Die im Wohnumfeld des Menschen lebenden kommensalen Nager wie Wanderratte, Hausratte und Hausmaus finden im Herbst und Winter in Gebäuden nicht nur Schutz vor Kälte und Frost sondern profitieren auch vom reichlich vorhandenen Nahrungsangebot, welches sie in Getreidelagern, Vorratskammern und Küchenbereichen vorfinden. Geeignete Hohlräume in Zwischendecken und -wänden sowie schwer zugängliche Keller- und Dachbodenareale bieten den kommensalen Nagern zahlreiche Unterschlupf- und Versteckmöglichkeiten. Hausmäuse legen ihre Nester gerne unmittelbar an oder in Nahrungs- und Futtermitteln an.
Wanderratte, Rattus norvegicus
Hausratte, Rattus rattus
Hausmaus, Mus musculus domesticus
Während die Wanderratte, Rattus norvegicus, in der Regel im Herbst aus ihrem natürlichen Biotop im Freiland in die Gebäude eindringt, ist die seltenere Hausratte (Dachratte), Rattus rattus, in Mitteleuropa ganzjährig an Gebäude gebunden. Ist der Lebensraum für die Wanderratte optimal, können sich in Gebäuden auch freilandunabhängige Populationen aufbauen. Bei der Hausmaus, Mus musculus, gibt es zwei unterschiedliche Rassen, eine, welche dauerhaft kommensal innerhalb von Gebäuden lebt (Mus musculus domesticus) und eine zweite, die im Winter aus Gebäude angrenzenden Arealen einwandert (Mus musculus musculus).
Die Anwesenheit der genannten Nager in Gebäuden ist durch verschiedenartige Spuren ersichtlich:
Fraß- und Nagespuren
Kotpartikel, bzw. -plätze
Trittsiegel
Aktivitätsgeräusche
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Trittsiegel der Wanderratte
Wanderratte und Hausmaus sind Allesfresser (omnivor) und daher sowohl an Vorräten pflanzlicher und tierischer Herkunft als auch an verarbeitenden Lebensmitteln schädlich. Durch das unvermeidbare Nagen (Nachschärfen der Nagezähne) an Baumaterial und Bedarfsgegenständen entsteht innerhalb von Gebäuden teilweise erheblicher Schaden. Die in Kunststoffummantelungen von Elektrokabeln verwendeten Weichmacher veranlassen die Nager auch hier tätig zu werden – mit der Gefahr von Kurzschlüssen im gesamten Gebäudeareal. Die Hausratte ernährt sich fast ausschließlich von Früchten, Sämereien und pflanzlichen Vorräten und stellt daher u.a. eher in der Lagerhaltung ein Problem dar.
Grundsätzlich können alle in der Nähe des Menschen lebenden (synanthrope) Nager passiv und aktiv Krankheitskeime übertragen, entweder durch direkten Kontakt (taktil) oder durch Ausscheidungen, wie Speichel, Blut, Urin und Kot (exkretorisch). Auch eine direkte Übertragung durch Biß ist möglich. Kommensale Nager können Reservoirtiere für viele übertragbare Krankheiten sein, z.B. Tularämie, Salmonellose, Leptospirose, Hantavirose, Murines Fleckfieber, Pest, Leishmaniose, Tollwut, Rattenbißfieber usw. (Näheres im Artikel "Ratten als Krankheitsüberträger" oder hier).
Die Bekämpfung der in Gebäude eingedrungenen kommensalen Nager ist in der Regel mit antikoagulanten Ködern durchzuführen, die in festen Köderstationen (keine offene Auslegung!) im gesamten Befallsareal ausgelegt werden. Baue und Wechsel (Zwangspassagen) im Außenbereich der Gebäude können mit Rodentiziden auf Pulver-, Gel- und Schaumbasis behandelt werden (näheres dazu im verlinkten Artikel!). Die Anzahl der Köderstellen ist von der Befallsstärke abhängig, so dass zuerst einmal eine Befallsermittlung stattfinden sollte. Diese wird in der Regel mit unbegifteten Kontrollköder (Haferflocken, Weizen oder Apfelstückchen) durchgeführt: In der Regel ist eine Ködermenge von 200 g pro Köderstation bei Wanderratte und Hausratte ausreichend. Bei Hausmausbefall reicht eine Ködermenge von 5-20 g pro Station aus, wobei aber deutlich mehr Köderstellen (alle 2m) notwendig sind als bei Rattenbefall. Wichtig ist die regelmäßige Köderkontrolle, bei Ratten ein bis zweimal pro Woche in den ersten beiden Wochen. Grundsätzlich empfiehlt sich der Einsatz eines ständigen Monitoringsystems sowie strategische Beköderung in allen potentiell gefährdeten Bereichen!
Unter den Echten Mäusen, Muridae, sind weiterhin eine Reihe von Arten der Gattung Apodemus im Umfeld des Menschen anzutreffen, welche im Herbst und Winter auch dauerhaft in Gebäuden auftreten können. Hierzu zählen die Waldmaus, Apodemus sylvaticus, die Gelbhalsmaus, Apodemus flavicollis und die Brandmaus, Apodemus agrarius.
(Quellen: J. Lindsey, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5/; Gower, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5/; Pethan, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5/; Soebe, http://commons.wikimedia.org/wiki/COM:GFDL)
Auch sie suchen Schutz vor Kälte und Nässe, finden innerhalb von Gebäuden aber auch Nahrung in Form von Obst, Sämereien, Nüssen, Insekten etc.. Die Waldmaus und die Gelbhalsmaus legen Vorratslager auf Dachböden, in Zwischenwänden und unter Dielenböden an.
Die Rötelmaus, Clethrionomys glareolus, welche zu den Wühlmäusen zählt, ist auch gelegentlich innerhalb von Gebäuden anzutreffen. Hier sucht sie im Winter Schutz vor kalter Witterung und insbesondere vor Nässe. Schädigungen an im Keller eingelagerten Obst, Blumenzwiebeln und Pflanzwurzeln können vorkommen.
Im Gegensatz zu den kommensalen Nagern ernähren sich die Arten der Gattung Apodemus sowie die Rötelmaus pflanzlich und gelegentlich von Insekten. Insbesondere in Gewächshäusern, Gemüsekellern oder Obstlagern kann es daher auch durch diese Nager-Arten zu erheblichen Schäden kommen. Schädigungen an der Bausubstanz sind eher unwahrscheinlich, allerdings können durch das Anlegen von Vorratskammern in Hohlräumen diese als Brutherd für Schadinsekten (Kornkäfer, Reiskäfer, Brotkäfer, Lebensmittelmotten etc.) dienen.
Die genannten Mäusearten sind ebenfalls in der Lage taktil und exkretorisch Krankheitskeime zu übertragen, wobei insbesondere das Hanta-Virus eine größere Rolle spielt und bei allen vier genannten Arten nachgewiesen worden ist. Ferner wurden bei allen Arten Salmonellen und Leptospiren nachgewiesen.
Bekämpfungsmöglichkeiten (Apodemus und Clethrionomys)
Die Bekämpfungsmöglichkeiten der Wald-, Gelbhals- und Brandmaus ist in der Regel stark eingeschränkt, da die genannten Arten unter besonderem Schutz (Weiße Liste) stehen. Eine Fangaktion mit geeigneten Lebendfallen ist aber in gewissen sensiblen Bereichen zu empfehlen. Die Bekämpfung der Rötelmaus sollte sich auf den Freilandeinsatz von Giftweizen auf Antikoagulantienbasis beschränken, welcher in geeigneten Köderstationen oder direkt in die Baueingänge der Rötelmaus ausgebracht wird. In das Gebäude eingedrungene Mäuse können natürlich auch durch Fallenfang reduziert werden, wobei geeignete Schlupflöcher, welche als Ein- und Ausgangspforte dienen, geschlossen werden sollten. Natürliche Feinde wie Marder, Hauskatze und Schleiereule tragen dazu bei, dass sich der Befall in Grenzen hält.
Insectivoren (Insektenfresser)
Neben den kommensalen Nagern oder anderen Mäusen, kommen auch noch weitere Wirbeltiere in Betracht, welche sich in Gebäudebereichen einnisten und für Belästigungen, Schäden und gesundheitliche Gefahren sorgen. Insbesondere Kleinsäuger, welche sich von Insekten und anderen Arthropoden ernähren, spielen hier eine Rolle.
Verschiedene Spitzmausarten können regelmäßig innerhalb von Gebäuden vorkommen. Spitzmäuse sind, neben einigen Fledermausarten, die kleinsten Wirbeltiere, welche bei uns vorkommen. Die Hausspitzmaus, Crocidura russula, die Feldspitzmaus, Crocidura leucodon sowie die Gartenspitzmaus, Crocidura suaveolens dringen oft auf der Suche nach geeigneter Nahrung (Insekten, Spinnentiere, Asseln, Tausendfüßer) in Gebäude ein und verbleiben hier auch längere Zeit, wenn sie hier ein ausreichendes Nahrungsangebot vorfinden.
Die Beeinträchtigungen, die von in Gebäude eingedrungenen Spitzmäusen ausgehen, reduzieren sich auf Geruchsbelästigungen, welche durch die übermäßige Stoffwechseltätigkeit der Soricidae ausgehen. Spitzmäuse koten und urinieren sehr stark, so dass in kurzer Zeit große Mengen an Losung anfallen. Verrichten sie ihre Hinterlassenschaften in Gebäudehohlräumen, welche schwer zu erreichen und zu säubern sind, entsteht oft eine erhebliche Geruchsbelästigung. Es sind zwar immer nur Einzeltiere oder Pärchen, welche in Gebäude eindringen, durch die hohe Stoffwechseltätigkeit wird aber oft ein stärkerer Befall vorgetäuscht.
Da Spitzmäuse Insektenfresser (Insectivoren) sind, entstehen keine Schäden an Vorräten oder Lebensmitteln. Auch Beeinträchtigungen der Bausubstanz sind nicht zu erwarten.
Spitzmäuse spielen als Überträger von Krankheiten, bedingt durch ihre entomophage Lebensweise, nur eine untergeordnete Rolle. Eine gewisse Gefährdung besteht als Reservoirtier von Ekto- und Endoparasiten (Milben, Zecken, Nematoden).
Bekämpfungsmöglichkeiten (Spitzmäuse)
Alle heimischen Spitzmäuse stehen unter besonderem Schutz und dürfen nicht bekämpft werden. Bei starker Belästigung (Geräuschaktivitäten, Geruchsbelästgung) ist es aber oft erforderlich, die Tiere mit Lebendfallen einzufangen. Da Spitzmäuse als Insectivoren und Karnivoren sich durch normalen Mäuseköder auf Cerealienbasis nicht anlocken lassen, erfordert eine Fangaktion (Köderung z.B. mit Hack) viel Zeit und Geduld. Die gefangenen Spitzmäuse können in einem geeigneten Biotop wieder frei gelassen werden. Ferner gilt es, Eintrittspforten in Gebäuden für die Spitzmäuse unpassierbar zu machen, indem man z.B. Mauerfugen sowie Tür- und Fensterspalten abdichtet.
Karnivoren (Fleischfresser)
Unter den Raubtieren, bzw. vorwiegend fleischfressenden (karnivor) Säugetieren gibt es eine Gruppe, die Marderartigen, Mustelidae, welche im Umfeld des Menschen gelegentlich (Iltis, Mauswiesel) oder mehr oder weniger häufig (Steinmarder) anzutreffen sind.
Durch die in Gebäude eingedrungenen dämmerungs- und nachtaktiven Steinmarder (dieser Rhythmus wird während der Jungenaufzucht gestört!), können Schäden durch die Zerstörung von Isolierungen, durch das Zerbeißen von Elektrokabeln an Fahrzeugen und durch das Töten von Hausgeflügel und das Fressen von Obst entstehen. Der Steinmarder vertilgt aber auch Mäuse, Ratten, Sperlinge und Tauben. Außerdem spielt als störender Faktor die Lärmbelästigung in der Nacht eine sehr große Rolle.
Durch seine omnivore (omnivor=Allesfresser) Lebensweise kann auch der Steinmarder passiv und aktiv Krankheitskeime übertragen, wenn auch nicht in dem Maße wie die kommensalen Nager. Auch eine direkte Übertragung durch Biss (Tollwut!) ist möglich. Als Reservoirtier für Hunde- und Katzenfloh, welche als Vektor für verschiedene Krankheitserreger gelten, spielt der Steinmarder eine nicht zu unterschätzende Rolle.
Einzelgänger, dämmerungs- und nachtaktiv, selten an Tage; vornehmlich auf dem Boden; an Waldrändern, in Steinbrüchen, felsigen Gebieten, Parks und Gärten; Kulturfolger
nutzt Scheunen, Ställe, Dachboden, leer stehende Gebäude ganzjährig als Unterkunft und Jagdrevier. Er benutzt beim Auf- und Absprung immer denselben Ast oder Mauervorsprung
Ew = Entwöhnung; Gr = Geschlechtsreife; Ld = Lebensdauer
Bekämpfungsmöglichkeiten (Marder)
Der Steinmarder gilt als jagdbares Wild und fällt unter das Bundesjagdgesetz, bzw. unter das zuständige Landesgesetz. In das Gebäude eingedrungene Tiere lassen sich oftmals dadurch vertreiben, die Gebäude für den Marder so unattraktiv zu gestalten, dass er es vorzieht den Tag in einem anderen Versteck zu verbringen. Dieses gelingt durch Veränderung seines bekannten Reviers durch kleine Umbauten oder Umgestaltungen, Licht- oder Lärmeffekte. Eine dauerhafte aber aufwendige Lösung ist erreicht, wenn es gelingt alle Mardereingänge zu finden und fest zu verschließen. Da die Arbeiten tagsüber ausgeführt werden, ist es möglich, dass der Marder eingeschlossen wird. Daher muss eventuell ein Ausgang offen bleiben, bzw. wieder geöffnet werden, bis der Marder vertrieben oder gefangen ist.