Wildpilze - radioaktive Werte deutlich unterhalb des Grenzwertes
Im Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover des LAVES werden seit 1986 jährlich essbare Wildpilze auf ihre radioaktive Belastung untersucht.
Für die Jahre 2018 bis 2025 liegen die Messergebnisse des Gehaltes an Cäsium-137 (Cs-137) von 77 niedersächsischen Pilzproben aus niedersächsischen Forsten vor.
Untersuchung von Wildpilzen aus niedersächsischen Forsten
Die Pilze, die jährlich aus niedersächsischen Forstämtern angefordert werden, gelten als verlässliche Bioindikatoren für Umweltbelastungen.
Im Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover werden seit 1986 jährlich essbare Wildpilze auf ihre radioaktive Belastung untersucht. In den Jahren 2018 bis 2025 wurden 77 Proben Wildpilze aus niedersächsischen Forsten gammaspektrometrisch untersucht. Soweit möglich wurden die Pilze im küchenfertigen Zustand gemessen. Die in einigen Jahren geringere Probenzahl ist vor dem Hintergrund der vor Allem witterungsbedingt deutlich schlechter ausfallenden Pilzernten zu erklären.
Die Untersuchungen sind Teil des landesweiten „Sonderprogramms Wildpilze“, welches das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Folge des Reaktorunfalls von Tschernobyl eingerichtet hat. Die radioaktive Belastung der essbaren Wildpilze kann regional stark variieren, da sie von den Bodenverhältnissen und der dem Boden zugeführten Menge des radioaktiven Fallout/Washout, der Art des Bodens und der darauf wachsenden Pilzart abhängt.
Das Sonderprogramm Wildpilze wird im Rahmen des Integrierten Mess- und Informationssystem des Bundes zur Überwachung von Radioaktivität in Deutschland (IMIS) durchgeführt. Ortsbezogene Aktivitätskonzentrationen (Bq/kg) der Wildpilze können im Online-Portal des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) eingesehen werden.
Eine Überschreitung des gesetzlichen Grenzwertes von 600 Becquerel je Kilogramm (Bq/kg) ist seit einigen Jahren für Niedersachsen nicht mehr festgestellt worden. Die Spanne reicht von knapp 3 Bq/kg Cäsium-137 im nordwestlichen bis circa 200 Bq/kg im südöstlichen Niedersachsen.
Wildpilze sind stärker belastet als Ackerpflanzen, in denen Cäsium-137 allenfalls im Bereich der Nachweisgrenze von 0,2 Bq/kg Cäsium-137 gemessen wird. Die Ursache liegt in der Mobilität des Cäsiums im humusreichen Waldboden, dem die Tonminerale fehlen. Tonminerale, wie sie auf Ackerflächen reichlich vorhanden sind, binden das Cäsium und unterbrechen damit den Belastungskreislauf. Im Gegensatz zu Ackerflächen wird der Waldboden nicht bearbeitet. Dadurch fehlt die Verdünnung der Aktivitäten wegen fehlender Tiefenverlagerung und Durchmischung. Flachwurzelnde Pflanzen des Waldes wie Pilze und Gräser sind daher höher belastet. Zum anderen sammelt ein Pilz mit seinem in der Fläche weit verzweigten Mycel die Schadstoffe des sauren Waldbodens in seinem Fruchtkörper. Die bodenspezifischen Wachstumsvoraussetzungen ergeben daher ein für jede Pilzart sortenspezifisches Belastungsprofil.
Die Schwankungen innerhalb des graphischen Betrachtungszeitraumes können mit der in schlechten Pilzjahren witterungsbedingt geringen Probenzahl erklärt werden. Die heterogene Belastung in Niedersachsen führt bei niedriger Probenzahl zu starken Schwankungen der Einzelwerte gegenüber dem Vorjahr, wenn durch die Witterungseinflüsse die Probenahme aus stark belasteten Gebieten oder anderenfalls wenig belasteten Gebieten überrepräsentiert ist.
Wildpilze sind echte Saisonartikel. Pfifferling, Steinpilz und Trüffel beispielsweise können nicht angezüchtet werden. Sie wachsen wild, meistens in Nadelwäldern. Frische Pfifferlinge, die im Handel angeboten werden, stammen ausnahmslos aus osteuropäischen Ländern. In Deutschland wildwachsende Pfifferlinge stehen als bedrohte Art unter besonderem Schutz und dürfen daher nicht vermarktet werden. Gelegentlich werden auf Märkten auch andere Wildpilze angeboten. Auch Steinpilze stehen unter Naturschutz. Auf Märkten legal angebotene frische Steinpilze stammen daher aus dem Ausland.
Importkontrollen erfolgen in Zuständigkeit der entsprechenden Bundesländer an den nach EU-Verordnung zugelassenen Grenzeinlassstellen. Die für den Import bestimmten Pilze werden im Exportland vorab gemessen, da der Ware ein Zertifikat mit Angabe des gemessenen Radionuklidgehaltes beiliegen muss.
Weitere Informationen zum Strahlenschutz und Messergebnisse zur radioaktiven Belastung:
- Bundesamt für Strahlenschutz (BfS): Strahlenbelastung von Pilzen und Wildbret
Untersuchung von Pfifferlingen aus dem Handel
Im Jahr 2025 wurden im Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover insgesamt acht Handelsproben Pfifferlinge verschiedener Herkunft mittels Gammaspektrometrie untersucht. In allen Proben wurden Aktivitätswerte von Cs-137 oberhalb der Nachweisgrenze (kleinste Wert, den ein Messgerät überhaupt physikalisch messen kann) gefunden. Die Aktivitäten reichen von 1,8 bis 123 Becquerel pro kg Feuchtmasse (Bq/kg FM), im Mittel liegen sie bei circa 50 Bq/kg FM.
Die durch die verzehrte Aktivität wirksame Folgedosis kann abgeschätzt werden: Die mittlere Dosis aus der Nahrung liegt in Deutschland bei circa 0,3 Millisievert (mSv) pro Jahr. Um diese Dosis nur durch Pfifferlinge zu erreichen, müssten im Jahr 188 kg beziehungsweise täglich 515 g der mit 123 Bq/kg FM am stärksten belasteten Probe des Jahres 2025 verzehrt werden. Diese Zahlen zeigen: Auch ein mehrfacher Verzehr von belasteten Pfifferlingen in üblichen Portionen und Häufigkeiten führt zu keiner bedenklichen zusätzlichen Dosis.
Vergleichbare Untersuchungen an Pfifferlingen wurden in anderen Messstellen in Deutschland durchgeführt. Selten und mit über die Jahre abnehmender Häufigkeit werden dabei Proben gefunden, die den gesetzlichen Höchstwert von 600 Bq/kg FM überschreiten. Auch hier bewirkt ein einzelner Verzehr keine relevante Zusatzbelastung bezüglich der Folgedosis: 0,0016 mSv pro Portion (200 g) bei 600 Bq/kg FM. Ein längerer Flug (zum Beispiel von Frankfurt nach Gran Canaria) verursacht im Vergleich die zehnfache Dosis. Die Belastung der Pfifferlinge kann je nach Herkunft variieren, da sie von den lokalen Bodenverhältnissen, der dem Boden zugeführten Menge des radioaktiven Fallout/Washout und der Art des Bodens abhängt.
Presseinformationen zum Thema
- 2015: LAVES untersucht Wildfleisch auf radioaktive Belastung - geringe Werte in Niedersachsen
- 2005: LAVES untersucht Wildpilze: Belastung weiterhin deutlich unterhalb des Grenzwertes
- 2004: Radioaktive Belastung von nieders. Wildpilzen weiterhin deutlich unterhalb des Grenzwertes
- 2003: Radioaktive Belastung von Wildpilzen weiterhin rückläufig
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Speisepilze sind die schmackhaften Fruchtkörper von hochentwickelten Pilzarten, die in der Küche, ob roh, gebraten oder als Konserve großen Zuspruch finden. Das LAVES untersucht sowohl Wildpilze als auch Kulturpilze. mehrÜberwachung der radioaktiven Belastung in Niedersachsen
Die Überwachung der Radioaktivität der Lebensmittel erfolgt zum Schutz der Bevölkerung. Sie soll eine Beurteilung ermöglichen, in welchem Maße der Mensch radioaktiver Strahlung ausgesetzt ist, die von der Umwelt ausgeht. mehrPilze sind beliebte Nahrungsmittel, aber auch leicht verderblich. Sie sollten immer frisch eingekauft oder gesammelt werden.
