnhinweis wie z. B. "Nur zum Kochen und Backen verwenden. Für Kinder unzugänglich aufbewahren. Nicht zum Rohverzehr geeignet."

Wer bei seinem selbst hergestellten Gebäck nicht auf den typischen Bittermandelgeschmack verzichten möchte, den Umgang jedoch scheut, kann auf Bittermandelaroma zurückgreifen.

Neben Mandeln enthalten noch andere Kerne Amygdalin. Beispielsweise süße und bittere Aprikosenkerne, die ebenfalls seit langem bei der Herstellung von Lebensmitteln eingesetzt werden, wie z. B. bei Persipan. Mehr....

Seit einiger Zeit werden bittere Aprikosenkerne im Handel zum unmittelbaren Verzehr angeboten, was die gleichen Gefahren birgt wie bei rohen Bittermandeln. Diese werden allerdings nicht in kleinen Packungseinheiten, sondern in Beuteln a 200 g vertrieben. Untersuchungen im Lebensmittel- und Veterinätinstitut Braunschweig/Hannover des LAVES im Jahr 2006 ergaben einen vergleichbar hohen Blausäuregehalt wie bei bitteren Mandeln. Bei sechs Proben verschiedener Anbieter lagen die Blausäuregehalte zwischen 1949 mg/kg und 2934 mg/kg. Ein Warnhinweis war lediglich bei einer Probe deklariert. Dieser Hinweis beschränkte sich aber lediglich auf die Angabe "von Kindern fernhalten".

Die niedrigste letale Dosis für Blausäure liegt bei Erwachsenen zwischen 0,5 bis 3,5 mg/kg Körpergewicht (EFSA 2004).

Gemäß einer Risikobewertung des britischen Committee on Toxicity soll die Aufnahme an Cyaniden 0,02 mg/kg Körpergewicht/Tag nicht überschreiten. Der TMDI-Wert (Temporary Maximum Daily Intake) für Blausäure beträgt nach Angaben des Expertenkomitees "Aromastoffe (2005)" 0,023 mg/kg Körpergewicht.

Bei den untersuchten Proben wird zwar mit 10 Aprikosenkernen die letale Dosis bei einem Erwachsenen noch nicht erreicht, aber mit dem Verzehr nur eines Aprikosenkerns die maximal akzeptable Aufnahmemenge von 0,02 mg Cyanid pro kg Körpergewicht.

Bittere Aprikosenkerne werden vor allem zur alternativen (von Medizinern sehr umstrittenen) Krebsbehandlung angepriesen und über das Internet sowie in Reformhäusern und Naturkostläden vertrieben. Eine häufige Angabe in der Etikettierung lautet z. B.: "Aprikosenkerne sind reich an Vitamin B 17", verbunden mit einer Verzehrsempfehlung von ca. 10 Kernen über den Tag verteilt. Der Begriff "Vitamin" lässt vermuten, dass die Kerne gesundheitsförderlich sind und bei höherem Verzehr nicht unbedingt schädlich. Vitamin B17 ist die Bezeichnung für ein Pseudovitamin, bei dem es sich um das Blausäure abspaltende cyanogene Glykosid Amygdalin handelt, welches keine Vitaminwirkung besitzt.

Die Proben "Aprikosenkerne bitter" wurden daher als gesundheitsschädlich im Sinne des Artikels 14 Abs. 2a der VO(EG) Nr. 178/2002 beanstandet.

Wichtig zu wissen: Auch Aprikosenkerne, die als "Süße Aprikosenkerne" vermarktet werden, können deutliche Gehalte an Blausäure aufweisen. So wiesen zwei Proben süße Aprikosenkerne aus der Türkei Blausäuregehalte zwischen 200 und 400 mg/kg auf. In der Etikettierung wurden die Aprikosenkerne ausgelobt als "echte Alternative zu Mandeln. Aprikosenkerne schmecken auch als Snack oder in Ihrem Müsli".

Süße und bittere Aprikosenkerne unterscheiden sich in ihrem Äußeren kaum. Ein Aussortieren bitterer Kerne ist daher nicht möglich. Die Proben wurden beanstandet.

Erfreulich: Bei 14 weiteren Proben "Süße Aprikosenkerne" ebenfalls türkischer Herkunft lagen die Blausäuregehalte unter 70 mg/kg, so dass der Verzehr als unbedenklich eingestuft werden konnte.

Hinweis: Als unbedenklich bezüglich akuter Vergiftungserscheinungen lässt sich die Menge von zwei großen bitteren Aprikosenkernen bei Erwachsenen abschätzen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät Verbrauchern deshalb, nicht mehr als zwei bittere Aprikosenkerne pro Tag zu verzehren oder völlig auf den Verzehr zu verzichten.


Weiterführender Link:

Mandelkerne und -samen

Mandeln

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